Bist du abhängig von deinem*deiner Partner*in?

Abhängigkeit ist nicht gut für euch. Was kannst du dagegen tun?

Abhängigkeit Beziehung

Du liebst die Person, die du bist, wenn ihr zusammen seid. Er*sie macht dich zu einer besseren, lustigeren, spontaneren Version von dir. Und das ist schön. Problematisch wird es aber, wenn eure gemeinsame Identität als Paar keinen Raum für dich lässt. Für dich als Individuum. Und du dich dadurch einerseits verlierst und auch vergisst, dass du durchaus allein funktionieren kannst.

Ness Cooper ist Sexual-Therapeutin und erklärt ungesunde Abhängigkeit gegenüber Cosmopolitan folgendermaßen: "Eine gesunde Beziehungsdynamik muss nicht nur Raum für die gemeinsame Identität des Paares, sondern auch für die Selbstidentität jedes Einzelnen lassen. In den meisten Beziehungen gibt es Momente, in denen eine der beiden Personen gebraucht wird und die andere Person das Bedürfnis des Partners erfüllt, aber in ungesunden ko-abhängigen Beziehungen werden die Bedürfnisse, die erfüllt werden müssen, oft sehr einseitig und kontrollieren andere Aspekte der Beziehung."

Ungesunde Abhängigkeit

Prinzipiell spricht man von Abhängigkeit dann, wenn zwei Menschen in einer Beziehung sich komplett aufeinander verlassen und sich voneinander abhängig machen. Problematisch wird es dann, wenn eine Person sich immer darauf verlässt, dass die zweite Person deren Probleme löst. Somit wird eine Person zum Opfer und eine zum Retter. Was, wenn aber der Retter mal Hilfe braucht?

Abhängigkeit kann aber auch bedeuten, dass eine Person ohne die zweite nicht mehr funktioniert. Beispielsweise keine Zeit allein oder mit anderen Menschen verbringen kann/möchte. Das übt natürlich einen enorm großen Druck auf die zweite Person aus, immer da zu sein.

Geben und Nehmen

Bei den Beispielen wird klar, dass es beide Partner*innen daran hindert, unabhängig voneinander zu funktionieren. Wie merkst du, dass du dich in so einer ungesunden Art der Abhängigkeit befindest?

Kurzfristig bemerkt man das Problem vielleicht nicht sofort, aber die Psychologin erklärt, dass "längerfristig die Co-Abhängigkeit die Grenzen verschwinden lässt und die Menschen daran hindert, die Verantwortung für ihr Selbstwertgefühl, ihr Leben und ihr Glück zu übernehmen". Das liegt daran, dass man in einer kodependenziellen Beziehung diese Dinge oft dem*r Partner*in aufbürdet, auf den*die man sich verlässt, was besonders ungesund ist. Es gibt aber vier Zeichen, auf die ihr achten könnt, um zu erkennen, ob ihr euch in einer abhängigen Beziehung befindet.

Eure Grenzen verschwimmen

Gesunde Grenzen sind für jede gesunde Beziehung wichtig. In einer ko-abhängigen Beziehung fallen diese Grenzen jedoch weg - und das kann bedeuten, dass deine persönlichen Wünsche und Bedürfnisse auf der Strecke bleiben.

Du merkst, dass die Macht nicht gleich verteilt ist

In vielen abhängigen Beziehungen gibt es eine Person, die mehr gibt und eine die mehr nimmt. Hier merkt man, dass die Machtverteilung innerhalb einer Beziehung ungleichmäßig ist. So könnte eine Person alle Entscheidungen treffen, sei es über Aktivitäten, Urlaube, Finanzen oder was zum Abendessen gegessen wird. Ähnlich ist es, wenn eine Person immer das Opfer ist und erwartet, dass die zweite Person sich bedingungslos um sie*ihn kümmert.

Eine*r von euch braucht dauernd Bestätigung

Natürlich ist es schön, ab und an von dem*der Partner*in zu hören, wie viel du ihm*ihr bedeutest. Aber wenn eine Person dauernd davon überzeugt werden muss, wie toll sie*er ist, nur um sich gut zu fühlen, dann ist das problematisch. Denn du solltest niemals dem, was dein*e Partner*in über dich denkt, mehr Bedeutung geben, als dem, was du über dich denkst. Selbstwert muss von dir kommen. Nicht von jemand anders.

Du unterstützt das negative Verhalten des*der anderen

Das klingt kompliziert, ist es aber nicht. Ihr kennt bestimmt alle jemand mit einem Helferkomplex. Personen, die sich gerne mit Menschen einlassen, die gerettet werden müssen. Wenn du einen Hang zur Abhängigkeit hast, dann fühlst du dich vielleicht zu Menschen hingezogen, die dich brauchen. Die Psychologin warnt davor, darauf zu achten, ob du negative Verhaltensweisen von deinem*deiner Partner*in bestärkst oder ihr*ihm ermöglichst, auf positive Weise damit umzugehen. Wenn du ihn*sie davon abhältst, weil er*sie dich dann vielleicht mehr so dringend braucht, ist das sehr problematisch!

Weitere Hinweise auf eine Abhängigkeit in eurer Partnerschaft könnten sein:

  • Die Verschmelzung mit dem*der Partner*in und die Unfähigkeit, als zwei getrennte Individuen zusammenzuleben.
  • Die Unfähigkeit, allein auszugehen oder sogar eigene Projekte zu starten, aus Angst, verlassen oder zurückgewiesen zu werden.
  • Du fühlst dich leer, unglücklich und bist extrem unzufrieden damit, du selbst zu sein.
  • Aufgeben von Hobbys, Veranstaltungen, Plänen oder persönlichen Interessen, um bei deinem*deiner Partner*in zu sein.
  • Ein immenses Gefühl der Loyalität gegenüber deinem*deiner Partner*in, auch wenn er*sie dich ständig zurückweist und verletzt.
 

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