Biodynamische Winzerin

HAK-Matura, Zwischenstopp an der Uni, Matura an der Weinbauschule in Klosterneuburg. Burgenland, Frankreich, Italien, Chile, Burgenland. Schlussendlich trifft Judith Beck eine klare Entscheidung für den Wein und ein konsequentes Leben mit der Natur.

Dass Judith Beck seit fünf Jahren ein Weingut leitet, diesem ganz deutlich ihren Stempel aufdrückt und damit höchst erfolgreich ist, war nicht von langer Hand geplant. Die regelmäßige Mitarbeit am Weingut der Eltern während der Schulferien hatte damals genau einen Zweck: Geld verdienen im Juli, reisen im August.

Nach der Matura zog es die Winzertochter an die Universität. Publizistik und Germanistik wollte sie studieren. Gleichzeitig bot sich die Möglichkeit, an der Weinbauschule Klosterneuburg zu beginnen. Die Doppel- gleisigkeit dauerte nur ein paar Wochen. Der Wein hat schnell das Rennen gemacht. „Ich bin froh, beides ausprobiert zu haben. Die Entscheidung war dann auf einmal glasklar." Praktika auf Cos D'Estournel in Frankreich, bei Braida im Piemont oder bei Erraruriz in Chile bestätigen den Weg.

Heute ist Judith Beck für 13 Hektar Rebfläche verantwortlich. Das reicht von der Arbeit im Weingarten, über den Ausbau der Weine im Keller bis hin zur Präsentation des Weinguts nach außen. „Das Leben mit der Natur, das Produkt Wein von der Rebe bis zur Flasche zu begleiten, das ist schon etwas ganz Besonderes." 2007 hat Judith Beck begonnen, den Betrieb auf biodynamische Wirtschaftsweise umzustellen. Was das bedeutet? Sämtliche Rebflächen sind begrünt und werden mit Mist- kompost versorgt. Es kommen keine systemischen Pflanzen-schutzmittel zum Einsatz, die Reben werden regelmäßig mit Kräutertees gespritzt. Konsequentes Leben mit der Natur.


Auch wenn die Doppelbelastung als Mutter einer dreijährigen Tochter und Betriebsleiterin hoch ist, sie manchmal „extrem" viel unterwegs ist, ist es genau diese Abwechslung, die Judith Beck so schätzt. „Ich habe das Glück, andere Winzerinnen in der gleichen Situation zu meinen Freundinnen zu zählen. Der Austausch mit ihnen gibt mir viel. Sie wissen genau wie ich, was diese Mehrfachbelastung bedeutet, wir verstehen einander einfach."

Neben der Vereinigung „11 Frauen und ihre Weine" ist Judith Beck Mitglied bei Pannobile, einer Winzerkooperation aus neun Weingütern. Der Vater war Gründungsmitglied, die Tochter ist heute ganz selbstverständlich als weiblicher Part dabei. Dass sie eine Frau ist, hat sie noch nie als Nachteil erlebt. „Ich war immer die Jüngste, musste in dieser Hinsicht nie kämpfen." Der Winzerin ist bewusst, dass das für ihre älteren Kolleginnen vor ein paar Jahren noch ganz anders war.

Für ausgedehnte Weinreisen so wie früher bleibt im Moment wenig Zeit. Das wird sich wieder ändern, ist Judith Beck überzeugt. Eine Region, die es ihr besonders angetan hat, ist das Piemont. Die Landschaft, die Küche und natürlich die Weine. Wobei sich die Winzerin schwer tut, den einen, den besten Wein zu nennen. Einer - nicht aus dem Piemont - gehört aber jedenfalls dazu. Getrunken vor ein paar Jahren, ein „Montepulciano d'Abbruzzo" von Valentini, Jahrgang 1975. Warum? „So klar, so pur, so wunderschön gereift und doch auch jugendlich." Perfektes Trinkvergnügen.

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