Bill Cosby verurteilt

Der US-Entertainer Bill Cosby ist im Prozess wegen sexueller Nötigung in drei Punkten schuldig gesprochen worden.

Schwere sexuelle Nötigung in drei Punkten: Penetration ohne Einwilligung, bei Bewusstlosigkeit des Opfers und nach der Verabreichung von Medikamenten. So lautete die Anklage gegen den US-Entertainer Bill Cosby. Am Donnerstag entschied die zwölfköpfige Jury in Norristown, Pennsylvania: Schuldig. Nun könnte eine lange Haftstrafe zwischen 15 und 30 Jahren drohen.

Lang hat das Urteil auf sich warten lassen. Vor zehn Monaten war ein erster Prozess geplatzt, weil sich die damalige Jury in einer Frage nicht einig werden konnte: 2004 soll Cosby die frühere Universitätsangestellte Andrea Constand mit Tabletten hilflos gemacht und sexuell genötigt haben. Er habe sie zu sich eingeladen und ihr drei blaue Pillen zur Entspannung gegeben, erzählte Constand. Kurz danach habe sie sich handlungsunfähig gefühlt, dann habe er sie missbraucht. Laut Cosby sei der Sex einvernehmlich gewesen.

Seine Verteidigung inszenierte Constand als Trickbetrügerin, die es auf Cosbys Geld abgesehen hatte. Die Anklage stellte sie als sein Opfer dar, auch sie selbst äußerte sich so im Zeugenstand. Letztlich glaubwürdig, aus Sicht der Jury.

Vom Richter Steven T. O'Neill gab es Lob für die Geschworenen: "Sie haben viel geopfert, aber sie haben das Opfer im Dienste der Gerechtigkeit erbracht," sagte er laut New York Times. Es sei ein "außergewöhnlich schwieriger Fall" gewesen.

Bill Cosby reagiert wütend auf Schuldspruch

Andrea Constand blieb während der Urteilsverkündung völlig ruhig, Bill Cosby blickte starr gerade aus. Wegen seines Schuldspruchs brachen mehrere Frauen im Saal, die ebenfalls Vorwürfe gegen ihn erhoben hatten, in Tränen aus. Insgesamt haben bisher mehr als 50 Frauen Cosby sexuelle Belästigung vorgeworfen, die meisten davon sind inzwischen aber verjährt.

Nachdem die Geschworenen den Gerichtssaal verlassen hatten, fing er wütend an zu schimpfen. Besonders Staatsanwalt Kevin Steele, der gefordert hatte, Cosby nicht mehr auf freien Fuß zu lassen, erregte seinen Zorn. "Ich habe ihn satt!", rief Cosby.

Sein Verteidiger, Tom Mesereau, deutete an, wohl Berufung gegen das Urteil einzulegen: "Wir glauben nicht, dass Herr Cosby wegen irgendetwas schuldig ist. Der Kampf ist nicht beendet."

Ein Sieg für #MeToo

Cosbys Prozess war der erste bedeutende Strafprozess wegen sexueller Übergriffe in der US-Unterhaltungsindustrie seit #MeToo. Umso wichtiger wirkt dieser Schuldspruch: "Dies ist der Zustand Amerikas: Selbst bei Dutzenden Anklägern hatten wir Angst, dass Bill Cosby freigesprochen würde," schrieb Schauspielerin Patricia Arquette. Schauspielkollegin Elizabeth Banks twitterte: "Endlich ein bisschen Gerechtigkeit für Bill Cosbys Opfer. Mögen sie heute etwas Frieden finden." Die Komikerin Kathy Griffin war gnadenloser: "TSCHÜSS BILL!"

Bill Cosby wurde in den letzten Monaten zu einem Symbol der Männer in Machtpositionen, die Frauen belästigen, nötigen und vergewaltigen. Nun ist er ein verurteilter Sexualstraftäter. Das Online-Nachrichtenportal VOX titelte: "Bill Cosby hat verloren. #MeToo hat gewonnen."

Aktuell