„BH-Verkäuferinnen sind das Beste!“

WIENERIN-Redakteurin Linda hat das ultimative Einkaufs-High erlebt und trägt nun den ersten gutsitzenden BH ihres Lebens.

„Ich bin so eifersüchtig, dass du deine BHs immer beim H&M kaufen kannst“, hat meine Freundin mit den großen Brüsten immer zu mir gesagt. Für sie bedeutete ein BH-Kauf nämlich immer einen wohlgeplanten Ausflug zum Triumph, der dann viel Herumprobiere inklusive Herumhüpfen und Busenwippen beinhaltete, um einen perfekt sitzenden BH zu finden, der ihre massige Oberweite schön verpackte. Als ich bei H&M mal zwei Bikini-Teile um 5 Euro im Vorbeigehen mitnahm, leuchteten ihre Augen grün vor Eifersucht. In der Annahme, dass das auch gut und recht so wäre, kaufte ich BHs die letzten Jahre eigentlich immer nur im Vorbeigehen, meistens auch im Abverkauf, manchmal im Internet. Mir passt ja eh alles. Hauptsache schön. Ein filigraner Triangel-BH oder ein schicker Bügel-BH mit Spitze. (Die sind mittlerweile übrigens so schwer zu finden. Offenbar bin ich die Einzige, die die Vollkommenheit von Bügel-BHs auf dieser Welt noch versteht, aber das Angebot trifft in diesem Fall einfach nicht meine Nachfrage. Hab ich Bock meine individuellen Brüste durch unoriginelle Push-Ups zu standardisieren? Freiheit den vielfältigen Busenformen!).

Zum Glück gezwungen

Aber diesen Samstag war alles anders. Ich kam schon recht überdreht vom Kauf eines Geschenks für meine Nichte aus der Spielzeugschachtel (bestes Spielzeuggeschäft von Wien), weil mich Gespräche mit netten Verkäuferinnen immer so glücklich machen. Ich find das richtig aufregend, wie gut sie sich auskennen, diese sympathische Beratung bin ich vom Internet und Billigketten – wo man als durchschnittliche Mittzwanzigerin eben seine Jugend verbracht hat – einfach nicht gewöhnt. Im Rausch des Geldausgebens falle ich also zugedröhnt von charmanten Verkäuferlächeln ins nächste Wäschegeschäft ein. Standardmäßig scheuche ich die erste Verkäuferin noch mit einem „Ich will nur kurz schauen“ weg. Allerdings wollte ich nicht nur schauen, ich wollte einen BH. Bei der nächsten Verkäuferin kann ich alte Angewohnheiten ablegen und lasse sie gewähren. Sie sucht mir meinen Bügel-BH. „Ja – Nein – Ja – Nein“. Vier BH-Angebote später hatte sie meinen Geschmack verstanden und bringt mir selbstständig neue Modelle, die mir gefallen könnten. „Welche Größe haben sie denn?“. „80B“, sage ich selbstbewusst. Erschrocken schaut sie mich an, schiebt meinen Mantel von den Schultern und begutäugt meine Oberweite. „Is earna des ned z’eng?“. Ich schaue ratlos. „Weiß ich jetzt auch nicht so genau.“ „I hob 80B, und i bin 20 Centimeter klaner ois Sie und scho schmaler. Aber des miassn Sie wissen. Probiern Sie’s amoi on.“ Sie drückt mir einen BH mit der Größe 85B in die Hand und schiebt mich in die Kabine. Ich stöhne, BH-anprobieren, wie anstrengend. Aber sie zwingt mich. Auch bei allen anderen vieren, die zur Auswahl stehen. Sie kommt hemmungslos in die Umkleidekabine, betatscht meine Brüste und freut sich, die richtige Größe gefunden zu haben. Ich will sie kurz umarmen, weil das wohl der erste, richtig gut passende BH meines Leben ist und fühle mich wie Miranda, in der Sex and the City-Folge, als ihre Mutter stirbt und eine Verkäuferin ihr zum richtigen BH verhilft. Eines der Modelle verunsichert mich, ich bin nicht sicher, ob es nicht doch zu eng ist. „Nana, do miassns nur den Träger größer machen. Jede Frau ist unterschiedlich, Sie sind sehr groß, sie brauchen halt längere Träger.“

Was kostet die Welt?


„Owa jetzt frag ich Sie amal, brauchen denn Sie zu den BHs überhaupt kein Höschen? Das sind Trendmodelle, die kommen nicht nach… Sie brauchen ja was dazu!“ Das find ich normalerweise nicht so sinnvoll, weil ich die BHs halt eh 1000 Mal öfter anzieh, als die Höschen, die nach einem Mal gewaschen werden. Aber hier erreicht mein Verkaufsberatungs-High seinen Höhepunkt: „GEBEN SIE RUHIG HER!“ Puh. So muss man sich also fühlen, wenn man Geld hat. „Kein Problem! Her mit Zeugs, was kostet die Welt?!“ Gute Verkäuferinnen sind das Beste von der Welt. Sie wissen besser, was gut für einen ist, als man selbst. Man fühlt sich fast ein bisschen beschützt von ihrer Besserwisserheit. Ein bisschen wie bei Oma. Sie hat meine Figur verstanden, meine zarten Brüste schmiegen sich nun einmal an einen bärigen Rücken, aber wenn man nicht bei Zalando das verbilligte Modell mit der Standardgröße „38“ nimmt, gibt es auch für mich den richtigen BH. Ich nehme die Weisheit mit, dass jede Frau anders ist, kriege einen kleinen Grant auf Einheitsgrößen, und verlasse dennoch glücklich und mit leeren Geldtaschen das Geschäft.

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