Armut macht Kinder krank

Familienarmut ist ein Risiko für die Gesundheit. Laut einer Studie des deutschen Bundeslandes Baden-Württemberg haben Kinder und Jugendliche aus armutsgefährdeten Familien ein höheres gesundheitliches Risiko

Armutsgefährdete Kinder haben geringere Chancen auf ein gesundes Leben. Die knapp 20 Prozent der armutsgefährdeten Kinder und Jugendlichen des deutschen Bundeslandes Baden-Württemberg haben ein deutlich höheres Gesundheitsrisiko als jene, die aus Familien mit höherem sozialen Status kommen. Der neue Gesellschaftsreport zu Familienarmut zeigt: Sie sind eher übergewichtig, haben eher schlechtere Zähne und öfter nicht ausreichend entwickelte, grobmotorische Fähigkeiten.

Wie soziale Ungleichheit und Gesundheit von Kindern zusammenhängen

Wie ein Kind ernährt wird und wieviel es sich bewegt, lässt sich gut aus dem Körpergewicht ableiten. Übergewicht und Adipositas kommen bei vier-bis fünfjährigen Kindern aus Familien mit niedrigem Sozialstatus wesentlich häufiger vor als bei Gleichaltrigen aus Familien mit hohem Sozialstatus. 11,9% der armutsgefährdeten Kinder sind übergewichtig, 5,6 Prozent adipös. Mädchen sind hier noch stärker gefährdet als Buben. Bei Kindern aus Familien mit höherem sozialen Status sind es nur 4,9 Prozent bzw. 1,1 Prozent. Im Kindesalter sind Übergewicht und Adipositas besonders problematisch. Wer bereits als Kind übergewichtig ist, ist das öfter auch im Erwachsenenalter. Risiken sind Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und Schädigungen des Bewegungsapparates.

Armutsgefährdete Kinder zeigen außerdem seltener eine altersentsprechende Grobmotorik. Und auch die Zahngesundheit ist bei Kinder, die ein Gymnasium besuchen, deutlich besser als bei Kinder in Hauptschulen. Begünstigt werden diese Unterschiede auch dadurch, dass Kinder aus Elternhäusern mit niedrigerem Einkommen seltener an Früherkennungsuntersuchungen teilnehmen, obwohl die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden. Und auch Diskriminierung aufgrund der Herkunft spielt eine Rolle: Kinder mit Migrationshintergrund haben generell schlechtere Gesundheitschancen als Kinder ohne Migrationshintergrund. Dieser Unterschied lässt sich nur teilweise über den Sozialstatus erklären.

Eltern brauchen leichtern Zugang zu Informationen

Ganz allgemein gilt: Der Gesundheitszustand armutsgefährdeter Kinder hängt davon ab, wie die Eltern mit der schwierigen finanziellen Situation umgehen. Erkennen die Eltern die Risikosituation, werden sie oft aktiv und kümmern sich darum, die Gesundheit ihrer Kinder zu verbessern. Wenn die Eltern die Situation nicht einschätzen können oder nicht wissen, wie sie ihren Kindern helfen sollen, wird es problematisch. Das zeigt sich häufiger bei Familien mit niedrigem Bildungs- und Erwerbsstatus. Der Bildungsgrad der Mutter beeinflusst die Gesundheit der Kinder außerdem mehr als der des Vaters. Bildungsschwächere Familien werden außerdem seltener von Präventionsangeboten erreicht.

 

Baden-Württemberg möchte nun die Angebote zur kindbezogenen Armutsprävention weiter ausbauen: "Alle Kinder, unabhängig vom Sozialstatus der Eltern, müssen für eine gute Entwicklung denselben Zugang zu gesundheitsfördernden Maßnahmen erhalten", sagt Manne Lucha, der Sozial- und Integrationsminister des Bundeslandes. „Präventive Maßnahmen sind dann besonders effektiv, wenn sie von einem engmaschigen Netz bestehend aus Fachkräften des Gesundheits- und Bildungswesens, Lehr- und Betreuungskräften, Familienbildungszentren und von Verantwortlichen aus der Kommune und den Quartieren getragen oder initiiert werden“, so der Minister.

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