Binationale Heirat und Ehe in Österreich

Zu einer vernetzten und globalisierten Welt gehört ganz selbstverständlich auch, dass romantische Gefühle Grenzen überschreiten und Menschen verbinden, die aus unterschiedlichen Ländern stammen. So ist es keine Überraschung, dass sich auch in Österreich zahlreiche Paare finden, deren Liebe sie über nationale Grenzen hinaus zusammenführt. Wir werfen einen Blick in die Statistik und sprechen darüber, welche Voraussetzungen für eine Heirat erfüllt werden müssen.

Hochzeit

Wie häufig ist binationale Liebe?

Österreich ist von zahlreichen Nachbarstaaten umgeben und als wichtige Kulturnation und Tourismusziel Anlaufpunkt für zahlreiche Besuche aus dem Ausland. Auch anders herum sind Österreicher*innen sehr mobil und besuchen gerne fremde Länder, um sich zu bilden, abzuspannen oder direkt mit dem Vorhaben, Menschen kennenzulernen. Auch Auslandsjobs, Migration und Flucht sorgen dafür, dass die Bevölkerung des Landes vielfältiger wird. So ist es dann auch kein Wunder, dass fast ein Drittel aller Eheschließungen in Österreich eine*n ausländische*n Partner*in mit einbeziehen.

Unter den eingetragenen Lebenspartnerschaften ist dieser Anteil sogar noch höher. Da rund 17 Prozent der in Österreich lebenden Menschen keine österreichische Staatsangehörigkeit haben und insgesamt etwa 24 Prozent der Bevölkerung über einen Migrationshintergrund verfügt, sind diese Zahlen nicht verwunderlich. Begreift man auch Besucher*innen und Tourist*innen sowie Österreicher*innen im Ausland als potenzielle Partner*innen binationaler Ehen, ist deren großer Anteil nicht verwunderlich.

Vorurteile

Immer noch sehen sich Paare unterschiedlicher Nationalitäten in Österreich großen Vorurteilen ausgesetzt. Manche Kreise graben angesichts grenzübergreifender Liebe ihre schlimmsten Ansichten aus. So wird von vorgetäuschten Beziehungen für den Erhalt der Staatsbürgerschaft gemunkelt. Die Zahlen nachgewiesener Scheinehen sind dagegen verschwindend gering. So erstattete die Wiener Polizei 2015 in 140 Fällen Anzeige – bei 800 kontrollierten Paaren.

Die Fremdengesetzgebung stattet die Behörden hier mit abenteuerlichen Befugnissen aus: So gehören Wohnungsdurchsuchungen und sogar peinliche Befragungen über Beziehungs- und Sexleben zu den Werkzeugen, die den Beamten zur Verfügung stehen. Irene Messinger, eine Expertin auf diesem Gebiet, beschreibt in ihrem Buch unter anderem auch rassistische Praktiken bei der Auswahl derjenigen, deren Beziehung einer derartigen Überprüfung unterzogen wird.

Voraussetzung für eine binationale Ehe

Bis 2017 galten unterschiedliche Regelungen für verschieden- und gleichgeschlechtliche binationale Paare. Dies wurde allerdings mit einer Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs für unrechtmäßig erklärt. Dennoch gibt es in der Praxis noch keine Gleichstellung.

Bei einer Heirat im Ausland wird Österreicher*innen empfohlen, internationale Personenstandsurkunden und gegebenenfalls ein Ehefähigkeitszeugnis zu beantragen. Kommt der*die Ehepartner*in etwa aus der Türkei, wird wiederum eine beglaubigte Übersetzung durch eine*n offiziell vereidigten Türkisch Deutsch Übersetzer*in benötigt. Ein Preisvergleich der Übersetzungsbüros lohnt sich hierbei. Dies gilt selbstverständlich auch für alle anderen Herkunftsländer. Bei einer Hochzeit im Ausland sind österreichische Staatsbürger*innen darüber hinaus verpflichtet, die im Ausland erfolgte Änderung des Personenstands behördlich anzumelden.

Der Nachweis der Ehefähigkeit ist wichtig, um unrechtmäßige Eheschließungen zu verhindern, z. B. bei bereits bestehender Ehe/ nach Scheidungen. Für die Ausstellung des Dokuments sind die jeweiligen Standesämter zuständig.

Aufenthaltsrecht

Seit dem Inkrafttreten des Fremdenrechtspakets von 2006 und der Novelle von 2011 müssen ausländische Ehepartner*innen, die sich in Österreich niederlassen wollen, eine*n österreichische*n Partner*in haben, der*die über mindestens 1625,71 € netto Einkommen verfügt und einen Nachweis der deutschen Sprachkenntnisse auf A1 erbringen. Erst mit diesen Voraussetzungen kann ein Antrag auf eine Niederlassungsbewilligung gestellt werden.

Gegen diese Praxis wird oftmals der Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit aufgebracht. Damit beschäftigt sich unter anderem der Verein Ehe ohne Grenzen, bei dem Paare sich zahlreiche weitere Informationen und Unterstützung holen können.

 

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