Auf in den kollektiven Zuckerschock!

WIENERIN-Chefredakteurin Barbara Haas graust es vor Halloween,dem offiziellen Startschuss zum Zuckermarathon. So geht es jetzt allen Eltern. Und dann bricht auch noch Panik im Kindergarten-Sitzkreis aus.

Halloween ist scheiße. Heidi Klum lässt sich da immer total – gähn – verrückt stylen und bei uns kostümiert sich die ganze Stadt (die Fasching für das ärgste Brechmittel hält) und macht einen auf US-Lifestyle. Aber witzig find ich es trotzdem. Weil: Halloween ist ja auch ein Kinderfest – trick or treat –Süßes oder Saures - rufen Kinder während sie von Tür zu Tür ziehen und Süßigkeiten abstauben wollen. Es ist halt nur so, dass Kinder im Jahr 2015 natürlich keinen Zucker mehr essen. Also eher tricky statt nur trick. Ja, klar gibt es vegane Schokolade oder den Vollkorn-Keks und so, aber – ganz ehrlich – wenn man gar so aufpassen muss… auch deppat. Für das Kind.


Zwei Monate Zuckerschock

Und für die ganze Familie ein Dilemma, weil spätestens am 30. Oktober alle wissen: Es geht los. Das Halloweenfestl startet den Mega-Zuckermarathon, der frühestens nach den Heiligen Drei Königen zu Ende ist. Sind also mehr als zwei Monate, in denen Körper und Gehirn des Nachwuchses durch Lebkuchen, Vanillekipferl, Schokonikoläuse, Christbaum-Zuckerl und natürlich auch den immer beliebteren Kinderpunsch „out of order“ sind. Und weil Eltern das wissen und zwischen Karies/Adipositas-Alarmglocken und der eigenen romantischen Kindheitserinnerung hin und hergebeutelt sind, hilft dem reflektiertem Elternteil von heute nur eines: Reden! Deshalb landen auch die traditionellen Herbstsitzungen in diversen Kindergärten meist schnell bei einem Thema: dem Essen. Sicher, es wird schon auch besprochen, dass man pünktlich das Kind abgeben soll, dass Gerüchte über Läuse, Agro-Kids, Trottel-Eltern oder durchgeknallte Pädagoginnen direkt angesprochen werden sollen, aber am Ende sind das Nebenschauplätze. Denn der Kern ist das Essen. Konkreter, das gesunde Essen. Was das ist? Rohes Gemüse und Obst. Alle anderen Varianten finden nämlich keine Mehrheit.

Brot? Semmeln? Hey, wir haben doch alle die Weizenwampe gelesen, also echt. Fleisch? Wer sagt mir, dass das echt bio ist? Und auch wenn ja, warum wird das Kind überhaupt zu so viel Fleischkonsum gezwungen? Weiß doch jeder, dass damit nur die Erderwärmung steigt, CO2 und so. Und natürlich wollen wir nicht jeden Tag Nudeln oder Reis, weil low carb von vorhin gilt auch für warme Speisen. Und weshalb jede Woche ein Kaiserschmarrn am Menüplan stehen muss, versteht sowieso niemand. Wir sind doch nicht auf der Skihütte usw usf.


Oh Karies, komm!

Und wer sich davon nicht vertreiben hat lassen, darf sich dann noch mit dem Kern-Kern auseinandersetzen: dem Zucker. Konkret: dem Zucker in der Geburtstagstorte bzw. den 20 bis 24 Torten (je nach Kinder-Stückzahl). Denn natürlich wollen Kinder eine hübsche Torte. Und hübsch könnten die Mamas und Papas ja sicher sehr gut, hübsch wäre gar nicht das Thema, es könnte richtig schön sein. So schön, dass das Kind vielleicht die Karotten/Mohn/Chia/Goij-Beeren-Fülle übersehen würde, aber: Das Kindergarten-Regime verbietet selbst gemachte Torten. Leider. Jemand sagt: „Vorschriften“, „Allergene“ und „Salmonellen“ - dann ist es vom Tisch. Und so beginnt mit dem Herbst auch die Saison der Kauftorten (wahlweise Konditor-Ware oder echt Coppenrath) – in jedem Fall schlägt die Zuckeramplitude mächtig aus. Das interessante an solchen Erwachsenen Diskussionen auf Kindersesseln? Nach drei Stunden steigt bei allen die Lust auf ein vielleicht nicht ganz nachhaltig produziertes Keks oder gar eine Leberkässemmel. Das Schöne: Genau so was haben die dauerhaft verständnisvollen und immer für alles offenen Kindergarten-Pädagoginnen dann auch fix auf den Goodie-Tellern im Kindergarten. Also, Leberkäs vielleicht nicht, aber Keks, Soletti und zumindest einen richtig fetten Schokokuchen immer. Und dann weiß man: Zucker ist zwar böse, aber böse ist eben auch gut. Lecker! Happy Halloween!

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