"Auch Alleinerziehende sind Familien!"

Am Internationalen Tag der Familie, dem 15. Mai, weist die "Österreichische Plattform für Alleinerziehende" auf das schlechte Image von Alleinerziehenden hin.

Das Bild von Alleinerziehenden hat einen großen Einfluss auf deren Lebensqualität. Wenn von Alleinerziehenden die Rede ist, wird oft von "kaputten" oder "keinen richtigen" Familien gesprochen. Im Gegensatz zu Paarfamilien, die "funktionieren". Das hat meist negative Folgen für die Rahmenbedingungen, unter denen Alleinerziehende leben müssen.

Auf diese Ungerechtigkeit weist die Österreichische Plattform für Alleinerziehende (ÖPA) derzeit in der Kampagne "Wir sind der Maßstab" hin. Im Vorfeld der Kampagne wurden 30 AlleinerzieherInnen in Fokusgruppen über Selbst- und Fremdbilder interviewt. Die Botschaft der Kampagne: politische Entscheidungen und gesellschaftliche Rahmenbedingungen haben auf Alleinerziehende besonders gravierende Auswirkungen. Deswegen werden auch soziale Missstände dort besonders stark sichtbar.

"Auch Alleinerziehende sind Familien"

"Am Jugendamt wurde mir gesagt, als ich um Unterhalt für mein Kind gekämpft habe, dass ich eh noch jung und hübsch bin. Da finde ich doch einen netten Mann, dann ist das Problem gelöst. Dann hab ich keine Geldsorgen mehr und auch eine richtige Familie, so war das wohl gemeint", wird eine alleinerziehende Mutter aus Wien darin zitiert. Anika Karall, Obfrau des Vereins "Alleinerziehend" sagt: "Alleinerzieherinnen wird unterstellt, dass sie keine guten Partnerinnen oder Ehefrauen waren, dass sie egoistisch und beziehungsunfähig sind. Dabei vergisst jeder, dass Alleinerzieherinnen viel Kraft und Zeit investiert haben, um die Familie zusammenzuhalten. Es wird Zeit, dass Alleinerziehende auch als Familien anerkannt werden." Sie fordert von der Politik, dass das auch endlich eingesehen wird: "Die Politik vergisst auf uns - siehe Familienbonus." Ein 12-Stunden-Tag sei außerdem nicht besonders förderlich. Stattdessen braucht es etwa einen Ausbau der Kinderbetreuung. "Wir möchten keinen Orden, wir wollen einfach nur faire Rahmenbedingungen", so Karall.

Jana Zuckerhut, Projektmanagerin der ÖPA, stellt fest: "Gute Bedingungen für Alleinerziehende sind gute Bedingungen für alle Familien." Wer im ganzen Diskurs besonders oft vergessen wird, sind jedoch die Alleinerzieherinnen selbst. Denn in ihrem Leben dreht sich alles um Alltagsbewältigung. Das Recht auf "Zeit für mich selbst" ist eines, das den interviewten Fokusgruppen ein wichtiges Anliegen war. "Als mich jemand gefragt hat, was meine Hobbies sind, wusste ich gar keine Antwort mehr", wird eine Mutter aus Oberwart zitiert.

Benachteiligungen im Joballtag

Damit zusammenhängend werden auch die Talente und Fähigkeiten von Alleinerziehenden zu wenig wahrgenommen. Das führt zu Nachteilen im Berufsleben - viele Jobs bekommen sie gar nicht, weil die ArbeitgeberInnen von ihren Betreuungspflichten abgeschreckt sind. Dabei hätten sie allein aufgrund ihrer Lebenssituation Kompetenzen wie Managementfähigkeiten, Lösungskompetenz und Multitasking intus. Es brauche daher ein familienfreundliches und sicheres Arbeitsklima für Alleinerziehende, so Jana Zuckerhut. Denn sie werden an vielen Punkten nicht mitgedacht, z.B. der Pflegefreistellung, die für sie gleich viele Tage beinhaltet wie für Elternteile in Beziehung.

Zuckerhut sagt auch: "Ein ganz grundlegendes Thema ist die Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann, die es noch nicht gibt und für die es auch bei Trennungsfamilien keinen Rahmen gibt. Folgen davon sind eine ungleiche Aufteilung von Rechten und Pflichten dem Kind gegenüber und die Gefahr der Armut, sowie eine Opferrolle, in der sich gerade alleinerziehende Mütter deswegen unfreiwillig befinden."

Schlussendlich sei aber vor allem die finanzielle Sicherheit ein Riesenthema bei Alleinerziehenden. "40 Prozent der Alleinerziehenden leben an oder unter der Armutsgrenze", so Zuckerhut. Kinder und Alleinerziehende müsse auf vieles verzichten, weil schon einfache zusätzliche Kosten wie ein Paar Schuhe problematisch werden können. Eine alleinerziehende Mutter in Wien kritisiert: "Nicht nur ich verzichte auf viel, sondern auch mein Kind. Ich finde es so ungerecht, dass ich mein Kind weniger fördern kann als andere Eltern, nur weil ich Alleinerzieherin bin."

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