Arkansas führt umstrittenes Abtreibungsgesetz ein

Einem im US-Bundesstaat Arkansas neu erlassenen Gesetz zufolge sind 95 Prozent der im zweiten Trimester durchgeführten Abtreibungen illegal, auch nach Vergewaltigung oder Inzest. Darüber hinaus erlaubt es Familienmitgliedern, den Eingriff zu verhindern.

Das Ende Jänner in Kraft getretene Gesetz verbietet die gebräuchlichste und für Frauen sicherste Abtreibungsmethode, die Dilatation und Evakuation, nach der 14. Schwangerschaftswoche.

Dilitation und Evakuation sei "barbarisch"

Die Regierung von Arkansas begründet die Verkürzung des Zeitraums, in dem der Abbruch legal ist, von 20 auf 14 Wochen mit der „Brutalität der Methode“. Bei der Dilatation und Evakuation wird der Fötus mittels chirurgischer Instrumente aus der Gebärmutter entfernt. D&E wird als späte Abtreibungsmethode von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlen und ist die in diesen Fällen weltweit gebräuchlichste Form. Sie wird auch nach Fehlgeburten angewandt, um fetales Gewebe aus dem Mutterleib zu entfernen. Das neue Gesetz bezieht sich jedoch nur auf die Anwendung im Rahmen einer Abtreibung.

Senator David Sanders gab an, mit dem Gesetz nicht die Abtreibung illegal machen zu wollen, es ziele vielmehr auf eine bestimmte Art der Prozedur ab. Arkansasnews.com zufolge gab er an, verstörendes Bild- und Videomaterial von D&E gesehen zu haben: „Man sieht ein Baby, ungeborenes Leben, einen Fötus, der kämpft und vor den Zangen zu fliehen versucht, die in den Mutterleib kommen, um einen Arm, ein Bein zu entfernen.“

Ein weiterer Unterstützer der Gesetzesänderung, Andy Mayberry, nannte Dilitation und Evakuation eine „grausame, barbarische Prozedur“, die „keine zivilisierte Gesellschaft in Betracht ziehen sollte“.

"Gesetz greift Autonomie von Frauen an"

Laura McQuade, Präsidentin von Planned Parenthood in Great Plains, unterstützt die D&E-Methode und argumentiert dabei aus medizinischer Sicht. Am neuen Gesetz stößt sie sich darüber hinaus am meisten an der Möglichkeit, dass der Ehemann oder bei minderjährigen Patientinnen Familienmitglieder ersten Grades die Möglichkeit haben, den behandelnden Arzt auf Unterlassung zu klagen und so die Abtreibung zu stoppen. „Das greift die Autonomie und die Entscheidungsmöglichkeiten von Frauen an … Das Gesetz ist ein einziger Übergriff in die Arzt-Patientin-Beziehung“, erklärt McQuade gegenüber thedailybeast.com. Darüber hinaus sehe das Gesetz keine Änderungen in Vergewaltigungs- oder Inzestfällen vor – der Täter könne sein Opfer also zwingen, sein Kind auszutragen.

Eine Alternative zur Dilitation und Evakuation ist eine medikamentös eingeleitete Geburt, aber diese wenig praktizierte Methode ist zeitintensiver, erfordert einen Krankenhausaufenthalt und birgt ein größeres Risiko von Komplikationen.

1. Medizinisch indizierte Abbrüche, etwa schwere gesundheitliche Probleme oder Auffälligkeiten beim Fötus, Gefährdung der Frau

2. Traumata durch Vergewaltigung oder Inzest lassen eine frühere Entscheidung der Frau nicht zu

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