Anke Sevenich im Interview

Charakterdarstellerin Anke Sevenich geht im Beruf gern an ihre Grenzen und scheut sich auch nicht vor heiklen Szenen. Wie sie – und ihr Ehemann – damit umgeht, verrät die Powerfrau im Talk mit COMPLIMENT.

Wie gehen Sie damit um, wenn Sie in einem Film wie z. B. „Brief eines Unbekannten" mit Harald Krassnitzer eine Bettszene spielen müssen?
Ich bin Schauspielerin. Das heißt, ich soll eine Figur glaubhaft darstellen. Also wenn da zwei Menschen sind, die laut Drehbuch miteinander ins Bett gehen, dann finde ich es nicht glaubhaft, wenn sie Rollkragenpullover
dabei anhaben. Wenngleich ich zugebe, dass ich privat ein genanter Mensch bin. Meine Neigung, mich zu entkleiden, ist eigentlich überhaupt nicht vorhanden.

Das klingt nach Überwindung ...

Als junge Schauspielerin fand ich es schrecklich. Bei „Zweite Heimat" etwa habe ich mich anfangs geschämt.
Aber heute, obwohl ich ja nicht jünger und knackiger bin, habe ich weniger Probleme damit. Im Laufe des Lebens habe ich ein neues Selbstverständnis erlangt. Mein Umgang mit meinem Körper und damit auch mit meiner Sexualität ist viel befreiter, viel selbstverständlicher geworden. Ich bin in vielen Dingen gelassener, lockerer und souveräner. Deshalb finde ich Nackt- oder Bettszenen im Film in Ordnung. Das Schwierige ist ja nicht, sie zu spielen, sondern sie zu ertragen.

Wie meinen Sie das?
Man muss in unserem Beruf die körperliche Nähe von Menschen ertragen können, die man sich nicht ausgesucht hat. Wenn ich morgens zum Set komme und noch bettwarm und müde bin, muss ich als Erstes ertragen, dass mich die Maskenbildner anfassen. Und dann die Kostümbildner. Und schließlich die Filmpartner. Ich werde in diesem Beruf immer angefasst. Privat bin ich aber ein Mensch, der nicht die ganze Zeit von aller Welt angefasst werden will.

Wie geht Ihr Mann damit um, wenn Sie Bettszenen drehen?

Sehr gelassen und souverän. Das finde ich auch klasse. Mein Mann ist als Fotograf selbst Künstler und weiß um die professionelle Haltung in diesen Dingen. Außerdem kennt er mich und weiß mich einzuschätzen. Dazu kommt, dass man in unserer Branche im Allgemeinen ein relativ unstetes Leben führt. Wir sind nicht ständig zusammen und wir sind auch nicht so ein im bürgerlichen Sinn festgefahrenes Ehepaar. Wir haben beide ein eigenständiges Leben. Und genau das finde ich sehr, sehr schön.

Anke Sevenich wurde 1959 in Frankfurt am Main geboren und studierte Schauspiel. 1992 gelang ihr mit der Rolle des „Schnüsschen“ im Film-Epos „Die zweite Heimat“ von Edgar Reitz der Durchbruch als Fernsehschauspielerin. In den folgenden Jahren spielte sie zahlreiche TV-Rollen, so trat sie allein in der „Tatort“-Reihe mehr als 15-mal in Episodenrollen auf – wofür ihr ihre Fans den Titel „Tatort-Königin“ verliehen.

Derzeit tourt Sevenich mit den Theaterstücken „Glückliche Tage“ von Samuel Beckett und mit Kathrin Schwedlers „Tödliche Butterstullen“ durch Deutschland. Anke Sevenich ist verheiratet und hat einen 12-jährigen Sohn.

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