Beauty-Kolumne

Von wegen „wasserfest“ oder „wasserabweisend“! Da zahlt man ein Vermögen für sogenanntes Waterproof-Makeup und dann halten die Produkte erst recht nicht was sie versprechen. Wenn ach so übernatürliche Wundermittel einen zum Clown mutieren lassen...

Kritische Alltagstauglichkeit

Es ist doch nicht zu viel verlangt, dass die Wimperntusche oder der Eyeliner eben nicht bei der nächst besten Romantikkomödie oder einem plötzlichen, unberechenbaren Regenschauer verrinnt. Auch nicht zum Anbeißen wenn der Lippenstift oder Lipgloss beim leidenschaftlichen Geknutsche fast morbide - bei roter Farbe natürlich noch mehr, wenn nicht sogar: erst recht - wilde Spuren hinterlässt. Sowohl beim Sport, wie auch nach durchtanzten Nächten und dem damit verbundenen, völlig normalen, überaus menschlichen Schwitzen scheint Waterproof-Kosmetik nicht wirklich Stand zu halten.

Die eigene Wenigkeit als Testobjekt

Ich habe wirklich fast alles, einfach schon so viel, ausprobiert. Alle möglichen Marken, Farben und Materialien in jeglichen Kombinationen und Konstellationen. Feststellen kann ich leider nur, dass die Existenz von wasserfesten Schminkutensilien eine Illusion zu sein scheint. Ein Konstrukt der Schönheitsindustrie? Foundation und Puder verwende ich grundsätzlich selten(st) und habe dementsprechend hierbei auch nie die Erwartung einer Beständigkeit punkto Wasser.

Schön wie Arielle

Doch gerade im Sommer ist ja die absurde Angewiesenheit, ja sogar Abhängigkeit von wasserfesten Produkten hoch. Wer will schon als sexy Badenixe aus dem Wasser emporsteigen, und dies mit verlaufener Mascara? Natürlich ist die Badesaison nicht mit einem Laufsteg zu verwechseln. Doch geht man spontan nach Büroschluss schwimmen und muss tatsächlich nebst Handtuch und Bikini noch Abschminkzeug parat haben. Und dies nur, um für den Fall der Fälle ausgerüstet zu sein. Ein Tauchgang reicht und der Grufti-Look ist gesichert. Da halte ich mich lieber an das Meerjungfrauen-Prinzip: sich unberührt von jedweden künstlichen Verschönerungsartikeln im Fluss der Zeit treiben zu lassen. Bleibt zu hoffen, dass dies die natürliche Schönheit ist, von der exzentrische Wellenreiter träumen.

Nah am Wasser gebaut

Ein weiterer (peinlicher) Klassiker: total verschmiert aus dem Kino-Saal zu kommen, als wäre man direkt aus der Leinwand eines Horrorfilmes herausgekrochen. Dabei geht es nicht einmal um das Heulsusen-Syndrom. Freudentränen bleiben schließlich auch nicht verschont. Ist es tatsächlich soweit, dass ein Makeup-Täschchen auch ein Must beim nächsten Kinobesuch ist. Meine kleine Erkenntnis: weniger ist mehr und einfach ungeschminkt Fernsehen, Plantschen, Leben (!) scheint die einzig vernünftige Devise im ästhetisch geprägten Zeitalter zu sein. Kein einfacher Schritt. Denn soviel Selbstbewusstsein muss sein. Die ungeschminkte Wahrheit lässt sich am Ende des Tages als gewiss glamouröser und authentischer ansehen, als jegliche in den Schminktopf gefallenen Erscheinungen.

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