Anton Corbijn

Am 17. September startet THE AMERICAN in den österreichischen Kinos. Die wortkarge Hauptrolle des Profi-Killers Jack mimt niemand Geringerer als George Clooney. Typischich.at bat den Regisseur Anton Corbijn zum Gespräch.

Sie wurden durch Ihre Arbeit als Fotograf und Regisseur von Musikvideos für Bands wie Depeche Mode oder U2 berühmt. Ihr erster Spielfilm war eine Biographie über Ian Curtis. THE AMERICAN ist das erste große Projekt, das nichts mit Popmusik zu tun hat. Wie kam es dazu?
Ich habe viel fotografiert, was nichts mit Musik zu tun hat. Die Zeit, die ich zum Beispiel mit U2 verbracht habe, ist gering. Das ist das, wofür ich bekannt bin aber man muss es in Relation sehen. Wenn man meine Karriere seit den 1970er Jahren betrachtet, war es zunächst Musikfotografie, dann Musikvideos in den 80ern, in den späten 80ern habe ich mit Grafikdesign begonnen und Still Design war in den 90ern. Ich versuche immer neue Wege zu finden, mich selbst auszudrücken und dabei mit visuellen Dingen zu spielen. Filme kombinieren all diese Dinge. Als ich mich zum ersten Mal an einen Filmdreh heran gewagt habe, war ich nervös, daher konnte es sich nur um einen Gegenstand handeln, in den ich emotional involviert war. Ich kannte Ian Curtis schon. Als ich noch jung war, war er der Grund warum ich nach England gezogen bin, also handelte der erste Film von ihm. Nachdem ich meinen ersten Film gedreht habe, habe ich mehr darüber erfahren und diese Erfahrung hat mir Selbstvertrauen gegeben, weitere Filme zu machen. Dieser Film musste aber natürlich ganz anders sein und so habe ich nach anderen Genres gesucht.
Ich bin gern Regisseur, also musste ich einen Weg finden, in dem ich meine Fähigkeiten entwickeln kann. Ich habe nach unterschiedlichen Genres gesucht, wie zum Beispiel Thriller, Western oder Schwarze Komödie und dann bin ich über das Buch gestolpert (Anm. der Red.: A Very Private Gentleman von Martin Booths), wir haben ein Skript verfasst und ja, das war's.

Denken Sie, dass Ihre berufliche Entwicklung Ihnen geholfen hat, ein guter Regisseur zu werden?
Ich weiß noch nicht, ob ich ein guter Regisseur bin. Ich arbeite daran. Ich versuche meinen eigenen Stil in die Filme einfließen zu lassen, aber klar, es hat mir sicher geholfen. Ich arbeite mit vielen bekannten Leuten zusammen und ich hatte eine Vision. Mit der Hilfe von vielen Leuten habe ich versucht, einen Film auf die Beine zu stellen.

Sie haben viele Talente, interessieren sich für Vieles. Gibt es auch etwas, das Sie nicht mögen?
Romantische Komödien stehen nicht auf meiner Liste (lacht). Aber ich mag auch einige Thriller nicht...

THE AMERICAN ist ein Thriller, aber es handelt sich dabei nicht um einen typischen Thriller. Außerdem ist der Film sehr ruhig. Was sind die Vorteile dieser stillen Art des Erzählens?
Für mich hebt es besonders die Einsamkeit hervor. Der Film ist auf sehr einfache Dinge zerlegt, es wird mit der Spannung gespielt.

