Bernie Sanders: Der alte, weiße Mann, der für Frauenrechte kämpft

Er bezeichnet sich selbst als Feminist und Kämpfer für Frauenrechte. Das macht Bernie Sanders zu unserem neuen Hawara der Woche.

Männer, die wir mögen: In unserer Rubrik "Hawara der Woche" stellen wir regelmäßig Männer vor, die sich für Gleichberechtigung und Feminismus einsetzen.

Hillary oder Bernie? Diese Fragen stellen sich gerade viele - vor allem Frauen. Auch wir haben lange darüber diskutiert, was denn nun besser ist - endlich eine Frau an der Spitze oder einmal mehr ein älterer Herr, der die Geschicke der Welt leitet? Dass Bernie Sanders aber mehr ist als das, dämmerte uns schließlich und endlich auch. Wir küren den demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders deshalb zu unserem neuen "Hawara der Woche". Denn auch wenn, oder vielleicht auch gerade weil er alt, weiß und männlich ist - also die größten Privilegien unserer Zeit besitzt - setzt er sich für Frauenrechte ein und hat mehr als einmal erwähnt, wie wichtig Gleichberechtigung für ihn ist.

"Feministinnen für Sanders"


Kein Wunder ist daher auch, dass sich bereits eine Facebook-Gruppe namens "Feminists for Sanders" gegründet hat und sich diverse Artikel mit dem Phänomen beschäftigen, warum der 74-Jährige so viele Stimmen von jungen Frauen erhält. Im zweiten Vorwahlstaat New Hampshire haben 82 Prozent der Demokratinnen unter 30 Sanders gewählt - 56 Prozent der Frauen über 45 standen hinter Hillary Clinton.

Diese Ergebnisse zeigen eindeutig: Sanders ist bei jungen Frauen sehr beliebt. Und das hat auch einen guten Grund: er ist deklarierter Feminist. Das sagte er etwa klar und deutlich im September 2015 in der Washington Post und fügte auch gleich hinzu, was das für ihn bedeutet: "Well, it means a commitment to fighting for women’s rights." Und er wiederholte seinen Einsatz für Frauenrechte seither mehr als einmal. Dass er nicht nur groß redet, sondern das wirklich ernst meint, beweist er mit wichtigen Punkten aus seinem Wahlkampfprogramm, in dem Frauenrechte ein Kernstück darstellen.

Für Abtreibung & Mindestlohn


Über Abtreibung sagte er deutlich: "Women control their bodies—not the government." Beim Thema Familienpolitik ist er klar für längere Karenzzeiten, in Sachen Einkommensungleichheit setzt er sich für einen Mindestlohn von 15 Dollar pro Stunde ein. Er sagt von sich selbst, dass ihm der Kampf für Einkommensgerechtigkeit wichtig ist, weil Frauen immer noch weniger verdienen als Männer und dass das derzeitige Kinderbetreuungssystem ein "Desaster" ist. Und er pfiff die Sexisten in den eigenen Reihen zurück, die Hillary Clinton aufgrund ihres Geschlechts attackierten - mit den Worten: "We don't want that crap". Auch die Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und LGBTI- sowie Minderheiten-Rechte stehen auf dem Programm des Sozialisten.

Intersektionalität ist das neue Schlagwort


Und das ist gut so. Denn wir leben in einer Welt, in der auch alte, weiße Männer Feministen sein können, wenn sie sich ihrer Privilegien bewusst werden. In der sich junge Frauen aus der Arbeiterinnenklasse eher mit Bernie Sanders als mit Hillary Clinton identifizieren können. Weil Klasse, Geschlecht und Ethnizität so ineineinander verschränkt sind, dass es nicht nur wichtig ist, dass eine Frau an die Macht kommt, sondern auch, woher sie kommt. Denn Armut und Ungleichheit sind Themen, die Frauen leider immer noch am stärksten betreffen. Und: was wir noch viel dringender brauchen als, dass Gleichberechtigung im bestehenden System vorangetrieben wird, ist eine Revolution, die das gesamte System in Frage stellt und die das Problem an der Wurzel packt. Und das heißt wie so oft: Kapitalismus und ökonomische Ungleichheit.


Sexistische Attacken gegen Hillary Clinton


Klar ist dennoch: für Hillary Clinton wäre es - eben weil sie eine Frau ist - schwieriger gewesen, so aufzusteigen, wie Sanders es getan hat. Hätte es ihren Bekanntheitsgrad und ihre zahlungskräftigen Geldgeber nicht gegeben, wäre fraglich, wie weit sie es überhaupt gebracht hätte. Das zeigen bereits die zahlreichen sexistischen Attacken gegen ihre Person - auch von vermeintlich "linker" Seite - mehr als deutlich. Und auch das sind Probleme, die wir ansprechen müssen. Ebenso wie die mächtige Symbolwirkung, die eine Frau an der Spitze hat, nicht kleingeredet werden darf. Fakt ist: Frauen in politischen Führungspositionen sind eine Seltenheit und Männer, die Männer nachholen, leider zu oft der Fall. Das haben die Generationen vor uns noch viel stärker zu spüren bekommen - und vielleicht ist älteren Frauen auch deshalb so wichtig, dass endlich mal eine Frau das Sagen hat.

Schlussendlich bleibt nur noch zu hoffen, dass Sanders nicht nur große Reden schwingt, sondern auch dafür sorgt, dass Frauen in seinem Team und in seiner Politik wichtige Positionen einnehmen. Denn ultimativ geht es vor allem um eins: Solidarität. Und auch das hat Bernie Sanders bereits vor einigen Jahren selbst formuliert: "Wenn Männer und Frauen gemeinsam für Gerechtigkeit einstehen, gewinnen wir." Und: "Lasst uns alle zusammen daran arbeiten, dass jedes Mädchen in diesem Land die gleichen Möglichkeiten hat wie jeder andere, um ihre Träume zu erfüllen und ihr Leben zu leben - ohne irgendeine Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts." Amen. Und: We feel you, Bern.

Der Autorin hier auf Twitter folgen: @jelenagucanin

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