Begpacking: Wenn Rucksack-TouristInnen um Reisegeld betteln

Während Millionen Menschen in Tourismus-Zielen unter der Armutsgrenze leben, betteln ausgerechnet westliche Reisende um Finanzierung zum Weiterreisen.

Begpacking - wenn Rucksacktouristen um Reisegeld betteln

Wem das nötige Kleingeld für lange Reiseabenteuer fehlt, der verzichtet meist auf Weltreisen oder sucht sich rechtzeitig einen Job, um sich seinen Traum vom Weltenbummel zu finanzieren. Das war zumindest bisher so. Mittlerweile tauchen vor allem in Asien immer mehr TouristInnen auf, die um Geld für die Weiterreise bitten. Bekannt wurde dieses Phänomen kürzlich auch mit einem Influencer-Pärchen, das sich auf Instagram 10.000 an Crowdfunding für seine Weltreise sichern wollte.

Begpacking - "arm" aber reisefreudig

Das Phänomen ist mittlerweile so verbreitet, dass es dafür sogar schon einen eigenen Begriff gibt: Begpacking - ein Mischung aus den Worten "beg" (betteln) und "backpacking". Auch in den sozialen Medien kursiert das ein oder andere Bild der "armen" Reisenden, die Schildern wie "helft uns unsere Weltreise zu finanzieren" hochhalten.

Dass sie dabei oft in Ländern unterwegs sind, in denen viele Millionen Menschen sich nicht einmal einen Flug oder rudimentäre Lebensmittel leisten können, scheint diesen Begpackern anscheinend egal zu sein. Die Behörden der jeweiligen Ländern haben jedenfalls keine Lust mehr darauf noch mehr arme TouristInnen ins Land zu holen und kontrollieren deswegen immer schärfer bei der Einreise. Schließlich ist der Tourismus in diesen Ländern ein wichtiger Wirtschaftsfaktor - aber nur, wenn TouristInnen auch Geld ins Land bringen - und es nicht vor den Augen der eigenen Bevölkerung wegbetteln. In Thailand kennt man das Phänomen schont länger und kontrolliert deswegen an den Grenzen, ob TouristInnen genug Geld dabei haben, um sich die Reise leisten zu können.

Noch strenger sind die Behörden der Insel Bali, die seit einigen Jahren von Reisenden und vielen Bagpackern vereinnahmt wird. "Ausländer, die kein Geld haben oder so tun, als ob sie obdachlos seien, schicken wir zur Botschaft ihres jeweiligen Landes", sagte Ngurah Rai Seti Budiwardoyo von der Einwanderungsbehörde in Denpasar der Website "Detik", "wir haben viele Fälle von problematischen Touristen gesehen". Die meisten Problemfälle würden aus Australien, Großbritannien und Russland kommen, sagen die indonesischen Behörden.

Kritik im Netz und in der Tourismusbranche

"Reisen ist eine Entscheidung, noch dazu eine ziemlich luxuriöse. Wenn du dich entscheidest zu reisen, deine Komfortzone zu verlassen und die Welt zu entdecken, dann fühlst du dich manchmal wie ein Abenteurer. Und vielleicht bist du auch ein Abenteurer, aber du befindest dich in einer Gruppe von sehr priviligierten Menschen. Wenn du dich aus freuen Stücken entscheidest alles zurückzulassen (...) dann tust du das aus einer sozialen Struktur heraus, die dir erlaubt, das zu tun", kritisiert ein Nutzer unter einem Photo, das er von bettelnden Reisenden gemacht hat. Andere finden noch härtere Worte für das Verhalten der Begpacker, kritisieren ihr Verhalten scharf.

Es gibt aber auch Stimmen, die die Rucksack-TouristInnen in Schutz nehmen. Journalistin Helen Coffey vom britischen Independent hält nichts von Pauschalverurteilungen und gibt zu bedenken, dass es schwer möglich sei zu erkennen, unter welchen Umständen diese Reisenden sind und warum sie zu betteln angefangen haben. Schließlich könne es auf einer Reise immer passieren, dass man ausgeraubt wird oder einen anderen Vorfall erlebt, der einen in eine missliche Lage bringt, meint Coffrey.

In der Tourismusbranche beurteilt man das Phänomen nicht ganz so milde. Gegenüber dem Spiegel kritisiert der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Tourismusforschung, Jürgen Schmude, die TouristInnen scharf: "Das Phänomen Begpacking ist für den Tourismus eine Katastrophe". Dieses Verhalten sei "pervers" und "respektlos", findet Schmude weiter.

 

Aktuell