Auf dem Erfolgsweg

... da ein Erfolgsweg. Um etwas zu erreichen, müssen wir wissen, was wir gern hätten. – und worauf wir dafür verzichten würden. Ein bisschen Demut hilft dabei.

Achtung, jetzt wird es ein bisserl philosophisch. Auch wenn der Begriff „Erfolg" in der Philosophie eigentlich gar nicht vorkommt, eignet er sich nämlich ganz hervorragend, um darüber zu philosophieren ... Als sich im 17. Jahrhundert das Wort in der deutsche Sprache einnistete, bedeutete „erfolgen" lediglich das Erreichen eines selbst gesteckten Ziels. Heute aber, wo man schon Ungeborenen „Sei erfolgreich!" als Lebensmotto einflüstert und sie mit IQ-fördernder Musik beschallt, wird das Wort zum Befehl, Leistung zu erbringen.

Erfolg ist das Gegenteil von Misserfolg, von Scheitern. Also unterstellt man erfolgreichen Menschen, ihre Ziele nur aufgrund ihres vernünftigen, absichtsvollen Tuns erreicht zu haben. Zufall? Äußere Umstände? Nicht doch! „Wir glauben fest an ,Handlungshelden‘ und ihre Hymne I dit it my Way", sagt der deutsche Soziologe Sighard Neckel im Glossar der Gegenwart (Edition Suhrkamp, € 12,40).

Sanfter Erfolg. Genau das, findet Alain de Botton, britischer Philosoph und Autor von The Pleasures And Sorrows of Work (Penguin Books, € 13,99), sei aber schlimm und stresse. Er sagt im Interview: „Wir sollten uns vielmehr bewusst machen, dass jeder Mensch ein enormes Potenzial des Scheiterns in sich trägt. Unsere Sehnsüchte und Interessen übersteigen stets das, was uns die Welt bietet." Für den Philosophen ein Grund, eine sanftere Erfolgsphilosophie zu fordern. Eine, in der Scheitern nicht verpönt ist, in der man nicht nur den eigenen Anstrengungen huldigt. Denn mancher Erfolg beruht nun mal auch auf Zufall.

„Das Leben ist nicht fair zu uns in dem Sinne, dass wir alles Gutes und Schlechte ,verdienen‘. Doch genau das redet sich die Gesellschaft ein: Wir glauben, jeder könne alles erreichen, wenn er sich nur anstrenge. Versage er, sei es eben sein Fehler." Für Menschen, die ganz oben stehen, eine angenehme (Be-)Deutung von Erfolg. Für alle anderen ein Desaster - sie quält ihr geringes Selbstwertgefühl. Oder schlicht der Neid auf die „Erfolgsmenschen".

Wie auch immer Sie Erfolg für sich definieren, Sie müssen ihn auch richtig (er-)leben.

Im Handwerk gibt es das noch: ein Ritual wie die Dachgleiche, mit dem man einen äußerlich sichtbaren Erfolg feiert, damit er bei den Beteiligten innerlich ankommt und jeder nachvollziehen kann, worin sein Anteil am Erfolg liegt. Das geht auch in anderen Branchen, etwa mit Feiern nach einem guten Quartalsabschluss.

Kaum eine Firma tut dies allerdings (noch). Und läuft so Gefahr, dass Mitarbeiter sich nur noch wie eine gut funktionierende Maschine fühlen, die von einem ins nächste Projekt taumelt. Gute Führungskräfte, die Erfolge symbolisch erlebbar machen, setzen so auch ein Zeichen gegen die beschleunigte (Burn-out-)Arbeitswelt.

Vorbildhaft: Vorgesetzte, die Auszeiten verordnen, wenn Mitarbeiter diese erkennbar brauchen – und dies nicht als Schwäche werten, sondern als Schritt zu mehr Ganzheitlichkeit und Lebensqualität.


Dabei ginge es auch viel entspannter und weniger neidbelastet, findet Alain de Botton: „Man kann nicht in allem erfolgreich sein! Vergessen Sie die Idee vom ,Erfolgsmenschen‘. Klar können Sie in manchen Lebensbereichen erfolgreich sein. In anderen sind Sie es aber nicht - viele Firmenchefs sind etwa keine erfolgreichen Familienmenschen." Wer anerkennt, dass Erfolg zugleich Verzicht heißt, tut sich leichter damit, etwas nicht (erreicht) zu haben. „Mehr Demut", fordert de Botton, „anders lassen sich die vielen Herausforderungen im Leben nicht aushalten."

Was willst du? Es braucht also eine neue Definition von Erfolg. Doch wie könnte diese lauten? „Für mich bedeutet Erfolg, sich selbst zu verstehen, mitsamt den Interessen und Wünschen - und diese Vorstellungen dann so an die Umwelt anzupassen, dass sie deinen Einsatz anerkennt." In diesem „Was willst du vom Leben?" liege der Schlüssel: Nicht hinterfragten, fremden Idealen von (Berufs-)Erfolg hinterherzulaufen, mache nicht glücklich. Auch der Schweizer Psychologe Peter Glauser betont das Subjektive von Erfolg: „Erfolgreich ist, wem es gelingt, die eigenen Möglichkeiten auszuschöpfen und ihre Grenzen weiter auszudehnen."

Der Alltag lehrt uns noch mehr: Erfolg und Scheitern, Sieger und Verlierer - diese zwei Seiten einer Medaille erlebt man in ihrer reinen Ausprägung eh nicht oft. Dazwischen liegt etwas Drittes: ganz viel Durchwurschteln.

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