Auf zu neuen Bühnen

Ein Dossier über den Aufbruch in unbekannte Welten - und ein Versuch, den Reiz des Neuen zu erklären.

Anders als andere Gefühle werden uns Zufriedenheit und Befriedigung nicht einfach geschenkt. Wir müssen etwas dafür tun. Und zwar am besten zum ersten Mal. Ein Dossier über den Aufbruch in unbekannte Welten – und ein Versuch, den Reiz des Neuen zu erklären.
TextDaniela Schuster
FotosMichael Dürr - Vielen Dank an die Vereinigten Bühnen Wien!

Dass mir ausgerechnet die moderne Hirnforschung einmal den Rock’n’Roll erklären würde, hätte ich bis gestern auch nicht gedacht. Hat sie aber. Jahrelang habe ich mich nämlich gefragt, warum Mick Jagger seit 1965 beständig „I can’t get no satisfaction“ heult, obwohl er doch alles hat: Ruhm und Geld, eine Villa auf Mustique und wilden Groupie-Sex, eine Model-(Ex)Frau und entzückende Kinder … Dank Neuro­wissenschaftler Gregory Berns bin ich heute schlauer. Denn er hat heraus­gefunden, dass der Frieden der Befriedigung nicht im grenzenlosen Hedonismus liegt, sondern in der Dopamin- und Cortisol-Ausschüttung im Gehirn.

Und davon hat Mr. Jagger offensichtlich zu wenig. Was maßgeblich an seinem Unvermögen liegt, mit seinem ­Rocker-Dasein abzuschließen. Denn wenn man wie Mick 40 Jahre lang dasselbe tut – und sei es auch, in zu engen Hosen vor kreischenden Fans aufzutreten –, dann wird’s einfach nichts mit der Befriedigung: ­Dopamin und Cortisol gibt’s eben nur für den, der sich Neuem zuwendet. „Nichts erfüllt uns daher auf lange Sicht so sehr wie das Suchen und Finden neuer He­rausforderungen. Nur für sie werden wir mit einem hormonellen und neurotransmitterischen Glücks-Cocktail belohnt“, so Berns. Sicher brauchen und schätzen wir Kontinuität. Doch die „Encores“ erreichen eben nie den Zauber des ersten Mals. Der erste Kuss bleibt auf ewig der köstlichste, der erste Bungee-Sprung der aufregendste, der erste Auftritt der größte ... Selbst wenn man kontinuierlich die Dosis der Glücklichmacher steigert, lässt die Wirkung nach.

Evolutionär macht es durchaus Sinn, dass gerade das Neue der Schlüssel zur Befriedigung ist: Das Hirn liebt den Reiz des Unbekannten. „Weil es so wichtig für das Überleben war und ist, Unvorhergesehenes zu meistern, hat die Natur Neugier zu einem von innen kommenden, lustvollen Trieb gemacht, zum Weg zur Zufriedenheit“, erklärt die Psycho­login Charlotte Hetzer. „Neugier verschafft uns einen wertvollen Vorsprung an Wissen.“

Außerdem im August-Dossier der WIENERIN: Johanna Jenner sprach mit Frauen über ihr persönliches "erstes Mal". Und: Mut-Coach Roman Braun verrät, wie Sie den Sprung auf neue Bühnen schaffen.



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