Au-Pairs nach Tirol gelockt und ausgebeutet

Ein Paar soll laut Berichten der Kronen Zeitung mehrere Au-Pair-Mädchen, unter dem Vorwand auf den acht Monate alten Sohn der Frau aufzupassen, nach Tirol gelockt haben. Die jungen Frauen mussten in Wahrheit in der Putzfirma der Frau arbeiten - bis zu 105 Wochenstunden und ohne entsprechende Entlohnung. In zwei Fällen soll es zusätzlich zu sexuellen Übergriffen gekommen sein. Das Landeskriminalamt ermittelt wegen Verdachts auf Menschenhandel.

Im Frühjahr 2019 soll eine in Österreich lebende Italienerin eine 22-jährige Frau als Au-Pair aus Togo nach Tirol geholt haben. Entgegen jeder Vereinbarung wurde die junge Frau für ihre Arbeit weder entlohnt, noch in einer angemessenen Unterkunft untergebracht. Nach Hinweisen der Finanzpolizei begann das Landeskriminalamt zu ermitteln und stellte fest: Die junge Frau war nicht das einzige Opfer der Italienerin und ihres Partners, einem 26-jährigen Syrer.

Acht Frauen ausgebeutet

Acht junge Frauen soll das Paar nach Tirol gelockt haben, um sie "in großem Umfang in ihrer Arbeitskraft auszubeuten". Die Betroffenen sind zwischen 18 und 27 Jahre alt und stammen allesamt aus den Drittstaaten Togo, Marokko, Madagaskar und Georgien. "Die Frauen wurden alle mit dem Versprechen nach Tirol gelockt, bei maximal 20 Stunden Wochenarbeitszeit, freien Tagen, einer adäquaten Unterkunft und einem angemessenen Taschengeld auf den acht Monate alten Sohn der Italienerin aufzupassen", sagt die Polizei gegenüber derKronen Zeitung. Außerdem sollten sie noch kostenlos einen Deutschkurs besuchen können.

Die Realität sah anders aus: Laut Polizei mussten die jungen Frauen nicht nur im Haushalt der Frau arbeiten, sondern auch in ihrer Putzfirma. In Einzelfällen kamen so bis zu 105 Wochenstunden zusammen - aber ohne entsprechende Entlohnung. "Auch die Unterbringung der Frauen entsprach keinesfalls dem versprochenen Standard. Die Mädchen wurden gezwungen, auf Matratzen am Boden gemeinsam mit anderen Personen zu schlafen", so die Polizei. In zwei Fällen soll es überdies zu sexuellen Übergriffen durch eine dritte Person gekommen sein, die dies aber in Abrede stelle.

Die Beschuldigten wurden am 22. Januar festgenommen, zwei Hausdurchsuchungen wurden durchgeführt. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft wurde das Paar einen Tag später wieder freigelassen. "Nach einem entsprechenden Bericht des Landeskriminalamts an die Justizbehörden hat die Staatsanwaltschaft Innsbruck gegen die Italienerin unter anderem wegen des Verdachts des Menschenhandels ein Ermittlungsverfahren eröffnet", heißt es vonseiten der Behörden.

 

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