Arbeitsplatz: 4 von 10 Frauen erleben sexistische und abfällige Äußerungen

Immer mehr Frauen beschweren sich über Sexismus und Belästigung am Arbeitsplatz. Das ergab eine neue Studie im Auftrag der Arbeiterkammer.

Belästigung am Arbeitsplatz ist in Österreich immer noch ein großes Problem. Das zeigen Ergebnisse des Arbeitsklima-Index der Oberösterreichischen Arbeiterkammer, die gestern vorgestellt wurde. Im Vergleich zu den letzten Jahren berichten immer mehr Frauen von belästigendem oder sexistischem Verhalten in der Arbeit, so Eva Zeglovits vom IFES-Institut für empirische Sozialforschung. In Summe gaben 38 Prozent an, bereits mit abfälligen Bemerkungen konfrontiert gewesen zu sein. Im Vergleich zum Jahr 2016 ist das ein Anstieg, damals waren es noch 34 Prozent.

Ein Zustand, den auch AK-OÖ-Präsident Johann Kalliauer kritisiert. Er fordert deswegen schnelle Maßnahmen, um diesen Entwicklungen gegenzuwirken, etwa durch höhere Strafen, eine Beweislastumkehr und verstärkten Kündigungsschutz für betroffene Frauen. Außerdem müssten Arbeitgeber in diesen Fällen ihre Fürsorgepflicht besser wahrnehmen.

Die Ergebnisse im Überblick

  • Jede 3. Befragte hat bereits Erfahrungen mit "Anstarren", "Mustern" und Ähnlichem gemacht (plus 6 Prozentpunkte)
  • 12 % berichteten von körperlichen Übergriffen und sexueller Belästigung - das ist um ein Drittel mehr als 2016 (9 %)
  • 5 % haben bereits sexistischen Nachrichten in Form von Mails oder SMS bekommen
  • 4 % waren am Arbeitsplatz mit Nacktbildern konfrontiert (z.B. in Form von einschlägigen Kalendern)
  • 28 % der befragten Frauen fühlen sich im Beruf benachteiligt, etwa bei Beförderungen und Karrieresprüngen sowie bei Bewerbungen

Anstiege der Zahlen würden sich laut Zeglovits auch durch das erhöhte Bewusstsein für Übergriffe und Belästigung erklären lassen. Grund dafür könnte ein verstärkter gesellschaftlicher Diskurs, ausgelöst durch die #MeToo-Debatte, sein. 

#metoo am Arbeitsplatz

Belästigung: Frauen suchen Beratung bei AK

Dass offenbar mehr Frauen über solche Fälle sprechen und sich trauen, etwas zu sagen, sei eine positive Entwicklung, so Kalliauer. Allein bei der AK würde es pro Jahr 800-1.000 Beratungsgespräche geben, die auf diese Thematik verweisen würden. Dies zeige nicht zuletzt, dass es sich hier um ein weit verbreitetes Problem handelt.

Beschwerden und Beratungen sind auch über die Gleichbehandlungsanwaltschaft möglich. Erst kürzlich veröffentlichte sie diese Zahlen, die einen deutlichen Anstieg an Beschwerden über Belästigung am Arbeitsplatz im Vergleich zum Vorjahr attestierten (im ersten Halbjahr 2018: 172). Als Grund wurden ebenfalls Veränderungen im Zuge der #MeToo-Bewegung genannt.  

Was ist der Arbeitsklima Index?

Der Arbeiterkammer lässt seit 1997 vierteljährlich Umfragen unter österreichischen ArbeitnehmerInnen zum Arbeitsklima erstellen. Diesmal wurden 400 Personen befragt. Mehr dazu hier.

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