Auch unter Türkis-Grün: Bis zu 166.000 Kinder bleiben vom Familienbonus ausgeschlossen

Unter Türkis-Grün soll beim Familienbonus nachgebessert werden. Eine neue Studie zeigt, dass Kleinverdiener auch nach Ausweitung benachteiligt bleiben.

Familienbonus schließt bis zu 166.000 Kinder aus

An erster Stelle steht die Ausweitung des Familienbonus im Paket zur Armutsbekämpfung, das der Koalitionspakt der türkis-grünen verspricht. Die Grünen hatten auf eine Verbesserung des bestehenden Modells der Vorgängerregierung gedrängt. Eine aktuelle Studie vom Europäischen Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung zeigt nun, welche Einkommensgruppen vom überarbeiteten Familienbonus profitieren - und wer immer noch vergessen wird.

Höhere Boni, höhere Mehrbeträge - aber für wen?

Die neue Regierung plant, die Beiträge zu erhöhen: Ab 2022 soll der Familienbonus 1.750 Euro pro Kind betragen - 250 Euro mehr als zuletzt. Der Kindermehrbetrag soll von 250 Euro auf 350 Euro erhöht werden und nicht mehr nur für Allerinerzieher*innen und Alleinverdiener*innen gelten, sondern für alle Erwerbstätigen mit Kindern.

Diese Erweiterung nimmt mehr Rücksicht auf die unterste Einkommensschicht, wie die Studienautor*innen Tamara Premov und Michael Fuchs errechnet haben. Dennoch bleiben Kleinverdiener*innen im Vergleich zur Mittelschicht weiter benachteiligt.

Von der geplante Entlastung würden 5,3 Prozent der Haushalte im untersten Einkommenszehntel profitieren, im aktuellen Modell sind es nur 3,3 Prozent. Deutlich besser steigen aber Gruppen mit höherem Verdienst aus: Die drei mittleren Einkommenszehntel können mit Anteilen von zwölf bis 14 Prozent die größten Brocken der vorgesehen Zusatzentlastung erwarten.

In absoluten Zahlen heißt das: Im untersten Einkommenszehntel wird die türkis-grüne Entlastung ein Plus von durchschnittlich 40 Euro pro Haushalt und Jahr bringen. In den mittleren Schichten ist ein Einkommenszuwachs von bis zu 108 Euro zu erwarten. Die Rechnung bezieht allerdings alle Haushalte ein und nicht nur solche mit Kindern.

Am meisten profitiert das von unten gerechnet dritte Einkommenszehntel, das unterste Zehntel steigt am schlechtesten aus. "Der Familienbonus bleibt auf die Mittelschicht zugeschnitten", schlußfolgern die Studienautor*innen. Der Kindermehrbetrag bringe Kleinverdiener*innen zwar eine Verbesserung, unterm Strich sei das Modell aber "kein treffsicheres Instrument für die Armutsbekämpfung".

Familienbeihilfe bekämpft Armut besser

Es sei zu begrüßen, dass der Familienbonus viele arbeitende Menschen entlaste, sagt Phiipp Gerhartinger, Leiter der Steuerabteilung der Arbeiterkammer, die die Studie in Auftrag gegeben hat, gegenüber dem Standard. "Doch den Anspruch der Armutsbekämpfung löst das Modell nicht ein. Eine Erhöhung der Familienbehilfe hätte da mehr genützt."

Geht es nach der AK, dann sollte die Regierung den Bezieherkreis des Kindermehrbetrags nicht so einschränken, wie derzeit geplant: Ausgeschlossen sind nämlich jene, die in einem Jahr mindestens 330 Tage Arbeitslosengeld, Mindestsicherung oder eine Leistung der Grundversorgung beziehen. Wer arbeitet, aber wegen geringen Verdiensts auf das Niveau der Mindestsicherung "aufstockt", erhält also nichts.

Das betrifft letztlich zehntausende Kinder. Laut der Studie werden nach den Änderungen 73 Prozent aller Kinder in voller Höhe und weitere acht Prozent teilweise vom Familienbonus profitieren, zehn Prozent vom Kindermehrbetrag. Neun Prozent aber, und das sind 166.000 Kindern, bleiben beide Leistungen verwehrt; aktuell sind es noch 180.000 Kinder. Fällt die 330-Tage-Regelung, würde die Zahl der Ausgeschlossen auf 121.000 sinken.

 

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