Aufbegehren? Jo eh.

Nach 20 Jahren starten ein paar engagierte Österreicherinnen wieder ein Frauenvolksbegehren. Es ist zum Weinen. Echt.

Das Frauenvolksbegehren 2.0 mit all seinen *Gendersternchen* und _Underlines_ in der 2017 so relevanten geschlechtssensiblen Sprache ist also gestern gestartet. Bravo! Ja, doch ich freue mich und ich gratuliere den ambitionierten Initiatorinnen und ihren 15 Forderungen. (Auch wenn mich die Sternchen nerven).

Ja ja, hätt i war i

Aber ich würde mich wirklich ernsthaft freuen, wenn wir es nicht benötigen würden, weil die Parole von damals „Because it‘s 1997“ zu keiner Forsetzung „Because it’s 2017“ führen müsste. Wenn Frauen (egal ob mit oder ohne Kopftuch) bei uns einfach so leben, arbeiten, Kinder kriegen, autonom sein könnten, wie sie es gerne wollten. Aber das ist halt „hätt i war i…“ - der Konjunktiv sagt es uns ja bereits: Von den elf Forderungen aus dem Jahr 1997, die mit einer enormen „Volkskraft“ von fast 650.000 Unterschriften der Politik hingeknallt wurden, sind halt leider nur zwei umgesetzt worden.

Jo mei, könnte man sagen. Hatte die Politik halt auch was anderes zu tun. Was anderes zu gestalten. War halt keine Zeit für so was wie Lohngerechtigkeit oder Vereinbarkeit von Kindern und Beruf und so was alles. Also, wieder Anlauf nehmen, wieder kämpfen, wieder anecken, es wieder versuchen. Wie sagt das Klischee so schön. Hinfallen, Krönchen richten, aufstehen, weitergehen ...

Aber: Das ganze dramatische Ausmaß der unbedingten Notwendigkeit dieses Volksbegehrens hat nichts mit Genderwahn, Gendersprache oder irgendwelchen vermeintlichen Orchideenthemen zu tun, die bereits eine Stunde nach der Pressekonferenz wieder ganz rasch in den Kommentaren auf Social Media auftauchen, sondern einen ganz anderen Namen: GELD. Dieses Volksbegehren muss durch eine Crowdfunding-Aktion auf die Beine gestellt werden. Wer das nicht kennt: es ist ein Art digitales „Groscherlgeschäft“ – hätte man früher gesagt. Es geht um (teilweise) Mini-Geldbeträge, die mühsamst zusammengesammelt werden, damit die Initiatorinnen dann so was wie eine Kampagne machen können. Oder eben Pressearbeit. Oder Infomaterial. Damit am Ende die ÖsterreicherInnen über das Volksbegehren überhaupt Bescheid wissen. Und vielleicht dann auch noch hingehen und unterschreiben. Wer sich im Vergleich dazu den Ganzjahreswahlkampf zur Bundespräsidentenwahl 2016 in Erinnerung ruft, wird schnell eine Ahnung bekommen, wie viel Geld so eine Kampagne kostet - ja, viele Millionen. Und was haben unsere ambitionierten Frauen: Gar nichts. Sie haben ihr Engagement – that’s it. Und das ist die wahre Bankrotterklärung aus 20 Jahren Frauenvolksbegehren. Es gibt kein Ministerium für Frauen. Auch keines für Gleichstellung – muss ja nicht Frauenministerium heißen. Es gibt aber auch überhaupt kein Geld dafür. Die aktuelle Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) und auch ihre Vorgängerin, Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) sagten beide unisono: Ja, wir unterstützen das tolle Volksbegehren! Hui. Das ist echt super. Aber ein Blick ins Innere des "Frauenministeriums" macht klar: Da ist kein Geld und daher ist da auch kein Gestaltungsraum und daher ist das auch nicht wichtig.

Christian Kern ist Feminist - wow, toll!

Alle Bekenntnisse vom Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ), der auch am diesjährigen Frauentag ganz auf lässig meinte: „Ich bin Feminist. 2017 ist alles andere doch ziemlich retro“ - sind doch in Wahrheit heiße Luft. Ich meine, es ist grundsätzlich schon super und ich stimme dem Bundeskanzler da auch zu 100 Prozent zu. Allerdings: Die Frauenagenden im Mega-Ressort Gesundheitsministerium sind mit 10 Millionen Euro lächerlich wenig wert.

Und daher ist das wirklich Traurige am Frauenvolksbegehren 2.0, dass es leider so typisch Frau ist. Hier gibt es tolle Frauen, die gesellschaftlich etwas verändern wollen. Sie nehmen die Sache selbst in die Hand, weil es rundherum keine Unterstützung gibt. Sie versuchen auch die Finanzierung selbst zu schaffen. Und: Ihre eigene Arbeit, ihre Stunden und ihre Nächte – na klar, die gibt es gratis dazu. So wird Frauenarbeit eben gesehen. Gratis. Wertlos. Daher ist es wichtig, dieses Frauenvolksbegehren 2.0 zu unterstützen.Und zwar egal, ob man alle oder nur drei Punkte gut findet. Es geht um den Wert von Frauen in der Gesellschaft. Because it’s 2017!

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