Backstage in Kapstadt

"Milder Westen" ist das Thema der Modestrecke in der März-WIENERIN. Die Fotos wurden in Kapstadt geschossen - und dort war es vielmehr heiß als mild. WIENERIN-Fotochefin Angelika Goldmann berichtet exklusiv vom Shooting in Südafrika.

06:00

Tagwache. Es ist Freitag der 13. - und als der Wecker läutet, weiß ich nicht sofort, wo ich bin. Ein Blick aus dem Fenster bestätigt aber meine Vermutung. Ich bin am südlichsten Zipfels Afrika`s, in der Mother City, Capetown. Gemeinsam mit Valerie, unserer Modechefin,bin ich gestern hier nach einer schlaflosen Nacht im Flieger gelandet. Capetown ist in unserem Winter (Dezember, Jänner, Februar) eines der Produktions-Mekkas der Foto- und Filmbranche. Genau aus diesem Grund sind auch wir hier. Unser Auftrag: nach vier Tagen Produktion zwei Mode- und zwei Beauty-Editorials für die WIENERINmit nach Hause zu nehmen.

06:45

Vom Tafelberg wälzt sich eine dicke Nebelwand auf uns herunter. Jetzt verstehe ich endlich was mit „table cloth" gemeint ist. Auch Valerie ist mittlerweile auf den Beinen. Ein schnelles 10-Minuten Frühstück geht sich noch aus, dann holt uns der Produktionsbus draußen ab.

Untergekommen sind wir in einem netten kleinen Guesthouse in Camps Bay, eine der schönsten und auch teuersten Wohngegenden Kapstadts. Jeden Abend sehen wir die Autos der privaten Security Dienstleister die steilen und gewundenen Gassen patroulieren.

Die Sonne scheint. Herrlich. Kelvin, unser Produktionsmanager und seines Zeichens Mädchen für alles, erwartet uns bereits mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Sonnengebräunt, Dreitagebart und gute Laune - die südafrikanische Surferkultur ist unverkennbar. Wo es die besten Wellen gibt und wann Kelvin zuletzt beim Tauchen einem 4-Meter-Hai begegnet ist, hat er uns gestern schon erzählt. Sonne und gute Laune sind ansteckend, der frühe Vogel fängt den Wurm heißt es doch.

09:30

Zweieinhalb Stunden dauert die Fahrt von Capetown bis zu unserer Shootinglocation, Kersefontein, einer Farm aus dem 18. Jahrhundert. Auf dem Weg dorthin ziehen goldgelbe Getreidefelder und einige Staußenfarmen vor dem Fenster vorbei. Sogar Straußeneier liegen einfach so in der Wiese herum. Zum Glück sind sie so groß, sonst wären sie meinen aufmerksamen Blicken entgangen. Ein bisschen wie bei Universum. Das zweite Auto mit Fotografin an Bord hat sich unterwegs inzwischen irgendwo verfahren, wir halten bei einem Dorf und warten.

10:30

Am Ziel angelangt ist es mittlerweile schon recht heiß, die Sonne steht schon hoch am Himmel. Auch unsere Fotografin Anja, Model Maria, Fotoassistentin Christin und Visagistin Anja haben es geschafft. Begrüßt werden wir von einem Babyhund, seines Zeichens Weimaraner, der uns fortan den ganzen Tag auf seinen tapsigen Pfoten begleitet. Überhaupt leben viele Tiere hier und dürfen frei herumlaufen. Pferde, Schweine, Hühner, Katzen und Hunde.

Auch der Hausherr, Julian Melck, ist bald zur Stelle und führt uns durch das Kernstück seines Besitzes: Dem Farmhaus und den Wirtschaftsgebäuden von 1770, seit damals ist das Farmgelände in Besitz seiner Familie. Sogar Urlaub kann man hier machen. Einige der alten Gebäude im kapholländischen Stil sind zu luxuriösen Gästeunterkünften umfunktioniert worden. Auch eine eigene Bar gibt es auf der Farm. Der Weg zum nächsten Drink wäre nämlich unvorstellbar weit. Die Hausbar wird kurzerhand in eine Garderobe umfunktioniert in der Valerie zwei Koffer mit Styling ausräumt.

Making of Modeshooting WIENERIN März 2014

11:30

Es wird immer heißer und während Anja unser Model schminkt, überprüft Fotografin Anja die möglichen Shootinglocations. Wichtig dabei ist natürlich auch der Stand der Sonne. Fotoassistentin Christin und auch alle anderen im Team legen Hand an. Wir arbeiten mit Lichtdiffusoren um das Sonnenlicht abzuschwächen und einem Windbreaker, denn trotz der hohen Temperaturen bläst der Wind zwischen den weiß gekalkten Häusern hindurch. Model Maria hat ständig die Haare im Gesicht! Geht gar nicht!

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Making of Modeshooting WIENERIN März 2014

13:15

Kontinuierlich wird ein Sujet nach dem anderen abgearbeitet. Immer wieder wird eine neue Location gesucht, das Equipment von A nach B getragen. Alle schwitzen. Immer mit dabei ist der lustige kleine Hund und oft schaut auch einmal ein Schwein vorbei. Die sind sehr neugierig und wenn ihnen das zusehen zu anstrengend wird, legen sie sich in den Schatten der Akazienbäume. Maria schlägt sich tapfer, sie ist immer voll da und nimmt die Anweisungen des Teams oft vorweg. Beeindruckend, ist sie doch erst gestern spät abends aus Tokio angekommen. Viel Schlaf hat sie nicht bekommen und sieht einfach nur strahlend aus! Danke Anja für deine tollen Visagistenkünste!

15:00

Irgendwann ist Pause und es gibt Mittagessen. Verpflegt werden wir hier ausgezeichnet. Wir haben eine riesige Box mit kalten Getränken dabei, viel trinken ist wichtig wenn man den ganzen Tag in der Sonne steht. Mit einem Sandwich und der fünften Flasche Wasser lasse ich mich im Schatten einer Hauswand nieder und wünsche mir eine Hängematte für ein Nachmittagsschläfchen. Aber ätsch, nix da. Ist ja Arbeit und nicht Urlaub!

16:00

Gleich geht's weiter und die Schatten werden schon etwas länger. Noch vier Fotos müssen in den Kasten, dann haben wir es geschafft. Mittlerweile färbt sich das Licht golden und unsere Arme rot. Hat da jemand die Sonnencreme vergessen?

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17:30

Das vorletzte Foto schießen wir vor der Kapelle. Fast wie in einer Westernkulisse fühlt es sich hier an. Auf der Mauer neben dem Glockenturm sitzen die Hühner, aufgefädelt, wie auf der Stange. Da muss Anja näher dran um abzudrücken. Model Maria, trotz Vogelphobie ist tapfer und lässt sich nichts anmerken. Schwarze Spitze vor Gockelhahn, wir sind alle schwer begeistert!

18:15

Fast haben wir es geschafft. Im Licht der untergehenden Sonne steht noch ein Coverfoto an. Die Steppe vor der Farm wird von Pferden und Schweinen bevölkert, die sich in der abendlichen Kühle noch einmal zum Grasen hinaus wagen. Fast wie Safari. Bauernhof-Safari!

19:20

Im letzten Licht machen wir noch ein Gruppenfoto. Yeah, wir haben es geschafft! Ein langer Tag geht zu Ende und wir nehmen ein tolles Mode-Editorial mit nach Hause! Erschöpft sinken wir in die Produktionsautos und nicken schon ein wenig ein, während Kelvin und Christin uns sicher durch die Dunkelheit zurück nach Capetown kutschieren.

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