Anleitung für Männer, die sich in der Öffentlichkeit nicht benehmen können

Längst überfällig und die letzte Rettung für jene, die nicht mehr weiter wissen: das Standardwerk für Männer, die in der Öffentlichkeit gerne mal Frauen belästigen.

Bist du ein Hetero-Mann, der den "hübschen Dingern" hin und wieder auf der Straße hinterherpfeift, ihnen zuruft oder sie gar mit kreativen Anmachsprüchen beglückt? Dann ist diese Anleitung genau richtig für dich.

Die Frage, wie wir sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum verhindern können, hat schon allerlei kreative Lösungsvorschläge nach sich gezogen. Die haben sich jedoch alle auf ein Geschlecht beschränkt: die Frauen. "Frauen sollten nachts generell in Begleitung unterwegs sein, Angst-Räume meiden und in Lokalen keine Getränke von Fremden annehmen", riet etwa der Wiener Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl Anfang des Jahres. "Frauen sollen zu Fremden 'eine Armlänge' Distanz halten" lautete der Vorschlag der Kölner Bürgermeisterin Henriette Reker. Dass sie nichts Aufreizendes anziehen sollten, versteht sich quasi von selbst - und wurde einer jungen Wienerin auch von der Polizei geraten, nachdem sie Opfer eines Übergriffs wurde.

Nachdem es also genug Vorschläge dazu gibt, wie man Frauen aus dem öffentlichen Raum vertreiben kann, haben wir uns gedacht, dass ein solches Standardwerk für Männer längst überfällig ist. Jetzt müsst ihr euch nie wieder so lästige Fragen stellen wie: "Ist das ein Mensch?" oder "Sollte ich auch Frauen in kurzen Röcken respektieren?" Für alle, die glauben, dass der öffentliche Raum ihnen gehört und sie deshalb Frauen jegliche Würde absprechen können, haben wir die wichtigste Anleitung aller Zeiten geschrieben.

Punkt 1: Auch Frauen ziehen im Sommer kurze Sachen an, weil ihnen heiß ist

Es gibt keine Jahreszeit, in der Belästigungen so häufig vorkommen wie im Sommer. Der Grund ist einfach: Kleider, Röcke, kurze Hosen - all das scheint ein Freifahrtsschein für "Hey Baby!"-Rufe oder Pfiffe zu sein. Wir haben Neuigkeiten für euch, liebe Männer: auch Frauen ziehen im Sommer kurze Sachen an, weil ihnen heiß ist - und nicht, um sexy für euch zu sein. Und auch sonst und immer kleiden sie sich nichtfür euch - also um von euch begafft zu werden - sondern für sich selbst. Das heißt konkret: sollten bei einer Frau Beine oder gar ein Ausschnitt sichtbar sein, ist das keine Einladung dazu, sie in irgendeiner Form anzuquatschen. Das ist weder charmant noch mutig, sondern einfach widerlich.

Punkt 2: Nachpfeifen geht bei Haustieren, aber nicht bei Frauen

Wer schon mal einen Hund dressiert hat, wird sicher den einen oder anderen Pfiff von sich gegeben haben. Schließlich müssen die süßen Tiere ja zurechtgewiesen werden. Wer das jedoch hin und wieder bei Frauen auf der Straße macht, dem sei gesagt: sie sind keine Tiere, die man einfach so herbeipfeifen kann. Und sie werden sich auch nicht für euch interessieren, wenn ihr sie zu eurem Zirkusclown degradiert. Es ist ganz simpel und gar nicht so schwer zu erlernen - wir sind überzeugt, dass das selbst die Herren der Schöpfung begreifen können. Das Gleiche gilt übrigens auch für: Hupen, Rufen, dumm anquatschen, "Hey Baby", "Hey Sexy", "Hey Kleine", "Ich rede mit dir!" und so weiter und so fort. Schließlich gilt auch hier das Gleiche wie im sonstigen menschlichen Zusammenleben: Respekt ist alles.

Punkt 3: Ein "Poklaps" ist kein Kompliment

Schreibt euch diesen Satz hinter die Ohren, macht ihn zu eurem Desktophintergrund oder klebt euch einen Notizzettel auf die Stirn: Körperliche Übergriffe sind ein ABSOLUTES No-Go. Und ja: dazu gehört auch der Poklaps, den ihr Frauen manchmal im Club gebt. Zur Erinnerung: der ist seit 1.1.2016 auch strafbar. Und allen, die mit dieser strafbaren Handlung bereits (mehrmals) davongekommen sind, sei gesagt: es gibt noch Chancen, ein besserer Mensch zu werden. Versucht es einfach.

Punkt 4: Starren ist respektlos

Mal ehrlich: wer von euch mag es schon, minutenlang von oben bis unten begafft zu werden? Genau: niemand. Es ist für Frauen genauso unangenehm wie für alle anderen Menschen - also wenn ihr das Bedürfnis habt, jemanden so lange anzustarren, bis es nicht mehr geht, tut es auf euren Bildschirmen und nicht bei echten Menschen. Wenn ihr Punkt 2 bereits beherzigt habt, dürfte das jedoch kein Problem mehr darstellen. Denn: Frauen sind keine Tiere im Zoo, die begafft werden wollen.

Punkt 5: Haltet Sicherheitsabstand

Wer nachts hinter einer Frau geht, die sich bereits mehrmals hektisch umgedreht hat und deren Herz wahrscheinlich gerade vor Angst rast, könnte aus Respekt einfach mal die Straßenseite wechseln oder seine Schritte verlangsamen. Es würde uns allen viel Stress ersparen. Versprochen.

Punkt 6: Schaut nicht einfach zu, und macht schon gar nicht mit

Wenn ihr seht, wie eine Frau in der Öffentlichkeit bedrängt, dumm angequatscht oder sogar nach Hause verfolgt wird, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um Zivilcourage zu zeigen. Viel zu oft passieren Belästigungen, während dutzende Menschen einfach zusehen. Und wenn eure Freunde es lustig finden, lauthals darüber zu reden, wie "schoaf" die eine in der U-Bahn ist und wer zuerst mit ihr schlafen würde - macht NICHT mit, sondern sagt ihnen, wie widerlich sie sind und entschuldigt euch bei der Frau, deren Würde ihr gerade mit Füßen getreten habt.

Punkt 7: Bleibt einfach zuhause

Wenn es euch schwer fällt, die oben genannten Punkte zu befolgen, bleibt nur noch eins: geht nicht mehr außer Haus. Würden sich Männer aus der Öffentlichkeit fernhalten, könnten wir sexuelle Belästigung ein für alle Mal eliminieren. Dann könnten sich Männer auch endlich auf die wichtigen Dinge besinnen: Hausarbeit und Kindererziehung in ihren vertrauten Heimen.

Zur Serie: in unserer neuen Rubrik "WIENERIN hilft" erklären wir Männern, wie die Welt funktioniert und stellen ihnen (gratis!) überlebenswichtige Ratgeber zur Verfügung. Teilen ist erwünscht.

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