Beirut: Braut posiert für Hochzeitsvideo als Explosionen losgehen

Mindestens 135 Menschen sind bei den Explosionen im Libanon umgekommen. Tausende sind verletzt. Die Ursache der Tragödie ist nach wie vor unklar.

Beirut Bride

Gerade noch posiert die libanesische Ärztin Israa Seblani in ihrem weißen Kleid für ihr Hochzeitsvideo – plötzlich gehen die Explosionen los. Als der Filmemacher Mahmud Naguib über die lange Schleppe der Braut schwenkt, ist ein lauter Knall zu hören. Von einer Sekunde auf die nächste ist es staubig. Wir sehen, wie Männer Seblani in Sicherheit bringen. Dieses und weitere Videos der Explosionen im Libanon gehen momentan in sozialen Netzwerken viral und veranschaulichen das katastrophale Ereignis von Dienstagabend.

Mutter und Kleinkinder sehen aus dem Fenster als es plötzlich knallt

Ein anderer Videoclip zeigt, wie eine Mutter und ihre drei Kinder gerade aus dem Fenster schauen, als die Explosionen losgehen. Binnen einer Sekunde ist das Apartment verwüstet, die Fenster aus den Rahmen gefetzt. Mutter und Kinder kauern auf der Couch, um sich zu schützen. Sie bleiben (wie es aussieht) unverletzt.

Video: Männer von Explosion in Straßen Beiruts überrascht

Auf dem nachfolgenden Video ist zu sehen, wie zwei Männer durch die Straßen von Beirut gehen und etwas am Himmel beobachten. Sie zeigen hinauf und diskutieren. Kurz darauf ein Knall und überall Staub. Wir sehen noch, wie die beiden Männer sich ducken, um sich vor der Explosion zu schützen.

Suche nach Überlebenden mithilfe von Instagram

"Die Verheerung ist wirklich unvorstellbar", so Lisa Taschler, Delegierte des Roten Kreuzes in Beirut im Ö1 Morgenjournal. "Zahlreiche Menschen werden vermisst". Krankenhäuser seinen überfüllt und der Hafen komplett verwüstet, was die Lebensmittellieferung erschwert. 200.000 bis 300.000 Menschen könnten durch die Tragödie mit einem Schlag obdachlos geworden sein, so Gouverneur Marwan Abud im libanesischen TV. Die Höhe der Sachschäden belaufe sich auf rund 4,25 Milliarden Euro. Aus den Golfstaaten, anderen Ländern der Region und Europa sind mittlerweile erste Hilfslieferungen mit Feldlazaretten und Medikamenten im Libanon eingetroffen.

Die Suche nach Überlebenden in der Trümmerlandschaft geht immer noch weiter. Der Instagram-Account @locatevictims soll dabei helfen, indem Fotos vermisster Personen geteilt werden. Mittlerweile zählt der Account rund 106.000 Abonennt*innen.

Ursache für Explosionen unklar

Die Ursache der Denotationen wirft weiterhin Fragen auf: Möglicherweise stehen sie in Verbindung mit großen Mengen Ammoniumnitrat (eine Chemikalie, die häufig als Düngemittel verwendet wird), die jahrelang im Hafen ohne Sicherheitsvorkehrungen gelagert worden sein sollen. Ammoniumnitrat führte in der Vergangenheit bereits immer wieder zu tödlichen Explosionen und wurde auch schon bei Anschlägen eingesetzt. Kritiker*innen prangern Fahrlässigkeit an und machen die politische Führung des Landes verantwortlich.

 

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