Bei Müllermilch gibt's Sexismus und Rassismus in Flaschen abgepackt

Die Werbeindustrie wird auch 2015 nicht müde Frauen als Produkt darzustellen.

"Alles nicht so gemeint!" Sie regen sich sicher gerade über die Weihnachtsedition der Müllermilch auf, die verschiedene Typen Frauen zu Produkten mit verschiedenen Geschmacksrichtungen objektiviert. Aber so haben die das jetzt nicht gemeint, weil

„Die gewählten Motive lehnen sich in ihrer Optik an die Pin-up-Darstellungen der 1950er-Jahre an und sind deshalb weitaus weniger freizügig als das, was seit einigen Jahren oftmals in Anzeigen, TV-Spots und quer durch alle Medienformen tagtäglich an nackter Haut zu sehen ist. Auch Rassismus in irgendeiner Form ist keinesfalls unsere Intention. Den gleichen, falschen Vorwurf müssten wir uns gefallen lassen, hätten wir auf die Figur der `Sharon Sheila Schoko` verzichtet und ausschließlich weiße Motive verwendet.“

So schön dieser Versuch, sich auf die Omnipräsenz nacker Haut in den Medien auszureden auch ist, ist Müllermilch mit diesem Sujet noch einen Schritt weitergegangen. Das ist auch der Grund, warum es aktuell einen Aufschrei auf Twitter unter dem Hashtag #ichkaufdasnicht gibt.

Durch die Zuordnung von Haar- und Hautfarbe zu den Geschmackssorten Vanille, Schoko und Erdbeer wird die Inszenierung des weiblichen Körpers als Produkt und Verkaufsfläche so banal und schamlos dargestellt, dass man das Gefühl hat, die letzten 150 Jahre Emanzipation hätten nie statt gefunden. Leider kommen wir nicht dazu, uns über jedes Werbesujet mit nacker Haut aufzuregen, weil wir dann den ganzen Tag nichts anderes machen würden, und ganz ehrlich: Es würde auch nichts bringen. Das zeigt aber eben, wie viel noch zu tun ist wenn es um die mediale Darstellung von Frauen geht. Übrigens gibt es auch Studien die besagen, dass Sexualität in der Werbung nicht so gut funktioniert, wie gedacht.

Gerade die Darstellung von afrikanischen Frauen als "wilde, exotische" Schokolade, kommt aus dem Kolonialismus und steht für die Dominanz Europas als Leitkultur. Müller hat Angst, sie wären auch mit Rassismusvorwürfen konfrontiert worden, wenn eine weiße Frau die Schokomilch repräsentiert? Das ist natürlich ein Problem, und ihre originellen Kreativideen in allen Ehren: Aber man könnte Schokomilch auch ohne Pin-Up-Girls vermarkten. Wozu gibt es schließlich Andreas Gabalier?

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