George Clooney ist als schöner Mann, der immer gut angezogen ist, bekannt aber in THE AMERICAN schmeichelt das Licht nicht immer und er ist meistens unauffällig angezogen. Warum?
Wir wollten einen düsteren Charakter darstellen und das ist nicht gerade etwas, wofür George bekannt ist. Der Charakter der Rolle muss stimmen. Das ist nicht der George Clooney, den man aus der Werbung kennt. Die Rolle musste realistisch sein.

am 20. Mai 1955 in Strijen, Niederlande, geboren. Lebt seit ca. 30 Jahren in GB.
Corbijn ist weltweit bekannt als Porträt-Fotograf und arbeitete mit zahlreichen Künstlern zusammen. Er führte Regie bei Musikvideos, gestaltete CD-Cover für z.B. Depeche Mode, Herbert Grönemeyer.
2007 führte er Regie bei CONTROL, einem Musikdrama über Joy Division und Ian Curtis.
Thriller, Regie: Anton Corbijn. Mit: u.a. George Clooney, Violante Placido, Thekla Reuten, Paolo Bonacelli

Worum geht's? Der Auftragskiller Jack (George Clooney) ist ruhig, ständig auf der Hut und vorallem misstrauisch. Er beschließt, seinen Job an den Nagel zu hängen sobald der letzte Auftrag vorbei ist und sucht Ruhe in einem italienischen Bergdorf. Die Liebe funkt ihm jedoch dazwischen: Die Prostituierte Clara (Violante Placido) zieht ihn in seinen Bann und Jack wird immer unvorsichtiger. Das kann jedoch tödliche Folgen haben ...

Kinostart: 17. September 2010
Warum wurde George Clooney für die Rolle ausgewählt?
Ich habe seine dunkle Seite schon in "Michael Clayton" entdeckt und ich mag diese Seite an ihm. Er ist ein Schauspieler, der mit wenig Worten viel sagen kann. Ich denke, er hat gute Arbeit geleistet.

Sie haben bereits mit einigen Musikern zusammengearbeitet und mit vielen befreundet. Warum haben Sie Herbert Grönemeyer für die Filmmusik ausgewählt?
Er war der Beste für dieses Projekt. Außerdem ist er ein Freund von mir, einer meiner besten eigentlich. Es lag also auf der Hand ihn zu fragen. Herbert hat eine musikalische Gabe, er schreibt wunderschöne Melodien und er versteht es, Szenenmusik zu komponieren. Außerdem war er auch schon als Schauspieler tätig. In CONTROL hatte er eine kleine Rolle und ich werde bestimmt eines Tages wieder mit ihm in einer anständigen Rolle zusammenarbeiten.

Sie arbeiten eher im Hintergrund. Warum wollen Sie nicht selbst mal im Rampenlicht stehen?
Ich habe mich entschieden hinter der Kamera zu stehen, weil ich nicht berühmt werden will. So wie es ist, ist es das richtige Level um noch in Ruhe einkaufen gehen zu können. Man möchte nicht George Clooney sein... In dem kleinen Dorf, wo wir gedreht haben, Castel de Monte, fühlte sich George wohl, weil er spazieren und einkaufen gehen konnte. Das konnte er seit 18 Jahren nicht mehr!

Im Jahr 1998 waren Sie für die Wahlkampagne von Wim Kok (Anm. der Red.: niederländischer Politiker) verantwortlich. Was haben Kunst und Politik gemein?
Nicht viel, aber ich wurde von vielen Politikern gefragt, ob ich sie fotografiere. Wim Kok hat sich mehr als ein Staatsmann als ein Politiker verstanden, das hat mir gefallen. Er ist ein väterlicher Typ und er war von der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und ich habe zu dieser Zeit in England gelebt, also habe ich diese Kampagne gemacht. Aber ich möchte das nicht nochmal machen. Politiker sind Politiker. Ich denke, es ist etwas anderes wenn sie aufhören Politiker zu sein, wie zum Beispiel Clinton oder Mandela. Mandela habe ich auch fotografiert, genauso wie Al Gore und Tony Blair. Mit Tony Blair bin ich nicht einverstanden aber Mandela sollte 100 Jahre alt werden. Die Welt braucht Menschen wie ihn.

Stehen bereits weitere Projekte an?
Ja, ich habe bereits ein paar Dinge am Laufen.

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