Berufstätig zu sein ist lange nicht genug ...

Haushalt , Job und Kinder – Eltern haben es nicht leicht, alles unter einen Hut zu bekommen. Selbst Studium und die Berufstätigkeit beider Elternteile sind heute kein Garant für ein Leben ohne Geldsorgen. Je mehr Eltern arbeiten, desto weniger Zeit bleibt für die Kinder. WIENERIN-Leserin Karo Meixner-Katzmann lässt ihrem Ärger freien Lauf.

Unsere Familie (2 Erwachsene, 3 Kinder mit 12, 10 und 6 Jahren) kämpft täglich mit den Herausforderungen zweier berufstätiger Elternteile. Und wir sind so wie all (!!!) unsere Freunde auch mit den immer gleichen Problemen konfrontiert: Wenn beide voll arbeiten gehen, dann bleibt mit Arbeitszeit plus Fahrt zur und von der Arbeit kaum Zeit für die Kinder. Nur: Der Haushalt muss auch noch erledigt werden (das machen mein Mann und ich halbe-halbe), die Herausforderungen im Gymnasium sind viel höher, als zu unserer eigenen Schulzeit, dazu kommt ein viel größerer häuslicher Lernaufwand, der auch kompetent betreut sein will. Dies kann dann entweder über ein Lerninstitut oder ähnliches erfolgen, oder die Eltern opfern dafür ihre ohnehin schon rare Freizeit oder es erfolgt auf Kosten der gemeinsamen Familienzeit.


Frauen sind immer im Nachteil

Ich selbst habe in den vergangenen Jahren sehr viel Jobhopping betrieben. Auch wenn ich deutlich mehr Stunden als mein Mann arbeite, der als leitender Angestellter im technischen Bereich tätig ist, verdiene ich im ökosozialen Bereich dennoch deutlich weniger. Als mittlerweile Selbstständige zerreißt es mich fast zwischen gefühlten zehn Baustellen und dennoch war es heuer im ersten Quartal so, dass ich nicht einmal genug Einkommen hatte, um die SVA Beiträge bezahlen zu können. Ich musste mich vorübergehend bei meinem Mann mitversichern. Für mich, die ich zwei Studien und zahlreiche Weiterbildungen absolviert habe, bedeutet das einen riesigen emanzipatorischen Rückschritt. Dennoch war das in Hinblick auf unser Familienbudget die einzig richtige Möglichkeit. Trotzdem freue ich mich auf die Zeit, wo ich genügend Einkommen erziele, um mich wieder selbst versichern zu können, denn ich arbeite sehr gerne in meinem Beruf!



Ausbildung schützt nicht vor Armut

Eine gute Ausbildung allein schützt absolut nicht vor einem geringen Einkommen. Noch dazu bin ich Diplomingenieurin und passe somit perfekt in das Bild von Frau in der Technik, welches immer noch so gehyped wird. Wer sich dann eine Zeit lang karenzieren lässt, um sich um die Kinder zu kümmern, muss damit rechnen, dass dies sich auf die Alterspension auswirkt.



Wie viel ist Ihnen Familienarbeit wert?

Wenn ich so viel arbeite, dass ich auch noch nachts beim Computer sitze, merke ich, wie schlecht das meinen Kindern tut. Die Arbeitslast ist dann phasenweise so hoch, dass ich meine Prioritäten nicht mehr frei wählen kann, weil ich Aufträge zeitgerecht abwickeln muss. Die Folge: Meine Kinder strudeln in der Schule. Besonders schlimm wird es, wenn die Arbeitsbelastung bei Vater und Mutter gleichzeitig ansteigt. Ganz davon zu schweigen, wie es sie persönlich trifft, wenn überhaupt keine Zeit bleibt für die Gute-Nacht-Geschichte der Jüngsten, die Liebessorgen der Älteren und den Frust, den sie vielleicht mit Freunden haben. In unserer Gesellschaft läuft meiner Meinung nach gerade einiges grundlegend falsch…Überall ist auch zu lesen, dass Kinder Naturerfahrungen und Bewegung brauchen, um einen Ausgleich zu Nintendo und Co zu haben, nur Geld gibt dafür keiner aus. Und die Eltern schaffen es oft nicht. Ich bin absolut der Meinung, dass auch nicht-bezahlte Familienarbeit in unserer Gesellschaft gewürdigt werden sollte.



Problem ohne Lösung

Ich denke, nur eine wirklich umfassende Strukturreform in unserer Politik mit der richtigen Prioritätensetzung wird hier in Zukunft etwas verändern. Aber solange die, die die Gesetze machen und die, die die hohen Pensionen beziehen, dieselben Personen sind, wird sich nichts zum Wohle der Steuerzahlenden und der Familien ändern. Und letztendlich geht es ja mit der Forderung nach zwei Vollzeit berufstätigen Eltern immer auch um das Steuerauf- bzw. einkommen, oder etwa nicht?

Karo Meixner-Katzmann

Karo Meixner-Katzmann ist Landschaftsarchitektin und Gartentherapeutin

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