Backstage in Paris

Willkommen bei der größten Modeschau der Welt! Ein Lokalaugenschein vom bunten Treiben hinter den Kulissen der Pariser Fashion Week.

Willkommen bei der größten Modeschau der Welt! Ein Lokalaugenschein vom bunten Treiben hinter den Kulissen der Pariser Fashion Week.

Text Martina Parker FotosMAC, beigestellt

"Mit MAC fahre ich backstage nach Paris“, sage ich zu einer Freundin, sie ist freischaffende Moderedakteurin – und gleich ein bisserl grün vor Neid. Denn Paris ist ein hartes Pflaster für freischaffende österreichische Mode­redakteure. „Frechheit“, sagt sie auch dementsprechend. „Du trinkst hinter den Kulissen mit den Designern Champagner, während unsereins nur mit dreisten Lügen à la ,Ich stehe auf der Liste, ich bin Frau X von der Bunten‘ Einlass bekommt.“ Ich kann mein Glück ja selbst kaum fassen, getrübt wird es nur von der Frage: „Was ziehe ich bloß an?“ Angeblich soll es ja schon Leute gegeben haben, die mit einem Balenciaga-Fake (falsche Farbe!!!) backstage bei Balenciaga aufgetaucht sind. Ich entscheide mich für schwarzes Tuch von H&M und Donna Karan. Beide sind in Paris sicher nicht vertreten!

Dass Schwarz die perfekte Entscheidung war, merke ich, als mich die Security-­Leute nonchalant in den Backstage-Bereich von Vivienne Westwood durchwinken. Ohne Diskussionen! Drinnen kapiere ich erst warum. Schwarze Klamotten plus schwarzer Trolley! Ich sehe aus wie die zahlreichen MAC-Visagisten, die hier bereits fleißig am Werk sind! Denn diese haben bei fast allen großen Shows ihre Hände im Spiel – und arbeiten eng mit den Designern zusammen.

Wir überbrücken die Wartezeit bis zur Show mit Essen (ich) und Rauchen (die Models), während das unglaublich gut gelaunte MAC-Team Vaseline und weiße Farbe auf die Gesichter der Catwalk-Schönen aufträgt. Eigentlich ist ja in diesem Frühjahr „matt“ in, aber das ist eben Westwood, she gives a f… about trends. Gestern soll die kleine rothaarige Lady, die gerade in Hüfthöhe barfuß an mir vorbeigelaufen ist, einen Wutanfall bekommen und selbst zum Schminkpinsel gegriffen haben, weil ihr das Make-up keiner recht machen konnte. Jetzt ist die Grande Dame der Mode zufrieden. Sie erscheint mit einem Pulk von Fotografen und ihrem Tiroler Ehemann Andreas Kronthaler. Jetzt geht alles zack, zack. Die Models haben einen Teint wie weiße Engel, als sie über den Laufsteg schweben. Nur ein Mädchen stolpert ständig in ihren viel zu großen Stöckelschuhen. „Total durchgeknallt, keine modische Linie“, wettert ein Kritiker über das bunte Treiben. Einfach typisch Westwood, sagt ein anderer.

Zurück im Backstage-Bereich heißt es für die Models umziehen – und weiter zur nächsten Show rasen. Als Snack gibt es für sie nur Rohkost. Bei den Backstage-Buffets sind die Karottensticks immer als Erstes aus. Um die Croissants prügeln sich nur die Journalisten. Vor allem die asiatischen Kollegen, aber die – so höre ich – werden von den Designern backstage kaum mehr eingeladen, weil sie entweder gar nicht auftauchen oder so undiszipliniert sind, dass sie die hochgradig gestressten und nervösen Modegenies ständig in Beschlag nehmen würden. Ich lasse die Genies in Ruhe und halte mich lieber an die Crew. Der Backstage-Bereich ist ein herrlicher Ort für Klatsch. Mir wird erzählt, dass sich Courtney Love letztens ein Chanel-Teil, das in Paris zu sehen war, ganz frech nachschneidern ließ. Pech für sie, das Kleid ging nie in Produktion. Und während Sie im angeblichen „Original“- Chanel aus den Zeitschriften lächelt, hängt das Unikat immer noch im Pariser Büro von Chanel


Was man hinter den Kulissen der Fashion Week sonst noch so zu hören und zu sehen bekommt, lesen Sie in der Februar-WIENERIN.

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Bei der Vivienne Westwood-Schau sahen die Mädchen dank jeder Menge weißer Schminke ganz schön blass aus.

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Vivienne Westwood weiß genau, was sie will, und überprüft höchstpersönlich Haare und Make-up jedes Models.

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Kaffee und Karotten sind die Hauptnahrungsmittel der Models.

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Martina Parker und MAC Senior Artist Gordon Espinet kommen sich neben den Laufstegschönen ziemlich kurz und breit vor.

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