Bekannte Sexualstraftäter haben auf Tinder freie Bahn

Obwohl sie in Strafregistern eingetragen sind, werden Sexualstraftäter nach wie vor bei Dating-Apps zugelassen – und können sich so problemlos neue Opfer suchen.

Frau benutzt Dating-App

Wie kann so etwas eigentlich sein? Dating-Plattformen wie Tinder sind ja nicht erst seit gestern auf dem Markt, dennoch gibt es nach wie vor keine klaren Richtlinien, wenn es darum geht, wie mit Sexualstraftätern umgegangen wird – was diesen natürlich in die Hände spielt.

Keine Maßnahmen auf Gratis-Portalen

Im Zuge einer gemeinsamen Recherche des Columbia Journalism Institute, ProPublica und Buzzfeed stellte sich heraus, dass Tinder & Co darauf verzichten, ihre User*innen auf vergangene Sexualstraftaten zu prüfen. Bei der Untersuchung wurden die Dating-Portale der Match Group, darunter Tinder, OkCupid und Match genau unter die Lupe genommen: Konkret wurden 150 Fälle von Sexualstraftaten in den USA analysiert, bei denen die Täter ihre Opfer via eine Dating-App besagter Match Group gefunden haben. In zehn Prozent der Fälle handelte es sich bei den Tätern um Personen, die bereits wegen früherer Verbrechen bekannt und teils in Sexualstrafregistern eingetragen waren (welche in den USA normalerweise öffentlich einsehbar sind).

Obwohl Match, die zahlungspflichtige Datingseite der Match Group, schon seit Jahren die Sicherheit seiner Konsument*innen predigt und seine User*innen auf Einträge in einschlägigen Registern prüft, verzichtet man bei den gratis Portalen wie Tinder auf derartige Maßnahmen. "Es gibt definitiv registrierte Sexualstraftäter auf unseren gratis Plattformen“, so ein Sprecher der Match Group gegenüber Columbia Journalism Investigations wie ProPublicaberichtet.

Ein typischer Fall, der im Zuge der Recherche ans Licht kam: Ein Mann aus Colorado wurde nach einem "Date“ mit einer Frau, die er auf OkCupid kennengelernt hatte, wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt. Schon kurze Zeit später erstellte er ein neues Profil auf derselben Plattform und traf sich mit etlichen anderen Frauen.

Warum wird nichts unternommen?

Über die Nutzer*innen sei einfach nicht genug bekannt, um einen zuverlässigen Check durchzuführen, heißt es aus der Match Group. Zugegebenermaßen sind viele User*innen von Dating-Plattformen sehr auf ihre Privatsphäre bedacht und würden eventuell gänzlich auf den Gebrauch der App verzichten, wenn sie etwa ihren vollständigen Namen angeben müssten – allerdings wirft das natürlich die Frage auf: Sollten Personen, die nicht bereit sind ihre reale Identität preiszugeben, überhaupt zu Dating-Plattformen wie Tinder zugelassen werden?

Die Match Group beteuert, mithilfe "neuer Tools“ Kriminelle künftig von seinen Portalen zu entfernen - für so etwas habe man keine Toleranz. In Österreich wird sich die Situation übrigens wohl kaum verändern: Da Strafregister – anders als in den USA – nur eingeschränkt zugänglich sind, sind entsprechende Überprüfungen de facto nicht möglich. Das heißt: Tindern weiterhin auf eigene Gefahr.

 

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