Bericht über Nikolo-Verbot "vollständig falsch"

Die Tageszeitung Österreich berichtete über ein angebliches Nikolo-Verbot an einer Floridsdorfer Volksschule, der Wiener Stadtschulrat weist die Vorwürfe aufs Schärfste zurück.

Alle Jahre wieder schallt sie durchs Land, die Mär vom Nikolo- und Christkind-Verbot. Das Drama um das angebliche Ende der abendländischen Weihnachtstraditionen, das alljährlich und pünktlich zur Adventszeit von der FPÖ ausgerufen wird, geht 2017 mit medialer Unterstützung weiter.

Kein Nikolo-Verbot an Wiener Schulen

2017 erzählte die Tageszeitung Österreich, dass die Volksschule Jochbergengasse in Wien Floridsdorf den "Nikolo nicht mehr in die Klassen lassen" wolle. Schweinefleisch gäbe es sowieso schon länger keines mehr für die Schülerinnen und Schüler, werden "besorgte Eltern" zitiert, stattdessen gäbe es einen verpflichtenden Türkisch-Unterricht.

Im Artikel fand auch FPÖ-Stadtrat Toni Madhalik Platz, seine Empörung kundzutun: "Die Unterwerfung vor dem Islam wird immer bizarrer", meint er und fordert SPÖ-Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky zum Handeln auf.

Reagiert hat nun der Wiener Stadtschulrat: In einer Pressemitteilung weist man die im Österreich-Bericht genannten Vorwürfe aufs Schärfste zurück, sie seien "vollständig falsch".

Denn: Der Nikolo und das Christkind seien selbstverständlich willkommen, es sei üblicherweise der Elternverein, der eine entsprechende Feier organisiere, in dieser Schule habe man das noch nicht getan. Es gebe aber für jedes Kind ein Nikolaus-Sackerl. Das Schulhaus sei außerdem festlich geschmückt, inklusive Christbaum im Eingangsbereich.

Was das vom Speiseplan gestrichene Schweinefleisch betrifft, hat der Stadtschulrat die Argumente auf seiner Seite: Die VS Jochberggasse sei eine Halbtagsschule, es gebe gar kein Mittagessen.

Türkischunterricht gäbe es an der Schule, wie in allen anderen Wiener Schulen, als eine von 23 Sprachen und als unverbindliche Übung, sogenannten integrativen muttersprachlichen Unterricht.

Der Sprecher des Stadtschulrates, MatiasMeißner, hält zudem fest, dass es bedenklich stimme, dass seitens Österreich "ein dem journalistischen Ehrenkodex entsprechender Re-Check der behaupteten Vorkommnisse nicht einmal versucht wurde".

Eltern besorgt wegen "Winterfest statt Weihnachtsfest"

Gegenüber der Tageszeitung Kurier verteidigt Österreich den Artikel mit einem Verweis auf die Aussagen der Eltern und bezieht sich auf eine als "Winterfest" und nicht als "Weihnachtsfest" betitelte Schulveranstaltung: Was die Eltern empöre, "ist die Tatsache, dass ihnen mitgeteilt wurde, dass aufgrund der Rücksichtnahme auf andere Religionen das Fest jedenfalls Winterfest zu heißen habe."

Ende November forderte der niederösterreichische Landtagsabgeordnete Udo Landbauer, FPÖ: "Der Nikolo darf nicht sterben!" und sprach von einer "islamischen Indoktrinierung der Jüngsten", weil Eltern etwa gebeten wurden, auf das Mitgeben von Gummibärchen zu verzichten, damit sich muslimische Kinder nicht ausgegrenzt fühlten. Landbauer fordert deshalb verpflichtende Wertevermittlung in Kindergärten und Schulen.

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