Arbeitslose Alleinerzieherinnen haben nichts vom neuen Familienbonus

Der von ÖVP und FPÖ geplante Familienbonus kommt nicht allen zugute. Vor allem BesserverdienerInnen profitieren. Arbeiterkammer Wien-Expertin Vanessa Mühlböck erklärt, was Familien jetzt wissen müssen.

Der Gesetzesentwurf zum neuen "Familienbonus", der von ÖVP und FPÖ geplant ist, sieht einige Besserungen für Familien vor - jedoch nicht für alle. Vanessa Mühlböck, Referentin für Steuerpolitik in der Abteilung Steuerrecht der Arbeiterkammer Wien, erklärt, wer trotzdem durch die Finger schaut und worauf Eltern jetzt achten sollten.

Wer hat Anspruch auf den Familienbonus?

Anspruch auf den neuen Familienbonus haben Eltern, die Lohnsteuer zahlen und mehr als 1.260 Euro brutto monatlich verdienen. Die volle Wirkung des Steuerbonus gibt es bei einem Kind erst ab 1.850 €. Wenn man keine Lohnsteuer zahlt, da der Verdienst zu gering ist, so erhält man keinen Familienbonus. Einen Extra-Bonus gibt es für alleinerziehende oder alleinverdienende GeringverdienerInnen: 250 Euro pro Kind/Jahr.

Wie viel bekommt man?

Der "Familienbonus Plus" soll ab 2019 eine Steuergutschrift von 1.500 Euro pro Kind und Jahr bringen bzw. 500 Euro ab dem 18. Geburtstag. Die Gutschrift wird direkt von der Lohnsteuer abgezogen - wer weniger Lohnsteuer bezahlt, erhält vom Familienbonus weniger bis gar nichts.

Die Bezieher können bei ihrem Arbeitgeber/ihrer Arbeitgeberin beantragen, den Steuerbonus schon ab Jänner von der laufenden Lohnsteuer abzuziehen. Wer das nicht will oder kann, muss ihn beim Lohnsteuerausgleich im darauffolgenden Jahr geltend machen.

Wer profitiert, wer verliert?

Laut Gesetzesentwurf zum neuen Familienbonus soll der 250 Euro Mindestbetrag nicht bei ganzjähriger Arbeitslosigkeit, Notstandshilfe oder Mindestsicherung einer/s Alleinerziehenden oder Alleinverdienenden ausgezahlt werden. "Gewisse Personengruppen profitieren also nicht", sagt auch die Expertin. Darunter vor allem NiedrigverdienerInnen. "Sie verlieren nichts, aber bekommen auch nichts." Voll ausgeschöpft werden kann der Steuerbonus laut den Regierungsunterlagen von AlleinverdienerInnen mit einem Kind ab 1.850 Euro brutto monatlich, mit zwei Kindern ab 2.300 und mit drei Kindern ab etwa 2.700 Euro. Die Eltern können den Bonus auch aufteilen.

Der Vater verdient monatlich 4.200 € brutto und die Mutter erhält 700 €. Sie haben 2 Kinder. Es fallen keine Kinderbetreuungskosten an.

Die Mutter zahlt keine Lohnsteuer und erhält im Zug der Arbeitnehmerveranlagung eine Negativsteuer von 400 €. Der Vater kann die Kinderfreibeträge von 440 € pro Kind geltend machen. Seine Lohnsteuer beträgt jährlich 9.762 €. Der Haushalt zahlt daher insgesamt eine Steuer von 4.592 €

Mit dem Familienbonus ändert sich die Negativsteuer der Mutter nicht. Sie bleibt bei 400 €. Allerdings reduziert sich die Steuer für den Vater auf 7.132 €. Der Haushalt hat nun eine Steuerlast von 6.732 € und somit eine Ersparnis von 2.630 €.

Ersparnis pro Kind: 1.315 €

"Durch den Kindermehrbetrag sollen nur jene Eltern mit Kindern entlastet werden, die berufstätig sind", heißt es dazu in den Erläuterungen zum Gesetzesentwurf. Für Alleinverdiener und Alleinerzieher mit geringem Einkommen ist ein geringerer Zuschuss von 250 Euro jährlich vorgesehen. Er wird mit dem (negativsteuerfähigen) Alleinverdiener-Absetzbetrag ausgezahlt. Doch ein Rechenbeispiel veranschaulicht, dass Alleinerziehende auch mit Null aussteigen können:

Eine alleinerziehende Mutter mit 2 Kinder verdient monatlich 1.300 € brutto. Sie erhält für ihre Kinder Alimente und hat Kinderbetreuungskosten von insgesamt 1.600 €. Daher hat sie nach der neuen Regelung Anspruch auf einen Familienbonus von 90 %, d.h. 1.350 €

Nach der derzeitigen Regelung beträgt unter Berücksichtigung der Kinderfreibeträge und der absetzbaren Kinderbetreuungskosten ihr Negativsteuer 1.069 €.

