ÄrztInnen warnen vor dem rasanten Masern-Anstieg

Die Zahl der Masernfälle hat sich 2017 im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdreifacht.

Die Zahl der Masernfälle explodiert in Europa - das teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kürzlich mit. Gab es im Jahr 2016 noch 5.273 Fälle – waren es im ersten Halbjahr 2018 bereits 41.000. Die Ursache ist die steigende Impfskepsis. Und das obwohl Masern eine der ansteckendsten Erkrankungen überhaupt sind:  Wer mit einem Infizierten in Kontakt kommt und nicht geimpft ist, steckt sich zu 99 % damit an. Die Krankheit kann an bis zu 18 Menschen weitergegeben werden .

Das alarmiert nun auch die Österreichische Ärztekammer, die in einer Aussendung am Donnerstag vor dem Masern-Anstieg warnt. Dass sich die Zahl der Masernfälle 2017 im Vergleich zum Jahr davor mehr als verdreifacht habe und Österreich damit dem WHO-Ziel der Masernelimination nicht nur nicht näher gekommen sei, sondern sogar zurückgeworfen worden sei, sei ein Alarmzeichen, sagte der ÖÄK-Präsident Thomas Szekeres.

Dass eine Masernerkrankung die Abwehrkräfte stärke, sei ein „gefährliches Märchen“, so der Impfreferent der Österreichischen Ärztekammer, Hans Jürgen Dornbusch von der Medizinuniversität Graz. Vielmehr sei zweifelsfrei belegt, dass Masern häufig schwer und manchmal sogar tödlich verlaufen und dass Erkrankte noch bis zu zwei Jahre lang unter einem deutlich geschwächten Immunsystem litten.

Zum Thema Impfskepsis hielt der Leiter des ÖÄK-Impfreferats, Kinderarzt Rudolf Schmitzberger, fest: „Die Anzahl an überzeugten Impfgegnern ist überschaubar. Die größte Herausforderung stellt die große Gruppe jener Eltern dar, die eigentlich das Beste für ihr Kind wollen, aber durch Falschinformationen vor allem in den sozialen Medien zu ,Impfzweiflern‘ werden.“

Baby, das geimpft wird

Mehr Aufklärung und keine Impfpflicht

In einer generellen Impfpflicht sieht die Ärztekammer jedoch keine Lösung des Problems. Die Idee der Volksanwaltschaft, Impfungen an die Auszahlung von Sozialleistungen im Rahmen des Mutter-Kind-Passes zu knüpfen, sei jedoch sinnvoll. Die größten Impflücken gibt es jedoch in der Gruppe der jungen Erwachsenen und Kindern - vor allem bei den Jahrgängen 2008 bis 2010 und bei Erwachsenen, die in den 1990er Jahren geboren wurden. Hier brauche es mehr Aufklärung. Misstrauen gegenüber offiziellen Impfempfehlungen sei absolut unangebracht, betonten die ExpertInnen der Österreichischen Ärztekammer. 

Die Gefahr von Masern wird oft unterschätzt: Durch Masernerreger kann sich das Gehirn entzünden, das verläuft in 20 % der Fälle tödlich, 30 % leiden danach unter Behinderungen. Bei einer von 1.000 Masernerkrankungen kommt es zu der gefürchteten postinfektiösen Enzephalitis, einer akuten Entzündung des Gehirns mit Schädigung von Nervenzellen. Es kann aber auch zu einer chronischen Gehirnentzündung kommen (SSPE). 

Mehr als die Hälfte der Masern-Erkrankungen in Europa seien in diesem Jahr in der Ukraine aufgetreten (23.000), weil dort aufgrund der militärischen Konflikte Impf- und Überwachungsroutinen unterbrochen wurden. Aber auch in Frankreich, Georgien, Griechenland, Italien, Russland und Serbien habe es mehr als 1.000 Ansteckungen gegeben, erklärt die WHO in ihrem Bericht. "Nach der niedrigsten Zahl der Fälle im Jahr 2016 erleben wir einen dramatischen Anstieg von Infektionen und ausgedehnten Ausbrüchen", sagte WHO-Europadirektorin Zsuzsanna Jakab. Sie forderte die 53 Mitgliedsstaaten der WHO-Region zu umfassenden Maßnahmen auf, um die Ausbreitung der Krankheit zu stoppen. "Gute Gesundheit für alle beginnt mit der Impfung." 

In Österreich wurden im ersten Halbjahr 2018 laut WHO 62 Masern-Fälle gemeldet. Im ganzen Jahr 2017 hatte es hier 95 Ansteckungen gegeben.

So funktioniert die Impfung in Österreich

In Österreich sind Impfungen gegen Masern/Mumps/Röteln Bestandteil des Impfplans. Es ist jederzeit – auch im Erwachsenenalter – möglich, diese Impfung nachzuholen. Ausführliche Informationen zum Impfschema für Kinder und Erwachsene findet ihr unter Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR)

Der wirksame und gut verträgliche Impfstoff ist für alle Personen ab dem vollendeten 9. Lebensmonat an öffentlichen Impfstellen kostenfrei erhältlich. Beratungs- und Impfstellen in Ihrer Nähe findet ihr unter Beratungs- und Impfstellen der Bundesländer.

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