Auszeit auf Zypern

Während der Osten Zyperns jährlich von tausenden Strandurlaubern belegt wird, ist der wildromantische Westen der Insel noch weitestgehend unentdeckt. Machen Sie sich mit uns auf die Reise.

Mit einem freundlichen Lächeln begrüßt Michaelis jeden einzelnen Besucher, der durch das prächtige Tor schreitet. Nur manchmal springt er von seinem Platz auf und eilt mit einem blauen Überwurf zum Portal, um ihn dem gerade eintretenden Gast überzuwerfen.
Als einer der letzten Mönche des Kykkos-Klosters im Troodos-Gebirge wacht er über die sittliche Adjustierung eines jeden, der das spirituelle Zentrum Zyperns von innen auf sich wirken lassen will. Sein heiligstes Gut: die Ikone der Jungfrau Maria, die der Legende nach vom Evangelisten Lukas persönlich gemalt worden sein soll. Die Krux an der Geschichte: zu sehen ist die Ikone hinter der reichlich verzierten Silberplatte nicht.
Die Bevölkerung feiert im abgelegenen Kloster gern Taufen und Hochzeiten - vor allem an den Wochenenden. Und selbst dabei gibt's einen Haken: Wer im gleichen Taufbecken getauft wird, gilt als verwandt und wer miteinander verwandt ist, darf nicht heiraten. Gesegnet sei der Priester, der die Taufbecken für Mädchen und Knaben auseinanderzuhalten weiß ...

Ohne Zweifel zählt aber die große Ikonen-Sammlung im Museum des mit farbenprächtigen Fresken und Mosaiken geschmückten Klosters zu den wertvollsten Schätzen der christlichen Kultur. Ansonsten zeigt sich das Kloster eher bedeckt, nur Pilger sind auch über Nacht und gern auch länger willkommen. So auch im nahen, aber kleineren Chrysorrogiatissa-Kloster, das mit einem extrem seltenen, sehr gut erhaltenen Gynokonid (Balkon für Frauen) aufwarten kann.

Aphrodite und das Meer
Weit mehr (Damen-)Publikum zieht es zum Felsen der Aphrodite im Südwesten der Insel, wo die Göttin der Liebe in aller Schönheit aus dem Meer gestiegen sein soll. Wer hier ein Bad nimmt (idealerweise bei Vollmond und zur Geisterstund), kommt, sofern er dem Volksmund Glauben schenken mag, in den Genuss einer wundersamen Verjüngungskur. Eine viel größere Wirkung darf frau sich wohl bei einer Wanderung zum Bad der Aphrodite am westlichsten Zipfel Zyperns erwarten: Der Weg führt ab dem verschlafenen Hafenort Latchi leicht bergauf, was die Muskulatur stärkt und viele Kalorien schwinden lässt - der Kraftakt wird mit einem herrlichen Blick auf die Bucht von Chrysochou belohnt.

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Ankommen Paphos verfügt über einen eigenen Flughafen, die meisten Airlines (z. B. Austrian) landen aber in Larnaka; www.austrian.com.

Übernachten
Mondän im Elysium Hotel, Paphos; elysium-hotel.com.
Familiär im Asimina Suites Hotel, Paphos; www.asimina-cbh.com.
Luxuriös im Anassa Resort & Spa, Polis: thanoshotels.com.
Zurückgezogen im Ayii Anargyri Natural Healing Resort, Miliou; ayiianargyrisparesort.com.

Essen & Trinken
Mezes in Paphos: Taverne 7 St. Georges, 7stgeorgestavern.com;
Fisch im Hafen von Latchi: Taverne Yiangos & Petros.
Wein aus den Troodos-Bergen: Weingut Vouni Panayia Winery, vounipanayiawinery.com.

Angekommen ist, wer vor einer kleinen Grotte und unter einem riesigen Feigenbaum steht. Ein magischer Ort, an dem sich Aphrodite nicht nur Abkühlung verschafft, sondern auch so manchem Jüngling den Kopf verdreht hat - nur zum Baden lädt er nicht wirklich ein. Aber warum sollte man auch in eine Grotte steigen, wenn einem doch das Meer zu Füßen liegt? Vom Ausflugsboot, das im Hafen von Latchi ablegt und die Küste entlangschippert, ist das Bad der Aphrodite zwar nicht zu sehen. Der Badestopp an der malerischen Bucht vor der kleinen Insel Chamili zählt aber sicherlich zu den schönsten Attraktionen an der Westküste Zyperns. Auch wenn das Boot mit Glasboden keine Luxusjacht und das Barbecue an Bord kein lukullisches Festmahl ist.

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Schlemmen wie Dionysos
Wer in den Genuss der guten zypriotischen Küche kommen will, sollte daher unbedingt vor dem Ablegen einen Tisch in der Taverne Yiangos & Petros direkt im Hafen von Latchi reservieren. Wer dann auch noch Meze bestellt, wird reichlich belohnt. Denn unter Meze versteht man in Zypern eine typische Landesspeise, die einen geschmackvollen Querschnitt über die kulinarischen Spezialitäten des Landes (und des Hauses) verschafft. Bis zu 30 Tellerchen mit gebratenem, gegrilltem, gesottenem Fisch oder Fleisch können dabei über den Tisch gehen. Und wer zur Taverne 7 St. Georges in Paphos pilgert, wird grundsätzlich so lange verköstigt, bis er sozusagen das Tischtuch schmeißt.
Wobei das Wirtspaar George und Lara bei Gott nicht auf der Fastfood-Welle reiten - im Gegenteil: Manche Spezialitäten wie der Lamm-Eintopf garen schon seit den frühen Morgenstunden still und leise vor sich hin. Viele der Produkte bis hin zum Wein stammen aus eigener Produktion. Alles, was auf den Tisch kommt, ist jedenfalls „bio", wie George versichert.

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Der Wein hat in Zypern übrigens eine lange Tradition: Schon seit 3000 v. Chr. wird er hier angebaut. Dieser galt in der jüngeren Geschichte zwar höchstens nur als berauschend - doch nun kommen immer mehr trocken ausgebaute Qualitätsweine auf den Markt, die den internationalen Vergleich nicht scheuen müssen. Die autochthonen Rebsorten wie Xynisteri (weiß) oder Maratheftiko (rot) gedeihen prächtig auf den Südhängen des Troodos-Gebirges und werden in jungen Weingütern wie der Vouni Panayia Winery liebevoll zu edlen Tropfen vergoren - wo sie dann auch zur Degustation bereitstehen.

Die Achse Des Guten
Wieder im Tal, hat man die Qual der Wahl: Nächtigen im südlichen Paphos oder im nördlichen Polis? Wer auf die Vorzüge einer Kulturstadt (Shopping, Sightseeing etc.) nicht verzichten mag, dem ist z. B. das Elysium- oder das Asimina Suites-Hotel in Paphos zu empfehlen. Genießer und Pärchen mit dem Wunsch nach Stille und Luxus werden hingegen im Anassa Resort & Spa in Polis bestens verwöhnt. Wer ganz zurückgezogen urlauben will, tauche ab in das Ayii Anargyri Natural Healing Resort in einem ehemaligen Kloster im Landesinneren der Insel. Noch hat man im Westen freie Wahl und muss nicht um Liegestühle kämpfen. Spätestens wenn der junge Flughafen von Paphos aus allen Himmelsrichtungen angeflogen wird, wird wohl auch dieser letzte weiße Fleck auf der touristischen Karte Zyperns verschwunden sein.

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