BB oder CC Creams?

Glauben Sie, dass BB-Creams ein dauerhafter Trend werden? Vor zwei Jahren lautete meine Antwort auf diese Frage ganz klar „Nein“. Ich verglich die sogenannten „Blemish oder Beauty Balms“ in ihrer Wertigkeit mit den damals gerade in der Versenkung verschwindenden Tagescremes mit Selbstbräunern. Die waren nach ein, zwei Saisonen auch vergessen.

Heute muss ich zugeben: Was die BB-Cremes angeht, habe ich mich geirrt. Die boomen nach wie vor. Fast täglich landen neue zur Besprechung auf meinem Schreibtisch. Spontan fällt mir keine einzige Kosmetikmarke ein, die noch keine BB-Cream oder gar eine CC-Cream lanciert hat. Höchste Zeit, sich mal näher mit dem Erfolgsprodukt zu beschäftigen ...

Eine BB-Cream (sprich: "bi-bi") soll leicht deckend sein, beinhaltet oft einen Lichtschutz und Anti-Aging-Wirkstoffe. "BB" steht für "Blemish Balm" oder "Beauty Balm". "CC" (sprich "si-si") bedeutet "Complexion Correction" bzw. "Colour Correction".

Ziel dieser Produkte ist es, den Hautton zu korrigieren und Rötungen und Hautunreinheiten abzudecken. Eine "CC-Cream" will nicht nur kaschieren, schützen und pflegen, sondern das Hautbild – bei regelmäßiger Anwendung – langfristig verbessern.

Wer hat's erfunden?

Erfunden wurde die erste BB-Cream von der deutschen Dermatologin Dr. Christine Schrammek. Ihr Ziel: die Gesichtshaut nach Laserbehandlungen und Operationen zu pflegen, Rötungen zu kaschieren und vor der Sonne zu schützen. Dementsprechend pastig und mattierend ist das Original – der Blemish Balm von Dr. Schrammek –, das auch zur Pflege unreiner, geröteter und großporiger Haut gedacht ist.

Solche deckenden Pasten waren und sind in Asien schwer beliebt. Seit den 1980er-Jahren verwenden koreanische Filmstars BB-Creams als Bühnen-Make-up. Wer die Konsistenz von Bühnen-Make-up kennt, weiß, dass man sich so was im Alltag nicht unbedingt ins Gesicht schmieren will, außer man hat tatsächlich grobe Hautprobleme, die es zu verstecken gilt. Dennoch wurden die Cremes nach und nach auch in der Bevölkerung zum Verkaufsschlager.

Selber Name, alles anders

Die asiatischen Varianten der BB-Cream enthalten oft zusätzlich zu einem extrahohen Lichtschutzfaktor umstrittene, bleichende Wirkstoffe. Mit dem, was bei uns als BB-Cream angeboten wird, haben diese Produkte aber rein gar nichts zu tun. Denn die handelsüblichen Varianten sind zumeist nicht mattierend, sondern mit reflektierenden Mikroglitzerpartikeln versehen, nicht für unreine Haut gedacht, sondern häufig mit Anti-Aging-Wirkstoffen und daher in der Regel für eine trockener werdende Haut konzipiert und weit weniger deckend als eine Foundation. Beworben werden die BB-Creams hierzulande als eierlegende Wollmilchsäue, die bis zu zehn Funktionen in sich vereinen. Wahrgenommen werden sie allerdings in der Regel als praktische Mischung aus Tagescreme und Make-up, also als 2-in-1-Produkt.

Früher nannte man so etwas „getönte Tagescreme“, aber dieser Begriff ließ sich wohl nicht so gut vermarkten wie das vermeintlich neue Alleskönnerwunder. Also hat man Lichtschutzfaktor und mehr oder weniger Schimmerpartikel hinzugefügt und die Karten neu gemischt bzw. die Verpackungen neu bedruckt. So konnten erstmals Kundinnen angesprochen werden, die bis dahin totale Foundationverweigerinnen waren: Bei dem getönten Schönheitsbalsam legten sie ihre Angst vor einem möglicherweise zugespachtelt wirkenden Look ab.

>>>Auf Seite 2: Pro und Contra plus 24 Creams im Test!

Viel Pro, noch mehr Contra

Dass viele Flüssigfoundations besser mit dem Teint verschmelzen als die pastig-cremigen BB-Creams und dass auch die weitaus größere Farbauswahl bei Foundations (BB Creams gibt es meist nur in hell und dunkel) in der Regel zu einem natürlicheren Ergebnis führt, steht auf einem anderen Blatt. Wer seit Jahren ein Pflegeprogramm aus Pflege, Foundation und Concealer fährt, bekommt zudem schnell das Gefühl, dass die BBCream alles ein bisschen, aber nichts so richtig hundertprozentig kann. Sie pflegt, aber natürlich nicht so stark wie eine richtige Pflegecreme. Sie tönt, aber nicht so makellos wie eine Foundation. Sie schützt (manchmal) vor der Sonne, aber nicht so gut wie eine Sonnenschutzcreme (wer schmiert schon alle zwei Stunden BB-Cream nach, um den UV-Schutz zu erneuern?). Sie hat (oft) lichtkorrigierende Pigmente, aber nicht in dem Maß wie ein Primer. Ihr einziger großer Vorteil ist, dass sie verspricht, all diese Produkte überflüssig zu machen. Was – das muss man zugeben – Zeit, Geld und Platz im Badezimmer spart.

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Mein Fazit: Der Begriff BB-Cream ist ein weites Feld: Von matt bis hochglänzend, von pastig bis dünnflüssig, von deckend bis transparent – zur Verwirrung der Konsumentin ist alles möglich. Und die neuen CCs gibt es gar in Beige oder Grün. Ein Riesenangebot, das es zu sichten gilt, bis man das für sich passende Produkt gefunden hat. Drei, vier der von mir getesteten BBs oder CCs würde ich sofort auf Reisen mitnehmen, um Platz im Koffer zu sparen. Mit meiner Alltagskombi aus individualisierter Pflege (Ioma) und Foundation (Helena Rubinstein) konnte jedoch keines der Testobjekte mithalten.

Wahrscheinlich, weil ich gar nicht die Zielgruppe bin. Parfumkritiker Luca Turin sagte einmal: „ ,Leichte‘ Düfte wie L’Eau d’Issey/Issey Miyake oder CK One/Calvin Klein wurden für Menschen erfunden, die sich eigentlich nichts aus Parfums machen, aber trotzdem gut riechen wollen.“ Sie wurden nichtsdestoweniger oder gerade deshalb zu absoluten Bestsellern. In diesem Sinne wurden die BBs und CCs wohl für Menschen erfunden, die sich nicht wirklich was aus Kosmetik machen, aber trotzdem gut aus sehen wollen. Wenn man den Riesen erfolg dieser Produktgruppe betrachtet, muss es davon sehr viele geben ...

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