Bist du in deinem Job Opfer von Gaslighting?

8 Zeichen, dass deine Kolleg*innen oder dein*e Chef*in dich heimlich manipulieren.

Wirst du in deinem Job Opfer von Gaslighting?

Du hast bestimmt schon von Gaslighting gehört, aber wahrscheinlich eher im Kontext von Beziehungen oder Freundschaften. Aber auch im Beruf kann Gaslighting durch Kolleg*innen oder Vorgesetzten vorkommen. Aber first things first. Was ist Gaslighting überhaupt?

Psycholog*innen erklären Gaslighting im Wesentlichen als eine Kommunikationstechnik, bei der jemand dich dazu bringt, deine eigene Version der Ereignisse in Frage zu stellen. Du sagst zum Beispiel: "Oh wow, der Himmel ist rot", wenn du feststellst, dass der Himmel rot ist. Ein Gaslighter würde darauf mit "Nein, ist er nicht. Du bist verrückt." Das bringt dich dazu, deine eigene Realität in Frage zu stellen.

Gaslighting im Büro

Im Büro handelt es sich dabei oft um ein Machtspiel, bei dem sich das Opfer verwirrt, schwach und machtlos fühlt. Gaslighting am Arbeitsplatz bedeutet, dass eine Person - in der Regel ein*e Kolleg*in oder ein*e Vorgesetzte - das, was du für wahr hältst, entkräftet und dich zwingt, die Fakten und letztlich dich selbst und deine Fähigkeit, deine Arbeit zu erledigen, in Frage zu stellen. Mit anderen Worten: Sie verdrehen (entweder versehentlich oder absichtlich) Informationen, Worte und Verhaltensweisen, um dich zu verwirren, Gefühle zu bagatellisieren und dich vom Erfolg abzuhalten.

Wie erkennst du aber, ob eine Person in deinem Job versucht dich zu manipulieren? Wir haben 10 typische Beispiele für Gaslighting durch eine*n Vorgesetzten oder Kolleg*in gesammelt:

  1. Der Gaslighter sagt, er hätte die Präsentation, die du definitiv rechtzeitig abgegeben hast, nie erhalten. Du hast die Sendebestätigung in deinem E-Mail-Postfach, aber irgendwie bist du die*derjenige, der*die mit der IT-Abteilung telefoniert, um den "technischen Fehler" zu klären, der verhindert hat, dass die Präsentation verschickt wurde.
  2. Der Gaslighter geht in die Defensive und stellt deine Sichtweise in Frage und wird verbal unangenehm, wenn du ein Thema ansprichst, das dir wichtig ist. Er*sie lässt dich an deinen Emotionen und Gefühlen zweifeln, nachdem du einen unangenehmen Austausch in einer Besprechung angesprochen hast. Das lässt dich mit dem Gefühl zurück, dass du empfindlich warst.
  3. Der Gaslighter streut positive Verstärkung ein, wenn du kurz vor dem Zusammenbruch stehst. Er*sie hat dich wegen jeder Kleinigkeit ermahnt, aber genau dann, wenn du am Ende bist, streut er*sie ein paar Komplimente ein. Hast du dir ihren Hass und ihre Gemeinheit die ganze Zeit nur eingebildet?
  4. Der Gaslighter macht eine rassistische oder sexistische Bemerkung, um andere Kolleg*innen dann zu verurteilen, wenn sie das Gleiche tun. Jetzt weißt du nicht mehr, wo die Person eigentlich steht und bist verwirrt über deren Wahrnehmung der Realität.
  5. Der Gaslighter leiht sich Gegenstände von dir aus ohne zu fragen und gibt sie dann irgendwann auf deinen Schreibtisch zurück. Ein scheinbar geringfügiges Vergehen, aber eines, bei dem du das Gefühl hast, verrückt zu werden, wenn du versuchst, eine Schere zu finden, von der du geschworen hast, sie zu besitzen.
  6. Der Gaslighter schwört, dass er*sie sich um etwas kümmert, obwohl er nichts dergleichen tut. Die Gehaltserhöhung, um die du gebeten hast? Die Person sagt, sie kümmert sich darum und du hörst nie wieder etwas davon.
  7. Der Gaslighter sagt, dass es in Ordnung ist, das morgendliche Meeting ausfallen zu lassen. Du machst das, und im nächsten Moment schreibt dieselbe Person, die dir die Erlaubnis gegeben hat, das Treffen ausfallen zu lassen, eine E-Mail und fragt, wo du bist und warum du nicht im Meeting bist.
  8. Die Person fragt dich nach Infos, die du gerne bereitstellt. Später behaupten sie, dass ihr noch nie darüber gesprochen habt und er von dem Thema nichts weiß. Du fragst dich, ob du langsam den Verstand verlierst. Du hast doch dieses Gespräch geführt?

Was kann man tun, wenn man sich in einer oder mehrere Situationen wieder gefunden hat? Allererst sollte man alles dokumentieren, jedes Gespräch protokollieren und jede E-Mail aufheben. Schreib nach Terminen eine kurze Zusammenfassung und schick sie an die Beteiligten durch. Sprich außerdem mit Kolleg*innen, denen du vertraust und frag, ob sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben. So hast du ein Support System, wenn du dich entscheidest mit der Personalabteilung zu sprechen.

Du kannst versuchen, die Situationen direkt mit dem Gaslighter anzusprechen - und auch hier solltest du dokumentieren, was gesagt wurde -, aber sei darauf gefasst, dass der Gaslighter möglicherweise alles abstreitet und noch trotziger und streitlustiger wird. Sollte diese Herangehensweise scheitern, geh zur Personalabteilung oder zur Hierarchie darüber und bring deine Dokumentation mit. Gaslighting ist Teil von Belästigung und jedes Unternehmen sollte eine Möglichkeit haben, dieses zu melden.

 

Aktuell