Anti-Aging

Warum lässt uns Zucker älter aussehen, als wir sind? Was sind eigentlich Stammzellen? Und warum sollten wir unsere Haut „entgiften“? Wir haben recherchiert: über die neuesten Hightech-Methoden zur Verjüngung unseres Teints und wie sie funktionieren.

Die Zeit ist ein guter Arzt, aber ein schlechter Kosmetiker", witzelte der englische Schriftsteller William Somerset Maugham (1874-1965) Mitte des 20. Jahrhunderts. Was er damals nicht ahnte: Nur wenige Jahrzehnte später versucht eine ganze Industrie, die Zeit auszutricksen und uns das Älterwerden zumindest optisch zu ersparen. Die Ansätze, die die Forscher dabei verfolgen, sind so vielfältig wie kreativ.
Wir haben die wichtigsten Methoden genauer unter die Lupe genommen.

1. Schutz von Stammzellen und DNS: Hautschutz fängt in der Zelle an. Genauer gesagt bei unseren Stammzellen und der DNS. Die Stammzellen, auch Mutterzellen, sind jene Vorlage, nach denen sich weitere Tochterzellen bilden. Die Crux: Wir haben nur eine gewisse Anzahl an Stammzellen. Und die können z. B. durch zu viel UV-Licht beim Sonnenbaden zerstört werden. Ist die Mutterzelle nun beschädigt, kann sie keine gesunde Tochterzelle hervorbringen. Unsere Haut altert schneller. Es macht also Sinn, die Vorlage zu schützen (z. B. mit La Biosthetique und Marbert). Am wirksamsten haben sich dafür Extrakte aus Pflanzen-Stammzellen erwiesen, z. B. aus der alten Schweizer Apfelsorte „Uttwiler Spätlauber". Wenn es um unsere DNS geht, die „Desoxyribonukleinsäure", wird die Sache ein wenig komplizierter. Es handelt sich dabei um unsere Erbinformation, die im Zellkern auf ca. 30.000 Genen liegt. Davon sollen rund 300 Gene mit der Hautalterung zuPflegetun haben. Welche und wie man sie beeinflusst, ist gerade Gegenstand intensiver Forschung. Momentan kann man sich nur darauf beschränken, unsere Erbinformation zu schützen, und zwar vor Schäden durch UV-Licht. Möglichkeit 1: Cremes mit Sonnenschutz. Möglichkeit 2: Cremes mit speziellen Enzymen, die im Inneren der Zelle die hauteigenen Reparaturmechanismen anregen sollen (z. B. bei Lancaster und Diadermine).

2. Zucker macht alt! Ein ganz anderer Ansatz beschäftigt sich mit der sogenannten Glykation, auch Verzuckerung genannt. Dabei verhärtet sich das Gewebe in unserer Haut, weil sich Zuckermoleküle an die stützenden Kollagenfasern anheften und sie unbeweglich und starr machen. Und das führt natürlich wenig überraschend zu Falten und Spannkraftverlust. Das Interessante daran: Es handelt sich dabei um einen natürlichen biologischen Prozess, der sich mit zunehmendem Alter verstärkt. Durch eine ungesunde Lebensweise (und dazu gehört auch eine Ernährung mit viel Süßem) können wir die Glykation unserer Haut aber schon in jungen Jahren beschleunigen. Die gute Nachricht: Es gibt Wirkstoffe, die sie rückgängig und die Haut wieder elastisch und prall machen können. Bei Chanel setzt man auf eine Substanz aus einem indonesischen Baum, bei La Biosthetique auf Extrakte aus der Bärentraube und Braunalge.

Nicht minder spannend ist der Weg, den man bei Sensai gewählt hat. Die Forscher des japanischen Beautykonzerns konzentrieren sich auf die Muskelzellen. Ihr Argument: Mit zunehmendem Alter lässt die Muskelspannung nach.
Wer also Falten und Spannkraftverlust an der Oberfläche reduzieren will, muss tiefer gehen und die Muskelaktivität anregen – also „Krafttraining fürs Gesicht“ machen. Ein Extrakt aus natürlicher Hefe soll das ermöglichen. Er aktiviert den Energiestoffwechsel, sodass die Muskeln besser kontrahieren und die erschlaffte Haut wieder gestützt werden kann.
3. Verbrauchtes muss raus! Eine weitere Devise im Kampf gegen die Hautalterung lautet: „Müll entfernen!" Neben Zuckermolekülen sammeln sich nämlich über die Jahre auch andere unliebsame Substanzen in unserer Haut an - Giftstoffe, auch „Toxine" genannt (z. B. oxidierte Zell-Proteine oder Derivate des DNS-Abbaus). Sie entstehen nicht nur durch Umweltverschmutzung und einen ungesunden Lebenswandel, sondern leider ganz natürlich als Endprodukte unseres Zellstoffwechsels. Das an sich wäre ja noch nicht so schlimm. Alarmierend ist bloß die Tatsache, dass sich unsere Haut irgendwann von dem Haufen Ballast nicht mehr selbst befreien kann und dadurch ihre Regenerationsfähigkeit verliert. Die Folge sind Falten, sowie der Verlust an Elastizität und Leuchtkraft. Auch hier waren die Forscher der großen Beautykonzerne nicht untätig und suchten nach Substanzen, die als „Müllabfuhr" agieren. Bei Chanel wurde man im Himalaya fündig: Aus den goldenen Blüten eines Magnolienbaumes, der in 3000 Meter Höhe wächst und unter den Eingeborenen für seine Widerstandsfähigkeit bekannt ist, entwickelte man den Wirkstoff „Golden Champa PFA". Er neutralisiert nicht nur freie Radikale, sondern leitet auch die Zellentgiftung ein. Bei Clarins sorgt Löffelkraut-Extrakt dafür, dass oxidierte Proteine schleunigst aus dem Inneren der Zelle eliminiert werden. So kann der Zellstoffwechsel wieder ungehindert funktionieren.

4. Gebrochene Fasern flicken. Ein komplett neuer Anti-Aging-Ansatz kommt von Guerlain. Es handelt sich dabei um das Konzept der „Mikrorisse". Bislang war den Forschern mja bekannt, dass das Gewebe mit zunehmendem Alter einem Verfall ausgesetzt ist. Über die genauen Ursachen tappte man aber im Dunkeln. Jetzt gibt es eine mögliche Erklärung dafür: mikroskopisch kleine Risse in den Gewebsfasern der Dermis.
In jungen Jahren können diese Bruchstellen noch gekittet werden. Je weiter die Zeit voranschreitet, umso mehr verliert die Haut jedoch diese natürliche Fähigkeit - und fällt buchstäblich in sich zusammen. Inspiriert von den Mechanismen der Narbenheilung entwickelten die Guerlain-Forscher einen Wirkstoff aus Honig und Gelée royale, der des Rätsels Lösung sein soll. Er regt die Bildung eines speziellen Enzymes an. Und das wiederum sorgt dafür, dass sich an den Mikrorissen neue Fasern, sogenannte Fibroblasten, anlegen, die die Gewebslöcher von innen heraus auffüllen.

Aktuell