Asche zu Asche

miss Chefredakteurin Julia Wagner schreibt passend zu den triesten Novembertagen in Ihrer WIENERIN-Kolumne "L(i)eben" diesmal über das (Ab-)Leben.

Also ich bin bestimmt nicht trübsinnig. Trotzdem mache ich mir schon seit Teenagertagen Gedanken, wie ich einmal beerdigt werden will. Damals wollte ich einen Grabstein haben, auf dem „Jetzt habt ihr mich zum letzten Mal reingelegt!" oder ein Zitat aus einem Prince-Song - „Life is just a party and parties weren't meant to last" - stehen sollte. „Ich bin dann mal weg ..." hat mir auch immer gut gefallen.

Später fand ich dann, dass Einäschern hygienischer und effizienter sei. Bis ich den Film The Big Lebowski gesehen habe. Sie wissen schon, da wo am Schluss John Goodman und Jeff Bridges die Überreste von Steve Buscemi von einer Klippe ins Meer streuen wollen, der Wind aber dreht und ihnen die ganze Asche ins Gesicht weht. Also ich möchte definitiv nicht zu guter Letzt auf irgendeiner Visage kleben und abgewaschen werden ...

Julia Wagner

Mittlerweile kann man seine sterblichen Überreste ja auch ins All schießen lassen. Die Vorstellung, noch vor Sir Richard Branson dort gewesen zu sein, gefällt mir. Ich fürchte nur, das geht sich finanziell nicht aus. Vielleicht lasse ich meine Asche ja zu einem Diamanten oder auf Vinyl pressen. Das Motto der englischen Firma, die Letzteres anbietet: „Live on from beyond the groove." Ich finde die Vorstellung wunderbar, dass meine Enkel zu mir abrocken.Oder sich mein junger Liebhaber per Testament verpflichten muss, einen hässlichen Ring zu tragen. Und dann muss er jeder Neuen erklären: „Nein, der Brilli ist kein Erbstück. Das ist meine Ex."

Alles besser, als auf dem Wiener Zentralfriedhof zu landen und von Würmern angenagt zu werden. Allerdings ist nicht ganz auszuschließen, dass mir das dann herzlich egal sein wird.

Passt zum tristen Novemberwetter:
die deutsch-österreichische Doku Rest in Peace, die sich um die Frage dreht: Was passiert mit uns bzw. unserem „Rest“, wenn wir tot sind? Acht Episoden führen rund um den Globus und bieten makabre bis unfreiwillig-komische Einblicke in den Alltag jener Menschen, die mit Leichen zu tun haben.
Seit 12. November im Kino.

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