Anuschka Rees: 6 Arten von Bodyshamern (und wie man am besten mit ihnen umgeht)

Meist sind es keine gesichtslosen Fremden, sondern Menschen in unserem engsten Umfeld, die unsere Körper mit abfälligen Kommentaren beurteilen. Autorin Anuschka Rees hat in ihrem Buch "Beyond Beautiful" eine Typologie der Bodyshamer erstellt - und gibt gleich noch Ratschläge, wie man ihnen am besten den Wind aus den diskriminierenden Segeln nimmt.

+++ Der folgende Text ist ein Auszug aus Anuschka Rees' Buch "Beyond Beautiful: Wie wir trotz Schönheitswahn zufrieden und selbstbewusst leben können" +++

Wie man am besten auf Bodyshaming reagiert

Natürlich sind es nicht nur unsere Kindheitserfahrungen, die unser Body Image prägen. Für die meisten Menschen ist auch ihr Erwachsenenleben voller Herausforderungen in Sachen Körperbild – unsensiblen Ex-Freunden, "witzigen" Freundinnen und auch völlig fremden Menschen sei Dank.

Hier kommen eine kleine Typologie der Body Shamer und Tipps, wie du mit ihnen umgehen kannst.

Die „fürsorglichen“ Verwandten

Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel, die wollen, dass du den gängigen Schönheitsidealen folgst, um ja aus deinem Leben das Beste zu machen.

Sie sagen:
"All das Training – du wirkst schon ganz männlich!"
"Dieses Vegan-Ding bekommt dir nicht, du verlierst ja alle deine Kurven!"
"Probier es doch mal mit Spinning, ich habe gehört, das ist super zum Abnehmen!"
Retourkutsche:
Antworte mit klarer, fester Stimme: "Danke für deinen Hinweis, aber ich mag meinen Körper, wie er ist."

Die "superwitzigen" FreundInnen

Deine besten FreundInnen, für die gemeine Bemerkungen zu einer Art Liebesbeweis geworden sind.

Sie sagen:
"Deine kleinen Minibrüste sind so putzig!"
"Beweg deinen fetten Arsch hier rüber!"
"Wir können ja nicht alle solche Salzstangenbeine haben wie du!"
Retourkutsche:
"Ich weiß, es ist nicht böse gemeint, aber ich versuche gerade, etwas Abstand zu gewinnen zu dieser allgemeinen Negativität gegenüber weiblichen Körpern."

Die "Ist doch okay"-Fraktion

KollegInnen, Bekannte und andere Menschen, die glauben, es ist erlaubt, sich über Äußerlichkeiten lustig zu machen, wenn diese den gängigen Schönheitsidealen entsprechen

Sie sagen:
"Oh wow, deine Brüste sind ja riesig!"
"Du bist ja die totale Bohnenstange, iss mal was!"
"Wie ist denn die Luft da oben?"
Retourkutsche:
"Sorry, kannst du das bitte noch mal wiederholen?" Damit bewirkst du, dass dein Gegenüber über seine Bemerkung nachdenken muss und der "Witz" damit an Wirkung verliert.

Die "hilfreichen" BeraterInnen

VerkäuferInnen, FriseurInnen, TrainerInnen und andere Menschen, die ungefragt Ratschläge erteilen

Sie sagen:
"Faltenröcke sind super für fülligere Körpertypen!"
"Haben Sie mal darüber nachgedacht, sich diese kleinen Äderchen weglasern zu lassen? Wir machen das hier im Haus!"
"Diese Übung wird Ihrer Figur etwas mehr Kurven verleihen."
Retourkutsche:
"Danke, kein Interesse!"

Die Internet-Trolle

Von pseudo-freundlich bis offen beleidigend toben sich diese Menschen in den sozialen Medien aus.

Sie sagen:
"Ich will ja nicht unhöflich sein, aber das Outfit passt echt nicht zu deiner Figur!"
"Mädchen, du brauchst einen besseren BH!"
"Krass, mir war gar nicht aufgefallen, dass du so zugenommen hast!"
Retourkutsche:
Ignorieren, löschen, wenn nötig blockieren.

Die unsensiblen Lover

Ob aus mangelnder Sensibilität, einem fragwürdigen Sinn für Humor oder als subtiler Versuch, uns auf ihre körperlichen Präferenzen hinzuweisen – Body Shaming ist doppelt verletzend, wenn es von jemandem kommt, der einen nackt gesehen hat.

Sie sagen:
"Du hast ja fast so breite Schultern wie ich!"
"Deine kleinen Speckröllchen sind so niedlich!"
"Mit größeren Brüsten könntest du Dessous-Model werden!"
Retourkutsche:
Erst schweigen, dann: "Okay, diese eine Bemerkung überhöre ich noch, aber für die Zukunft merk dir bitte, dass ich echt kein Fan von Body Shaming bin!"

Anuschka Rees: Beyond Beautiful

In "Beyond Beautiful: Wie wir trotz Schönheitswahn zufrieden und selbstbewusst leben können" erzählt die Autorin Anuschka Rees aus ihren eigenen Zwanzigern zwischen Diäten, Schönheitswahn und dem ständigen Vergleich mit scheinbar wunderschönen Menschen in sozialen Medien - und von der Erkenntnis, wie schlecht das eigentlich für uns ist. Ein Selbsthilferatgeber mit praktischen Tipps und Strategien für mehr Selbstbewusstsein und ein besseres, angenehmeres Körperbild.

Schwerpunkt: Wir müssen unsere Körper nicht bedingungslos lieben

Body Positvitiy ist im Mainstream angekommen: "Liebe deinen Körper" heißt es an allen Ecken (und in der Werbung). Aber müssen wir das wirklich, um mit uns selbst gut leben zu können? Die Body Neutrality sagt deutlich: Nein. Und will den - meist weiblichen - Körper endlich aus dem Fokus nehmen.

Mehr dazu:

 

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