Die Neuregelung hat bei ihr keine Auswirkung, da ihre Steuer vor Absetzbeträgen 512 € beträgt und der Kindermehrbetrag im Zusammenhang mit dem Alleinerzieherabsetzbetrag nicht greift. Es bleibt daher bei der Negativsteuer von 1.069 €. Sie bekommt zwar die 512 € als Familienbonus, aber die Absetzbarkeit der Kinderbetreuungskosten hat für sie die gleiche steuerliche Wirkung.

Ersparnis pro Kind: 0 €

Eine alleinerziehende Mutter mit einem Kind, die Kinderbetreuungskosten von 2.300 € im Jahr hat, verdient 3.200€ brutto monatlich.

Bisher beträgt Ihre Lohnsteuer unter Berücksichtigung des Kinderfreibetrags von 300€ und der Kinderbetreuungskosten 4.584 € im Jahr.

Wenn Sie mehr als 50 % der Kinderbetreuungskosten selbst trägt, dann hat sie Anspruch auf einen Familienbonus von 1.350 €. Mit dem Familienbonus wäre Ihre Lohnsteuer 4.161 €. Ihre Ersparnis beträgt daher nur 423 € im Jahr.

Ersparnis pro Kind: 423 €

Wie wird der Betrag zwischen den Eltern aufgeteilt?

Ein Elternteil kann die gesamte Steuergutschrift erhalten oder aber er wird 50:50 auf beide aufgeteilt. Allerdings kann die Aufteilung bei mehreren Kindern für jedes Kind extra festgelegt werden (also z.B. für das erste Kind 1.500 Euro für den Vater, aber für das zweite Kind je 750 Euro für Vater und Mutter).

Was passiert bei getrennt lebenden Eltern?

Für getrennt lebende Eltern, ist grundsätzlich (und zwingend) eine Halbe-Halbe-Aufteilung vorgesehen, so lange der gesetzlich vorgesehene Unterhalt bezahlt wird. Hier gibt es allerdings eine Ausnahme: Jener Elternteil, der den Großteil der Kinderbetreuungskosten bezahlt, soll Anspruch auf 90 Prozent des Familienbonus für die Kinder haben. Dies deshalb, weil zur Gegenfinanzierung des Familienbonus die bisherige steuerliche Absetzbarkeit der Kinderbetreuungskosten ab 2019 gestrichen wird.

Das Haushaltseinkommen beträgt 3.700 €, wovon der Mann 2.400 € verdient und die Frau 1.300 €. Das Paar hat 2 Kinder. Derzeit haben die beiden Anspruch auf den Kinderfreibetrag von je 300 € pro Kind. Es fallen Kinderbetreuungskosten von 2.300 € pro Kind an.

Wenn bei dieser Familie die maximalen Kinderbetreuungskosten von 2.300 € pro Kind abgesetzt werden, beträgt seine Steuer derzeit nur 1.416 €. Die Mutter erhält eine Negativsteuer von 38 €. Die Steuer für den Haushalt beträgt daher insgesamt 1.378 €.

Mit dem Familienbonus fällt der Kinderfreibetrag weg. Daher erhält sie keine Negativsteuer mehr, sondern zahlt nun 112 € Lohnsteuer im Jahr. Er macht den Familienbonus geltend, der sich auch zur Gänze auswirkt. Seine Lohnsteuer beträgt nunmehr 236 €. Insgesamt beträgt die Steuerlast im Haushalt mit dem Familienbonus 348 €. Diese Familie hat eine Ersparnis von 1.030 €.

Ersparnis pro Kind: 515 €

Fazit: "Gerade diese Personengruppen brauchen Entlastung"

Das Fazit der Expertin: "Die Wirkung des Familienbonus ist umso höher, je geringer die Kinderbetreuungskosten sind. Außerdem kann er nur die volle Wirkung entfalten, wenn ein entsprechend hohes Einkommen erzielt wird." Personen mit niedrigerem Einkommen, sei es bei Alleinerziehenden oder auch Paaren, wo zwangsläufig eine Kinderbetreuung stattfinden muss, haben daher gar keinen Vorteil aus der neuen Regelung. "Gerade diese Personengruppen würden aber eine Entlastung benötigen", ist Vanessa Mühlböck überzeugt. "Es wäre daher aus unserer Sicht dringend notwendig, ein entsprechendes Kinderbetreuungsangebot zur Verfügung zu stellen und die finanziellen Mittel in die Finanzierung von Kinderbetreuungsplätzen zu investieren."

Der Vater verdient 1.500 € brutto und die Mutter 1.000 €. Sie haben 3 Kinder, wobei für 2 noch Kinderbetreuungskosten von gesamt 1.500 € anfallen.

Die Mutter zahlt keine Lohnsteuer. Sie erhält bei der ANV eine Negativsteuer von 400 €. Der Vater kann für die 3 Kinder den Kinderfreibetrag und die Kinderbetreuungskosten geltend machen. Derzeit würde er damit eine Negativsteuer von 128 € erhalten.

Seine Lohnsteuer vor Absetzbeträgen beträgt 977€. Obwohl er für 3 Kinder Anspruch auf den Familienbonus hätte, d.h. gesamt 4.500 €, wirken sich nur 977 € bei ihm aus. Damit erhält er letztlich eine Negativsteuer von 400 € und somit nur um 272 € im Jahr mehr als mit der alten Regelung.

Ersparnis pro Kind: 91 €

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