Barbara Balldini über Schock-Aussagen von Kids

Die Sexualtherapeutin und Kabarettistin Barbara Balldini im Interview über 13-Jährige, die seltsam über Analverkehr sprechen und das massive Desinteresse 40-jähriger Frauen am Sex generell.

Welche Porno-Themen begegnen Ihnen in Ihrer Sexualtherapie-Praxis?

Barbara Balldini: Erst mal ist es so, dass sich Frauen wie Männer heute über Pornos viele Informationen holen; Frauen etwa, wie sie gut im Bett sein können. Ich habe aber auch 40-Jährige, die keine Lust mehr auf Sex haben, weil etliche Männer nur noch Pornos nachspielen wollen.

Konsumieren diese Frauen und Männer Mainstream-Pornos?

Ja, in diesen Pornos geht es um Frauen als Objekt. Die Darstellungen zeigen eine hohe Aggression und dazu gibt es sogar Untersuchungen, die besagen, dass das limbische System in unserem Hirn bei harten Pornos Botenstoffe freisetzt, die wie Heroin wirken. Gleichzeitig wird das Aggressionszentrum aktiviert.

Porno ist Wirklichkeit?

Was sagen Sie jungen Frauen und Männern, die von solchen Porno-Erfahrungen erzählen?

Ich sage: Beim Krimi sind die Leichen auch nicht tot. Schaut euch das an, damit ihr wisst, was Frauen auf keinen Fall wollen. Da sind die Burschen dann oft sehr erstaunt. Neben der Verwechslung von Porno und Wirklichkeit gibt es aber auch eine Tendenz von Burschen, die sagen: Pornos sind geiler als Sex.

Feministische Pornografie richtet sich zwar in erster Linie an Frauen, aber wenn ich Ihnen so zuhöre, wäre das auch was für Männer, oder?

Aus meiner Sicht gibt es einen ganz großen Nachholbedarf in puncto Sexualität, weil mittlerweile so viele glauben, dass die Mainstream-Pornografie echt ist. Dabei geht es ja allerdings immer nur um Technik, nicht aber darum, sich aufeinander einzulassen. Die Lust entsteht automatisch, wenn man den Raum geschaffen hat, um sich wirklich wahrzunehmen. Wir sind nur leider so ziel- und damit so orgasmusorientiert, dass es wirklich oft anstrengend und mühsam wird im Bett. Frauen-Pornos sind deshalb so schön, weil sie Bilder von Intimität zeichnen. Bloß: Ich kenne wenige, die darauf hinweisen, dass es diese Art von Pornografie überhaupt gibt. Wenn man im Internet sucht, hat man sofort die „Fick mich"-Banner am Schirm.

Würde nie Schwanz sagen

Ist Pornografie noch immer ein Tabuthema?

Nein, Pornografie ist alltagstauglich geworden. Nichtsdestotrotz ist das Thema Sexualität vielen Menschen peinlich. Das sehe ich auf der Bühne immer wieder. Daher ist es mir wichtig, Lust auch mit „lust-ig" zu verbinden. Sexualität betrifft jeden, der im Publikum sitzt, und ich merke immer wieder, dass Sprache hier eine ganz entscheidende Rolle spielt.

Inwiefern?

Es ist wichtig, auf der Bühne immer respektvoll zu bleiben. Darum spreche ich vom weiblichen Tempel oder der Lotusblüte oder auch mal von der Muschi, aber ich würde etwa nie Schwanz sagen. In meinen Programmen sitzen 20-Jährige, aber auch 80-Jährige – das ist eine große Ehre, aber auch eine Verantwortung.

Welchen Satz hören Sie oft von Ihren Klienten / Zusehern?

Danke, Barbara, dass du so über Sex reden kannst. Wie andere übers Kochen.

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