Beachhandball Norwegen: Mediale Aufmerksamkeit gegen Seximus im Sport

Das Beachhandball-Team Norwegen weigerte sich, in der sexistischen Uniform zu spielen, die der Internationale Fachverband vorgibt und wurde zu einer Geldstrafe gebeten. Vielleicht war genau das die Aufmerksamkeit, die nötig war, um langfristige Veränderung zu erzeugen.

Beach Handball

Dieses Bild ging vergangene Woche rund um die Welt und löste große Empörung aus. Zurecht. Es zeigt die Beachhandball-Mannschaft von Norwegen: Frauen und Männer-Team nebeneinandergestellt, jeweils in dem Dresse, die vom Beachhandball Weltverband freigegeben wurde. Die Männer tragen dabei deutlich mehr Kleidung.

Zehn Zentimeter

Schlagzeilen machte das Team aus Norwegen, weil es die übliche Sportuniform verweigerte. Uniform ist auch etwas viel gesagt. Konkret dürfen die Frauen bei Beachhandball nämlich nur Bikini-Hosen tragen. Diese sollen keine größere Seitenbreite als maximal zehn Zentimeter aufweisen. Stellt euch kurz vor, darin eure Periode zu haben und gleichzeitig Leistungssport ausüben zu müssen. Und die Chance, dass eine der Damen im Team zur Zeit des Turniers menstruiert ist überaus hoch.

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Urteil: Unangemessen Bekleidung

Als Frau war die Weigerung also so weit absolut verständlich. Doch was war genau passiert? Bei der Europameisterschaft im bulgarischen Warna hatte das Team beim Spiel um Platz drei diese "Uniform" verweigert und war ihn kurzen Hosen erschienen und wurde prompt dafür bestraft. 1.500 Euro sollte das Team zahlen, weil sie in "unangemessener Bekleidung" erschienen, so das Urteil des Weltverbands IHF.

Hilfe von Pink

Seither hat sich viel getan. Es ist nicht nur eine Welle der Empörung (schließlich schreiben wir das Jahr 2021) weltweit losgebrochen ist und hat auf ein Problem hingewiesen, über das ohnehin jedes Jahr in Bezug auf Beachvolleyball gesprochen wird. Nein, es gab auch Prominente die zur Hilfe eilten. So meldete sich Sängerin Pink zu Wort und bot auf Twitter an, die Strafe für das Team zu übernehmen: "Ich bin sehr stolz auf die norwegischen Beachhandballerinnen, die gegen die sehr sexistischen Regeln zu ihrer 'Uniform' protestieren. Die europäische Handball-Föderation sollte Strafe wegen Sexismus zahlen müssen."

Kehrtwendung

Doch auch die Europäische Handball-Föderation EHF, die die Strafe im Namen des IHF verhängt hat, hat nun eine Kurswendung gemacht und die eingehobene Strafe gespendet – und zwar ausgerechnet zugunsten der der Gleichstellung von Frauen und Mädchen im Sport. Ihnen sei die Aufmerksamkeit, die das Thema in der vergangenen Woche geweckt hat, bewusst, so der Präsident Michael Wiederer. Der Österreicher hoffe, dass daraus etwas Gutes entsteht. Auf die Änderung der Vorschrift verweist er allerdings an den Weltverband (IHF), die die Einzigen sind, die diese vornehmen können. "Wir tun alles, um dies zu beeinflussen", versprach Michael Wiederer.

Bei einer Rückfrage bei der OEHB (Österreichischer Handballbund), die für Beachhandball in Österreich verantwortlich sind, wurde uns von einer Mitarbeiterin erklärt, dieses Problem gäbe es bei Turnieren in Österreich nicht. "Hier kann jede*r tragen, was er*sie will", versprach sie.

Langfristige Veränderung

Man kann nur hoffen, dass jetzt nicht nur darauf gewartet wird, bis die mediale Aufmerksamkeit verklungen und Gras über die Sache gewachsen ist. Frauensport darf nicht nur dann ernst genommen werden, wenn die Frauen leicht bekleidet sind. Im Jahr 2021 sollte es keine Regeln mehr geben, die besagen, dass ein Höschen nur eine gewisse Breite haben darf. Die neu gewählte Beachhandball-Kommission wird sich nun bei ihrem ersten Treffen im August diesem Problem annehmen und "Vorschläge unterbreiten, welche dann der Internationalen Handball-Föderation präsentiert werden". Können wir nur hoffen, dass diese aus ihren Fehlern gelernt hat und die internationale mediale Aufmerksamkeit in diesem Fall wirklich eine Veränderung bewirkt hat.

 

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