Beyoncé holt mit "Formation" Politik in den Pop zurück

Mit ihrem neuen Video überrascht Beyoncé nicht nur ihre Fans, sondern auch viele Kritiker - und prangert zugleich gesellschaftspolitische Missstände in den USA an.

Popmusik ist bedeutungslos und abgehoben? Beyoncé hat uns dieses Wochenende das Gegenteil bewiesen. Und zwar mit voller Wucht.

Überraschend veröffentlichte Queen Bey', wie sie ihre Fans nennen, am Freitag ihre neue Single "Formation", die weltweit für viel Aufregung sorgte.
Beyoncé nutzte ihren Status, um eine starke politische Botschaft zu senden. Eine Botschaft, mit der sich viele ihre AnhängerInnen endlich verstanden und vertreten fühlten.

Formation: Song, Video und Super-Bowl-Auftritt mit ganz viel Symbolik

1. Feminismus

Okay ladies, now let's get in formation, I slay
Prove to me you got some coordination, I slay

Dass Beyoncé neben klingenden Namen wie Emma Watson, Lena Dunham oder Amy Schumer als Ikone des modernen Feminismus gilt, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Spätestens seit der Veröffentlichung ihres Album "I am Sasha Fierce", setzt sie sich in ihren Songtexte bewusst mit feministischen Forderungen und einem modernen und starken Frauenbild auseinander (Paradebeispiel: "Flawless").

Die neue Single "Formation" verrät bereits im Titel die klare Richtung ihrer Musik. Denn das Wort "Formation" selbst wird im Englischen als Methapher für schwarzen Feminismus und den Kampf für Frauenrechte verwendet. Ein Motiv, dass sich in ihrem Text und der Darstellung oft wiederholen wird.

So schrieb auch die Autorin Zandria F. Robinson in New South Negress:

"To slay the violence of white supremacist heteropatriarchy, we must start, Beyoncé argues, with the proper formation."

Unter Motto stand auch ihre gefeierte Superbowl Performance gestern Abend (und das obwohl sie eigentlich nur als Support von Coldplay auftrat).
Gemeinsam mit ihren Tänzerinnen erschien Beyoncé in einer kämpferischen Formation, gekleidet in schwarzen Bodysuits, die an die Dressen der Black Panthers erinnerten - einer Widerstandsbewegung aus den Sechziger- und Siebzigerjahren, die als Reaktion auf die Malcom-X Ermordung entstand.

2. Black-Power-Movement

Apropos Malcom X, dem zollte Beyoncé in ihrer Superbowl Performance nämlich ebenfalls Tribut: Nicht nur ihr Outfit zierte ein großes "X" auf ihrem Oberkörper. Auch in der Choreographie formten die Tänzerinnen ein plakatives X, wie man in der Vogelperspektive erkennen konnte.

3. Polizeigewalt

Nicht nur ihre Performance, auch ihr Video ist Schauplatz feinst durchdachter Symbolik. Denn die ehemals lebendige Südstaaten-Metropole New Orleans, in der das Video spielt, ist seit der Zerstörung durch Hurrikan Katrina zum traurigen Symbol der Ignoranz der US-Bundesbehörden gegenüber der schwarzen Bevölkerung geworden.

Im Video selbst sieht man einen kleinen Jungen, der vor einer Truppe schwer bewaffneter Polizisten tanzt. Eine Anspielung auf die brutale Polizeigewalt, die in den letzten Jahren in den USA besonders viele afro-amerikanische Opfer forderte (im Schnitt starben 2,6 Personen pro Tag in den USA aufgrund polizeilicher Gewalt).

Auch der Satz "Stop shooting us", der auf einer Wand im Video zu sehen ist, prangert die Taten der amerikanischen Exekutive plakativ an.

4. Stolz

I like my baby hair, with baby hair and afros
I like my negro nose with Jackson Five nostrils

Neben der feministischen Note, die der Song in sich trägt, ist Formation vor allem eines: Eine ganz starke Message an die schwarze Community in den USA. Lasst euch nicht unterkriegen und seid stolz darauf, schwarz zu sein.

So besingt Beyonce die Afro-Frisur, die ihre Tochter Blue Ivy stolz im Video zu Schau stellt.

Da bleibt uns nur noch zu sagen: Slay, baby, slay!

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