„Bist du Rezeptionistin?“: Forscherin teilt sexistische Anmachen

Eine bei der NASA tätige Forscherin veröffentlicht auf Twitter einen Screenshot von einer Unterhaltung auf einer Dating-Plattform, die zeigt, mit welchen Vorurteilen Forscherinnen konfrontiert werden.

Es gäbe bestimmt viel, worüber man mit Dr. Lauren McKeown plaudern kann. Sie ist promovierte Planetologin und durfte sogar schon bei der NASA Arbeitsluft schnuppern. Ein Match auf der Dating-Plattform Hinge entschied sich trotzdem für eine sexistische Anmache.

Hinge ist die "App, die zum Löschen gedacht ist", wie das Unternehmen selbst auf der Webseite schreibt. Anders als bei Tinder sollen Menschen hier nicht über das Wisch-und-weg-Prinzip zusammengebracht werden, sondern nach gezielten Berührungspunkten gematcht werden – etwa, wenn die Personen gemeinsame Freunde oder gleiche Interessen haben.

Sexistische Kontaktaufnahme

Bei eben diesen Interessen gab McKeown Planetologie an, in der Kategorie "fun fact" fügte sie hinzu, dass sie schon für die NASA gearbeitet hat. Ein Match sah das als praktische Rutsche für den Start einer Konversation, der sich allerdings schnell als sexistisch und vorurteilsbehaftet entpuppte.

"Scheiße, das ist cool. Das muss ich meinen Eltern sagen", schreibt er in Bezug auf ihre Arbeitserfahrung bei der weltbekannten Raumfahrtbehörde. Dann legte er nach: "Also - was genau bist du da – so etwas wie eine Empfangsdame?" und fügte wenig später hinzu: "Nur ein Scherz, du siehst einigermaßen intelligent aus." Auf Twitter veröffentlichte McKeown einen Screenshot der Anmache mit den Worten: "Und das, meine Damen und Herren, ist der Grund, warum ich immer noch single bin."

Auch gegenüber ihrem Match ließ sie die Kommentare nicht auf sich sitzen: "Ich bin immerhin schlau genug, um zu wissen, dass es nicht der beste Einstieg in eine Unterhaltung ist, die Intelligenz einer Frau anhand ihres Aussehens zu messen. (…) Und außerdem: Meine Mutter ist Empfangsdame in einer Schule und sie ist die weiseste, inspirierendste und liebenswürdigste Person, die ich kenne. So sehr, dass meine Doktorarbeit in Planetologie ihr gewidmet ist." Mic drop!

Hinge hat "Null-Tolerenz-Strategie"

Der Tweet wurde mittlerweile fast 200.000 Mal gelikt. In den Kommentaren teilten weitere Forscherinnen ihre Erfahrungen mit Typen, die glauben Rückschlüsse auf Karrieren ziehen zu können, weil sich die Frauen gerne stylen und sich für Mode interessieren. Das virale Posting drang auch zu den Mitarbeiter*innen bei Hinge durch, die "sich um die Sache kümmern" werden. Man haben bei beleidigenden Kommentaren "eine Null-Tolernz-Strategie", anwortete die Dating-Plattform der Irin auf Twitter.

Forscherinnen kämpfen gegen Vorurteile

Im Zuge des Postings entwickelte sich eine zweite virale Aktion: In einem Twitter-Thread wollen Forscherinnen nun zeigen, dass sich Modeaffinität und Karrieren in der Wissenschaft nicht ausschließen und vom Aussehen keine Rückschlüsse auf Intelligenz gezogen werden können. "Können wir bitte einen stylische-Forscherinnen-Thread starten?" fragt deshalb die Userin @lablesbian. "Ich beginne!"

 

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