Aus für das Lieblingsparfüm?

Parfüms werden ständig verändert. Allerdings geben das die Hersteller nur ungern zu. Martina Parker verrät die Gründe für die ständigen Reformulierungen.


Haben Sie auch das Gefühl, dass Ihr Lieblingsduft plötzlich anders riecht? Ihre Nase täuscht Sie vermutlich nicht! Denn Parfüms wurden und werden ständig geändert. Ein "Opium" (YSL), das Sie heute kaufen, riecht nicht mehr so, wie ein Opium in den Siebzigern roch. Möglicherweise riecht es auch nicht mehr so wie das "Opium", das sie vor fünf Jahren gekauft haben. Denn die Pafümhäuser reformulieren ihre Düfte die ganze Zeit.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Viele Firmen ersetzen teure Inhaltstoffe durch billige, um ihre Gewinne zu maximieren. Auch Lieferengpässe spielen eine Rolle. Wird z.B. durch Unruhen oder Kriege in einem Erzeugerland, echtes Sandelholzöl knapp, weicht man eben auf synthetisches aus. Aber auch natürliche Rohstoffe, können je nach Erntejahr immer ein bisschen anders duften.

Hinzu kommt: Schwere, üppige Düfte werden dem aktuellen Trend angepasst leichter und damit tragbarer gemacht und dann spielt natürlich auch die IFRA eine große Rolle. Die International Fragrance Association hat viele natürliche Duftstoffe für die Benutzung “verboten”, da es Menschen gibt die allergisch darauf reagieren können. Eine kleine Auswahl der seit 2010 verbotenen Substanzen: Heliotrop, Jasmin, Zitrusöle, Opoponax, Styrax. Auch echte Vanille, Ylang Ylang und Eichenmoos wurden schon aus dem Flakon verbannt.

Ob diese in den in Parfüms verwendeten Minidosen tatsächlich so allergen und gesundheitsschädlich sind, wie von der IFRA behauptet, ist anzuzweifeln. Für viele Parfümeure geht hier der angebliche Verbraucherschutz zu weit. Vor allem weil die Regeln auf Kosten pflanzlicher Inhaltsstoffe zu Gunsten synthetischer gehen und hierbei die Dosis das Gift macht. Oder wie es Parfümkritiker Luca Turin auf den Punkt bringt: „Es ist noch niemand durch die Verwendung von Shalimar (Guerlain) gestorben, aber es sind sehr viele Babies geboren worden, nachdem Frauen diesen Duft getragen haben!“

Nicht alle reformulierten Düfte riechen zwangsläufig schlechter, die meisten sind allerdings nur mehr ein müder Abklatsch des Originals und vermissen vor allem Tiefe und Komplexität.


Parfümliebhaber ärgern sich vor allem darüber, dass die Tatsache, dass ihre Lieblingsdüfte verändert werden, nirgendwo kommuniziert wird. Tatsächlich wissen nicht einmal die PR-Leute der Kosmetikfirmen oder die Parfümerieverkäuferinnen darüber Bescheid.


Wir verdanken es den unbegrenzten Weiten des www, dass dieses Problem überhaupt verfolgt und diskutiert wird. „Es ist fast so, als würde man bestimmte Noten in der klassischen Musik verbieten und durch andere ersetzen, so dass viele der geliebten Stücke, mit denen häufig starke Emotionen verbunden sind, nicht mehr wieder zuerkennen sind“, entrüstern sich Parfümfans.


Experten erwarten sich deshalb in den nächsten Jahren einen Run auf Vintagedüfte. Sammlerbörsen, Flohmärkte, wenig frequentierte Parfümerien und e-bay sind heiße Quellen für längst verloren geglaubte Schätze. Zwar haben die wenigsten Düft ein Datum, allerdings lässt sich das Herstellungsjahr manchmal über den Batchcode ermitteln. Infos dazu auf Cosmetics Wizard


Und auch die Parfümfirmen selbst forschen auf Hochtouren, damit die neuen Duftgenerationen auch in Zukunft möglichst nahe an die alten herankommen. Liegt es doch vorrangig in ihrem Interesse, dass uns ihre Klassiker möglichst lange erhalten bleiben.

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