Auf einen Spritzer mit Manuel Rubey

Zum ersten Mal geht der Künstler als Kabarettist solo auf die Bühne. Dafür hat er sich die Rollen, die ihm bisher vielleicht nicht zugetraut wurden, einfach selbst geschrieben.

Manuel Rubey

Wo man in Wien am besten Spritzer trinkt? Für Kabarettist, Schauspieler und Sänger Manuel Rubey gar nicht leicht zu beantworten. "Das Gasthaus Wolf ist zum Beispiel immer eine sichere Bank. Aber es gibt so verdammt viele Möglichkeiten! Das ist auch das Herrliche an Wien, dass hier nicht alles so kommerzialisiert ist. Du kannst zwei Stunden lang wo bei einem Glaserl zusammensitzen." Mit der WIENERIN trifft er sich im Stadtsaal, jenem Ort, wo vermutlich nach der Premiere des ersten Solos am 9. Jänner der eine oder andere Spritzer über die Budel gehen wird.

Aller guten Dinge sind drei - warum gehst du nach zwei Kabarettprogrammen mit Thomas Stipsits allein auf die Bühne?

Manuel Rubey: Eigentlich war schon das zweite nicht mehr geplant - was aber nicht heißen soll, dass es niemals ein drittes geben wird. Wir haben schon Ideen gesponnen, mal sehen. Aber so ein Solokabarett ist die Königsdisziplin. Fredi Dorfer, Josef Hader - diese Künstler haben mich inspiriert, in den Beruf zu gehen. Einen Abend alleine wollte ich schon echt lange machen, aber irgendwas ist immer dazwischengekommen. Jetzt, mit 40, habe ich mir gedacht, gibt es keine Ausreden mehr - jetzt traust dich das endlich!

Ganz ehrlich: Wie groß ist die Angst davor, alleine rauszugehen?

Ich stelle fest, dass sich bei mir mit zunehmendem Alter eine gewisse Radikalität eingestellt hat. Ich tu jetzt das, worauf ich wirklich Lust habe. Klar, ich scheiß mich schon auch ein bisserl an, und es gab auch schon kurze Momente, wo ich mir gedacht habe: Warum tust du dir das eigentlich an? Aber grundsätzlich ist die Freude groß, und so ein Schritt raus aus der Bequemlichkeit ist auch ganz gut.

Was passiert bei Goldfisch?

Irgendwann hat das Schreiben selbst die Regie übernommen, und es ist jetzt tatsächlich ein echtes Stück geworden mit ein paar Standup-Elementen und auch ein bisschen Musik. Inhaltlich geht es um meine großen Themen, also die Prokrastination, Alkoholismus, Instagram - und darüber, wie man sich den Kindern gegenüber als gescheiter Vater darstellt.

Du hast ja zwei Töchter, spielen die bei deiner Arbeit eine Rolle?

Meine Kinder prägen mich in all meinem Tun. Sie kommen im Stück auch vor, also nicht live, aber sie spielen eine große Rolle. Sie sind auch die Ersten, denen ich Texte, die ich geschrieben habe, vorlese. Meine Ältere hat ein super Gespür für Dinge, die um die Ecke kommen und so. Sie sind ehrliche Kritikerinnen.

Manuel Rubey ist bekennender Feminist und scheut sich auch nicht, klare Ansagen zu machen. Ein Wettbewerbsnachteil?

Als Vater zweier Töchter kann man nicht nicht Feminist sein. Aus wirtschaftlicher Sicht ist es möglicherweise nicht so schlau, sich politisch zu engagieren. Vielleicht vergrault es auch manche Leute, soll so sein. Ich kenne Kollegen, die privat ähnlich denken, aber es in der Öffentlichkeit anders halten. Das ist ihre Entscheidung. Prinzipiell denke ich nicht, dass Künstler per se politisch sein müssen. Aber wir leben in einem demokratischen System, und da geht es darum, Deals zu finden.

Gibt Kunst Denkanstöße?

Die Leute sind heute alle selbst informiert, die brauchen niemanden, der ihnen die Welt erklärt. Was wir aber nicht vergessen dürfen: Kunst ist -egal, in welcher Form, ob Kabarett, Literatur, Film, Malerei -die letzte Bastion gegen die Barbarei, die dünne Decke der Zivilisation. Sie ist letztendlich das, was uns von den Tieren unterscheidet. Es wäre daher schon sehr wünschenswert, dass sie ihren Stellenwert in unserer Gesellschaft behält beziehungsweise gestärkt wird.

Du tanzt ja selbst auf mehreren Kunstebenen, als Kabarettist, Schauspieler, Sänger. Womit willst du im Gedächtnis bleiben?

Die Genrefrage stelle ich nicht. Ich möchte vielleicht meine Marke stärken, also dass die Leute wissen: Der nimmt seinen Job total ernst, sich selbst aber nicht so. Das ist es nämlich total: Ich liebe es, zu arbeiten, und steigere mich voll rein, aber Selbstironie spielt eine große Rolle. Es ist unfassbar schön, dass ich diesen Beruf machen darf -und dass es Menschen gibt, die einen Teil ihres Gehalts dafür verwenden, meine Arbeit zu sehen.

Gibt es Typen, die du unbedingt noch spielen möchtest?

Das Thema kommt auch ein bisschen im Kabarett vor. Die Initialzündung, für die Bühne zu schreiben, kann ja sein, dass es Rollen gibt, die einem nicht zugetraut werden -also wenn du sie nicht bekommst, dann schreibst du sie dir halt selbst. Wobei ich sagen muss: Seit Falco (Film, 2007, Anm.) gab's ganz viele unterschiedliche Rollenangebote; da sind Dinge passiert, die vorher so nicht denkbar waren.

Gab es jemals die Idee, nicht in Wien zu leben?

Anfang 20 habe ich ernsthaft überlegt, nach Berlin zu gehen. Alle, die was mit Schauspielerei gemacht haben, wollten dorthin. Am Sprung nach Berlin wurde meine Partnerin schwanger, wir sind dageblieben. Ich bin immer wieder mal in Berlin, aber ich muss sagen: Wien ist perfekt!

 

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