Better Call Saul

Saul Goodman, der korrupte Anwalt aus der Kultserie Breaking Bad, bekam mit Better Call Saul seine eigene Serie. Das Spin-off ist wieder in der US-Wüstenstadt Albuquerque angesiedelt und quasi die Vorgeschichte zu Breaking Bad, die erzählt, wie aus dem Strafverteidiger Jimmy McGill Saul Goodman, ein gerissener Geldwäscher der Drogenmafia, wird.

Martina Parker traf Hauptdarsteller Bob Odenkirk für die WIENERIN in Berlin zum Interview.

Als Bob Odenkirk die Suite des Regent Hotels in Berlin betritt, ist er blass und übernächtig. „Jetlag. Ich fühl mich mies“, jammert er. „Ist das Eis dort in dem putzigen Kübel?“ Er zeigt auf den Eisbehälter und greift nach einer Cola. Ich komme ihm zuvor. „Darf ich Ihnen einschenken, ich habe früher kellneriert.“ Bob grinst. „Echt? Ich hab früher auch kellneriert, aber ich war so schlecht darin, ich würde Sie miserabel bedienen.“ Das Eis ist gebrochen ...

Odenkirk, das kling nordisch. Haben Sie europäische Wurzeln?

Mein Urgroßvater war ein Odenkirk. Der Name ist holländisch, aber er wuchs am deutschen Rhein auf und war Seefahrer. Mein zweiter Urgroßvater war auch Deutscher und hieß Baier. Und meine beiden Großmütter waren Irinnen. Als Vince Gilligan mir die Rolle von Saul Goodman vorschlug, fragte ich ihn, ob es nicht stimmiger wäre, den Part mit einem jüdischen Schauspieler zu besetzen. Da erklärte mir Vince, dass Saul eigentlich Jimmy heißt und Ire ist ... Und ich bin quasi ein halber Ire. Was für ein Zufall ist das?

Ist Saul ein guter Anwalt?

Nun, er gibt schlechten Menschen gute Ratschläge. Aber da in Amerika ohnehin die meisten Fälle außergerichtlich geregelt werden, schafft er es, mit seiner großen Klappe immer wieder einen Vorteil rauszuschlagen.

Sie schreiben selbst Drehbücher, sind Sie da nicht hie und da versucht, beim Dreh den Text zu ändern?

Niemals. Bei einer komplexen TV-Serie ist alles aus einem bestimmten Grund geschrieben. Oft erfährt man diesen Grund erst viel später. Es kann einen Riesenunterschied machen, ob ich „Wer sind Sie?“ oder „Wir haben uns noch nie zuvor getroffen?“ sage. Ich greife damit in die Geschichte ein und beende diese möglicherweise, bevor sie fertig erzählt ist.

Schreiben oder Schauspielern – was liegt Ihnen mehr?

Schreiben! Ein echter Schauspieler hangelt sich von Job zu Job und nimmt notfalls auch Projekte an, die ihm nicht so gefallen. Wenn ich nichts zu tun habe, spüre ich sofort den unbändigen Drang zu schreiben.

Sie haben jahrelang als Comedian gearbeitet. Wie lustig legen Sie Ihre Rollen an?

Wenn ich den Drehort verlasse, denke ich oft, dass das, was ich heute gespielt habe, wirklich düster und ­angsteinflößend war. Aber wenn ich dann die fertige Szene sehe, bemerke ich auch die Komik darin. Natürlich ist es lustig, jemanden zu beobachten, der ständig in Schwierigkeiten gerät.

Vom Nebendarsteller zur Haupt­figur. Was bedeutet Ihnen das?

Ich habe mehr Gelegenheit den Charakter meiner Rolle darzustellen. Eine Nebenrolle reagiert nur auf den Hauptdarsteller und dient einzig dem Zweck, die Handlung voranzutreiben. Aus einer Laune heraus in einer ­Szene einen nagelneuen Sportwagen zu Schrott fahren, das kann zum Beispiel nur eine Hauptrolle.

Viele erwarten, dass die Serie besser ist als Breaking Bad. Wie gehen Sie mit dem Druck um?

Besser? (Er nimmt einen großen Schluck Cola.) Come on! Natürlich ist sie nicht besser! Breaking Bad war eine der besten Serien aller Zeiten. Da hat auch viel Glück mitgespielt, dass die richtigen Leute zur richtigen Zeit einfach etwas Geniales entwickelt haben. Wenn wir genauso gut werden oder auch nur nahe dran kommen, haben wir sehr großes Glück.

Jimmy McGill als Loser-Anwalt auf dem Weg zu seiner neuen Existenz als Saul Goodman: Netflix zeigt seit Februar jeden Dienstag eine neue Folge der AMC-Serie Better Call Saul. Zwei Staffeln sind bereits fix geplant. Info: netflix.com.

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