Bericht vom Untergang

Edmund Sackbauer ist wieder da – als wahrscheinlich letzter Echter Wiener. Um ihn herum schaut's aber leider düster aus …

Edmund Sackbauer ist wieder da – als wahrscheinlich letzter Echter Wiener. Um ihn herum schaut's aber leider düster aus …

Text Peter Hiess Fotos beigestellt

Alt sind sie alle geworden: der Mundl, die Toni (obwohl sich die erstaunlich gut gehalten hat), der Karli (der Trottel), die Irmi, die Hanni, ­ das „Nudlaug“ – und vor allem der Blahovec-Kurti, der das mit dem ­Saufen eindeutig übertrieben hat ...

Viel anderes will einem zu Echte Wiener, der „Was wurde eigentlich aus …?“-Fortsetzung der 70er-Jahre-Serie Ein echter Wiener geht nicht unter, kaum einfallen. Man freut sich, die Darsteller von damals wiederzusehen; schüttelt den Kopf darüber, wie sie sich verändert haben (oder auch nicht); fragt sich, ob man ein Gesichtslifting noch schrecklicher übertreiben kann; freut sich, wie gut die alten Sprüche noch funktionieren und wie witzig der ewig grantige, aber ach so menschliche Mundl ist. Als Nostalgietrip, der einem die eigene Sterblichkeit („Mein Gott, so vü Zeit is scho vergangen?!“) vor ­Augen führt und Tränen der Rührung aus selbigen strömen lässt, funktioniert der Film von Kurt Ockermüller erstklassig.

Das ist dann aber auch schon das einzig Gute, was man Echte Wiener nachsagen kann. Von der polarisierenden Wirkung, die der „Mundl“ damals hatte, ist nämlich gar nichts geblieben. Die Dialektsprüche, die einst noch für Skandale sorgten, stehen heute auf T-Shirts. Und die früher so realistische Darstellung des Wiener Proletariats ist purem ORF-Sozialkitsch gewichen (man fragt sich generell, was den Film von einer TV-Produktion unterscheidet), bei dem man das Gefühl kriegt, Autor Ernst Hinterberger habe seinen Biss verloren.

(...)

Weitere Film-Tipps finden Sie in der Dezember-Ausgabe der WIENERIN.

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Im neuen „Mundl“ treffen sich die Alten, Kranken und Sterbenden.


Mehr zum Film:

extern_linkEchte Wiener

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