Angst vor Misserfolg

„Ich bin einfach nicht gut genug“ – dieser Gedanke ließ Sandra K. nicht mehr los, seit ihr wieder einmal eine Konkurrentin vorgezogen wurde und sie die ersehnte Stelle in der Werbeagentur doch nicht bekam. Wie man mit solchen Niederlagen umgehen kann, verrät Mag. Birgit Fornaroli.

Die Niederlagen des Lebens

Dem Misserfolg haftet nach wie vor ausschließlich Negatives an und er wird immer noch tabuisiert. Einerseits ist Scheitern in unserer Zeit normal geworden, anderseits wird diese Normalität immer noch nicht anerkannt. Scheitern wird als emotionale Kränkung empfunden, über die niemand gerne spricht.

Wir wissen, dass Niederlagen zum Leben gehören, doch wie können wir damit umgehen, wenn es uns plötzlich persönlich betrifft - wenn Aufträge platzen, Ziele nicht erreicht werden und die Geschäfte nicht so laufen, wie wir es uns wünschen? Wie können wir es schaffen, das alles nicht persönlich zu nehmen und uns weiterhin zu motivieren?

Mit Niederlagen besser umgehen

Zunächst ist es wichtig, eine Niederlage zu akzeptieren, sich einzugestehen, dass es nicht gut gelaufen ist.

Der nächste Schritt ist, das Ziel/den Auftrag mit all seinen damit verbundenen Hoffnungen loszulassen. Die Gedanken kreisen ständig um die Schuldfrage, um das eigene Versagen. Dadurch bleiben wir jedoch Gefangene unserer Niederlage. Viel gewinnbringender ist es, diese Energie zu nützen, um zu überlegen, was man das nächste Mal besser machen kann.

Ein wichtiger weiterer Schritt ist, sich bewusst zu machen, dass es einen Unterschied zwischen der Sache (Niederlage) und der Person gibt. Ich habe zwar eine Niederlage erlitten, mein Wert als Person, als Mensch hat sich dadurch nicht geändert. Viele haben nach einer Niederlage ganz grundsätzlich Gedanken, wie „ ich habe nie Glück", „ich habe es schon wieder nicht geschafft", „nur bei mir läuft alles schief", „ich bin nicht gut genug", diese dann zur einzigen Realität werden. Es ist jedoch hilfreich, sich mit diesen sogenannten Glaubenssätzen, die schon früh im Leben verinnerlicht werden, auseinander zu setzen und heraus zu finden, woher sie kommen, wo sie behindern und ob sie überhaupt (noch) stimmen. Es ist wichtig, diesen Blockaden auf die Spur zu kommen, um sich nicht als Versager auf ganzer Linie zu fühlen. Denn dann zweifeln wir schnell an all unseren Fähigkeiten und Ressourcen und gehen nur halbherzig an unsere Aufgaben heran.

Ein wichtiger Punkt ist, mit sich selbst versöhnlich umzugehen, sich selbst zu verzeihen. Selbstvorwürfe kosten viel Kraft. Wer sich sein Scheitern nicht verzeiht, wird immer wieder von seinem Misserfolg eingeholt. Natürlich ist es wichtig, über die Umstände des Misserfolges zu reflektieren. Dann kann man sich fragen: Was sind die Gründe dafür? Habe ich etwas übersehen oder falsch eingeschätzt? Was ist passiert? Was kann ich in Zukunft anders machen? Wichtig ist, nicht in grüblerisches destruktives Nachdenken zu verfallen, sondern einen Erfahrungsgewinn für zukünftiges Verhalten zu erzielen. Vielleicht ist es auch hilfreich, sich mit anderen auszutauschen und sich auch die Frage zu stellen: „Was kann ich wirklich besser als andere?", „Welches ist mein Alleinstellungsmerkmal?", die eigenen Fähigkeiten und Ressourcen zu überdenken und sich dadurch selbst motivieren, anstatt in einem Zustand der Resignation zu verharren.

Neustart

Wer sich diesem Lernprozess und den Chancen, die sich daraus ergeben können, stellt, steigert auch das eigene Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen. Abschließend geht es darum, einen Neustart zu wagen, neue Wege zu gehen und Alternativen zu suchen, gestärkt durch den persönlichen Lernprozess.

Ein begleitendes Coaching kann helfen, den eigenen Glaubenssätzen auf die Spur zu kommen und so negative Denkmuster zu verändern oder innere und äußere Blockaden zu erkennen. Die Aussöhnung mit der Niederlage bringt Klarheit und neue Motivation.

Mag.a Birgit Fornaroli
Psychosynthese - Therapeutin
Dipl. Lebensberaterin, Supervisorin

Humboldtgasse 23/18
1100 Wien
Tel.: 0676/504 33 75

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