Auf einen Spritzer mit Doris Felber: "Da gehört alles rein, bis auf die FPÖ und die Kapitalisten!"

Die Bäckerei-Eignerin Doris Felber erklärt, warum sie keine Kapitalistin sein kann, Ausländerfeind*innen nach Ungarn auswandern sollten und sie doch noch Feministin wurde.

Doris Felber

Die Felber-Bäckereien sind etwas Urwienerisches, ein Familienunternehmen – und durch Corona in die Krise geraten. Das brachte Eignerin Doris Felber dazu, selbst in Videos auf Facebook aufzutreten. Nach der ersten ­Onlinehäme entwickelten sich ihre Clips ein bisschen zum Kult, auch dank ihrer sehr energiegeladenen Art – Felber nimmt sich kein Blatt vor den Mund.

WIENERIN: Frau Felber, "Nageln Sie sich eine Topfengolatsche" – haben Sie geahnt, dass Sie durch dieses Video zum Internetphänomen werden würden?

Doris Felber: Dieses Video hat mich mehr Tränen gekostet, als dass ich mich gefreut habe. Ich hab mir gedacht: Ich muss was machen. Wir sind ja gesessen und waren machtlos. Ende April haben wir dann erfahren, die Baumärkte sperren auf, und haben gesagt, wir machen ein Video. Und ich hab mir gedacht, ich muss das richtig rausbringen! Es g’freun sich wahrscheinlich mehr die Frauen, dass ihre Männer endlich eine Hackn daheim haben (lacht).

Es kamen jede Menge hämische Hasspostings, auf die Sie mit noch einem Video reagiert haben.

Schlimm war das. Ich wollte einfach erreichen, dass mein Gegenüber sagt: "Mein Name ist soundso und ich möchte das und das." Weil: Ich bin ja auch die Doris Felber. Und wenn einer sagt, ich bin ein bissl bekloppt, soll er mir sagen, warum. Weil ich Bäckerin bin? Oder weil ich mich selber da hinstelle? Ich mein, ich bin Unternehmerin und keine Unterlasserin!

Sie haben auch Ausländerfeindlichkeit in einem Video angesprochen. Wie kam es dazu?

Auf der Meidlinger Hauptstraße gehen manche Leute nicht in unsere Filiale rein, weil da eine Ausländerin arbeitet. Das hat sich so zugespitzt, und dann hab ich gesagt: "'tschuldigung, erstens müssen wir leben mit den Leuten; wir wollen mit den Leuten leben. Außerdem ist Österreich sowieso ein Mischvolk. Früher haben die Serben und so weiter zu uns gehört – großes Habsburgerreich. Also was soll das bitte?" Und wenn wir nicht damit umgehen können, dann müssen wir nach Ungarn gehen, wo sie keine Leute reinlassen.

"Je älter ich werde, desto mehr sage ich: Wir ­Frauen ­leisten schon mehr und ­kriegen ­weniger bezahlt."

von Doris Felber

In den Medien wurden heuer Menschen, die im Verkauf arbeiten, als Helden gefeiert. Bekommen die genug dafür zurück?

Also das muss ich Ihnen sagen, das ist ein Werbeschmäh. Schauen Sie – egal, ob Sie zum Billa oder zu uns einkaufen kommen –, was sich da oft abspielt. Was glauben Sie, was 90 Prozent der Kunden sagen? (Macht krächzende Stimme nach.) "Oaschloch! Kümmer di um dein’ eigenen Dreck!" Das interessiert die alles nicht. Zumindest einige.

Gibt es Zusammenhalt in Wien?

Ja, das glaube ich schon. Aber in gewisser Art und Weise muss man das wieder mehr lernen.

Sie haben vor der Wien-Wahl auch zum Wählen aufgerufen. Sind Sie ein politischer Mensch?

Nein, ich bin kein sehr politischer Mensch. Wissen Sie, in ein Unternehmen, da gehört alles hinein. Bis auf die Freiheitlichen und die Kapitalisten (lacht). Aber ich bin fürs Wählen. Das haben sich unsere Großeltern erkämpft, dass es Wahlen gibt und dass auch die Frauen wählen dürfen. Und ich finde, das darf man nicht herschenken.

Wie kann man Unternehmerin sein und keine Kapitalistin?

Na ja, entschuldige, du kannst gar keine Kapitalistin sein, weil: Dir bleibt oft weniger über, als wenn du dir so Leute anschaust, wo du dir denkst: Was die für Autos fahren und wie die Geld verdienen! Ich denk mir dann: Heast, Leute, ich mach was falsch.

Sind Sie eigentlich Feministin?

Also lange überhaupt nicht. Weil ich immer der Meinung war, es ist völlig wurscht, ob du a Bua oder a Madl bist. Nur, je älter ich werde, desto mehr sag ich: Wir Frauen leisten schon mehr als die Männer und kriegen weniger bezahlt. Und ich finde sogar, eine Frau, die zu Hause bleibt bei ihren Kindern – das muss als Job angesehen werden, und die muss ein Gehalt bekommen.

Sie haben so viel positive Energie – wo nehmen Sie die her?

Ich bin ein Zwilling, ich hab zwei Seiten – eine gute und eine noch bessere! (Lacht.) Ich glaub, das hab ich von meinem Großvater. Nach der Arbeit, so um sechs, sieben, fahre ich am liebsten ins Schwarze Kameel oder irgendwo anders hin und setze mich ins Wirtshaus zum Quatschen mit den Leuten. Da erfährt man viel und da sprudeln bei mir nur so die Ideen.

 

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