Antimuslimischer Rassismusreport 2018: Immer mehr Anfeindungen

Der "Antimuslimische Rassismusreport 2018" berichtet von einer Zunahme der gemeldeten Fälle um 75 Prozent. Betroffen sind besonders: Frauen.

Muslimin liest in einem Buch

Zum inzwischen vierten Mal erschien heuer der "Antimuslimische Rassismusreport" der Dokumentations- und Beratungsstelle Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus.

Der jüngste Fall, die "Spuck-Attacke" gegen eine junge Österreicherin mit Kopftuch (>>> die WIENERIN berichtete), kommt darin freilich noch nicht vor. Weit beachtet und für viele Menschen schockierend, fällt der Vorfall aber in ein recht typisches Muster, wie der vorliegende Bericht zeigt. Immerhin haben sich 83 Prozent der 2018 dokumentierten Fälle antimuslimischen Rassismus gegen Frauen gerichtet. Besonders trifft es so genannte "sichtbare Muslimas" - also Frauen, die ein Kopftuch tragen.

Erstmals gab es 2018 aber auch eine starke Zunahme männlicher Betroffener. Betrafen im Jahr 2017 nur 2 Prozent der dokumentierten Fälle männliche Opfer, waren es 2018 schon 17 Prozent. Sie berichten besonders von rassistischen Polizeikontrollen. Insgesamt stieg die Zahl der Fälle, die als "antimuslimisch rassistisch" verbucht wurden, von 309 im Jahr 2017 auf 540 im Vorjahr. Das ist ein Plus von 75 Prozent. Die Verantwortlichen erklären das mit dem steigenden Bekanntsheitsgrad ihrer Einrichtung und der Zusammenarbeit mit ZARA, der Organisation für Zivilcourage und Anti-Rassismus.

Beschimpfen und beschmieren

Am häufigsten äußert sich die Islamfeindlichkeit in "Verhetzung oder Hate Speech", wie die Kategorie im Bericht heißt. Sie macht 46 Prozent der Fälle aus, also beinahe die Hälfte. Es sind Vorfälle wie jener einer Frau M., der bei der Präsentation auch verlesen wurde: Eine Frau habe M. in einem Bus der Wiener Linien "als syrischen Flüchtling wahrgenommen" und "als Kinderschänder" beschimpft. "Zu der Tochter schreit sie: 'Sie gehören vergast!' Der Busfahrer und die Passagiere handeln sofort, und die Dame muss bei der nächsten Station den Bus verlassen."

Für "besorgniserregend" halten die VerfasserInnen antimuslimische "Beschmierungen (halb-)öffentlicher Plätze", die 17 Prozent aller Fälle ausmachen. Seit 2017 gab es hier eine Zunahme von 50 Prozent. Negativ fällt vor allem die Universität Wien auf: In einer einzigen WC-Anlage des Campus am Alten AKH finden sich über 30 Beschmierungen.

Weiters unterscheidet der Bericht zwischen folgenden Kategorien:

  • "verbaler Angriff": Darunter fallen etwa Beschimpfungen als "Kopftuchhure" oder das Verunglimpfen eines Burkinis als "unhygienisch". Insgesamt fallen 14 Prozent der gemeldeten Fälle in diese Kategorie.
  • "Diskriminierung": Ein Beispiel ist hier etwa der Fall einer SMS an Security-SupervisorInnen ('Bitte keine Schwarzen und keine mit Kopftuch schicken") und die darauf folgende Abziehung einer muslimischen Mitarbeiterin. In diese Kategorie fallen sechs Prozent der Fälle.
  • "Islamfeindlichkeit an Institutionen" macht drei Prozent der Fälle.
  • "Hate-Crime": Ein Beispiel hierfür ist etwa ein Fall, in dem eine Muslimin in der U-Bahn beschimpft und beleidigt und der ihr zur Hilfe eilenden Frau die Brille zerstört wurde. Zwei Prozent der dokumentierten Fälle sind "Hate-Crime".
  • In die Kategorie "Sonstiges" fallen "Mobbing, Bespucken, Anrempeln, Kopftuchziehen und Fälle mit der Polizei".

Mehr als die Hälfte der Fälle (53 Prozent) passieren im Internet, 31 Prozent finden im öffentlichen Raum statt.

Wunsch: Bewussterer Umgang

Kritik üben die VerfasserInnen des Berichtes auch an der Politik, vor allem wegen der beobachteten "Vermengung der Begriffe Islam und Islamismus". Dem folgt eine Empfehlung sowohl an die Politik, als auch an die Medien: "Klare Wortwahl frei von Rassismus" und einen "bewussten, differenzierten Umgang".

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