Auf Bauernhöfen herrschen traditionelle Rollenklischees

SoziologInnen der Uni Graz untersuchen erstmals bäuerliche Lebenswelten in Österreich - und kamen zu neuen Erkenntnissen, was die Arbeitsteilung betrifft.

„Bauer sucht Frau“ und ähnliche TV-Formate auf der ganzen Welt locken Millionen ZuseherInnen vor den Fernseher. Mit ländlicher Idylle und Entspannung hat die Realität auf Bauernhöfen aber wenig zu tun.

Wie es sich als Bäuerin und Bauer in Österreich tatsächlich lebt, welchen wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen sich der Berufsstand stellen muss, wird nur selten erforscht. „Das ist erstaunlich, denn bei uns arbeiten nach wie vor rund fünf Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung in der Landwirtschaft – haupt- oder nebenberuflich“, weiß Ao.Univ.-Prof. Dr. Franz Höllinger vom Institut für Soziologie der Uni Graz. Er leitet das Projekt „Bäuerliche Lebenswelten“, das sich mit den starken Veränderungen dieses Berufsstandes auseinandersetzt.

"Eine Frau auf dem Traktor ist noch immer die Ausnahme"

Der Mann war für Feld- und Forstarbeit zuständig, die Frau für das Kleinvieh, die Verarbeitung der Milch, den Garten und die Hausarbeit. Diese traditionelle Arbeitsteilung ist auch anno 2016 noch weit verbreitet. Bei Bauern, die ein Zusatzeinkommen benötigen, geht meist der Mann einem Beruf nach, die Bäuerin übernimmt einen größeren Teil der Hofarbeit und ist zugleich auch für den Haushalt und die Kinder zuständig.

„Aus ganz pragmatischen Gründen ist das eine sinnvolle Lösung, mit der die Beteiligten zufrieden sind“, weiß Höllinger.

Finanzielle Entscheidungen gemeinsam getroffen


Immerhin: Marketing und Buchhaltung sind – anders als früher – egalitär aufgeteilt, finanzielle Entscheidungen werden in der Regel ebenfalls gemeinsam getroffen. "Doch eine Frau auf dem Traktor ist noch immer eine Ausnahme", sagt der Experte. "Hausarbeit ist Aufgabe der Frau - egal, wo sie sonst noch mitarbeitet."

‚Bauer sucht Frau‘ sei daher kein erfundenes Sendeformat: "Es gibt nicht mehr viele Frauen, die bereit sind, sich auf das Abenteuer Landleben einzulassen, insbesondere wenn sie aus einem anderen Umfeld kommen“, so der Soziologe.

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