Angelina Jolie wünscht sich mehr "böse Frauen" für ihre Töchter

Die Schauspielerin ist es leid, dass rebellische Frauen in unserer Gesellschaft immer noch als "böse" abgestempelt werden. Und wünscht sich genau deswegen mehr von ihnen.

Angelina Jolie böse Frauen

Das Disney-Märchen rund um Dornröschen erzählt die Geschichte von der schönen Aurora, die von der bösen Fee Maleficent verflucht wird und in einen hundertjährigen Schlaf fällt, aus dem sie nur von dem Kuss wahrer Liebe wieder erweckt werden kann. Soweit, so bekannt. Vor einigen Jahren nahm sich Disney der Story erneut an - statt Dornröschen als Real-Life-Verfilmung wieder aufleben zu lassen, entschloss man sich aber dazu einen anderen Charakter in den Mittelpunkt zu stellen: Maleficent.

Jolie, die beste Nicht-Superheldin

Die Verfilmung mit Angelina Jolie in der Hauptrolle entpuppte sich als Kassenschlager. Mit einem Umsatz von 600 Millionen Dollar war Jolie im Erscheinungsjahr 2014 sogar so erfolgreich, dass sie zur "Besten Nicht-Superheldin" des Jahres gekürt wurde.

Tatsächlich hat es Disney mit der Neu-Adaption sehr schlau gemacht: man nahm ein Märchen, das jeder kennt und drehte es so, dass es auch den modernen Ansprüchen des 21. Jahrhunderts entsprach. Denn auch bei Disney war klar, dass man mit der immergleichen Erzählung von der schönen Prinzessin, die von dem starken Prinzen gerettet werden muss, irgendwann nicht mehr weit kommen würde. Das ist nicht nur langweilig, sondern auch problematisch, wenn man bedenkt, dass Disney-Prinzessinnen Studien zufolge Mädchen sogar unsicher und Burschen selbstbewusster machen und auch sonst sehr viele alte Frauenklischees reproduzieren. Mit Maleficent hat man endlich einen komplexen Frauencharakter parat, der eben nicht nur gut oder böse ist, sondern widersprüchlich und vielfältig. Ein Frauencharakter, den das Disney-Universum dringend gebraucht hat.

Den Kinoerfolg wird man in Maleficent 2 demnächst zu wiederholen versuchen. Während man im ersten Teil noch versuchte den bösen Charakter der Fee mit mütterlicher Liebe ein wenig weichzuwaschen, dürfen wir uns im zweiten Teil endlich auf noch mehr Badass-Frauenaction freuen. Der Trailer verspricht jedenfalls eine düstere Erweiterung des einst so unschuldigen Märchens zu werden.

Die bösen Frauen, von denen ich spreche

Dass Maleficent bei den ZuschauerInnen so gut ankommt, dürfte auch daran liegen, dass man mit Angelina Jolie eine Protagonistin gefunden hat, die die Idee glaubhaft nach außen verkauft. In einem Essay an ihre Töchter, der in der Zeitschrift Elleerschienen ist, plädiert die Schauspielerin nun für mehr "böse Frauen". "Seit jeher werden Frauen, die gegen das rebellieren, was von der Gesellschaft als normal angesehen wird – sogar unbeabsichtigt –, als unnatürlich, seltsam, böse und gefährlich bezeichnet."

Angelina Jolie

Die "bösen Frauen", von denen Jolie spricht, seien letztlich jene, die sich gegen Ungerechtigkeit und Missbrauch aussprechen: "Frauen, die sich weigern, Regeln zu befolgen, von denen sie nicht glauben, dass sie am besten für ihre Familien und sich selbst sind. Frauen, die ihre Stimme und ihre Rechte nicht aufgeben werden – auch nicht, wenn sie dadurch den Tod, eine Inhaftierung oder die Ablehnung durch ihre Familie fürchten." In Anlehnung an ihre Rolle der "bösen Fee", kommt Jolie zur Erkenntnis: "Wenn das Bosheit ist, dann braucht die Welt mehr böse Frauen."

Wichtig sei es dabei auch unterschiedliche Frauenbilder anzuerkennen. Sie selbst wäre für ihre Überzeugungen, ihr unabhängiges Liebesleben, wohl noch vor einigen Jahrzehnten unter dem Vorwand der Hexerei (auch "Maleficia" vom lateinischen maleficent; zum Bösen hingezogen) verbrannt worden, gibt Jolie zu bedenken.

Frauen mit Willen und Meinung

Ihren Kindern möchte sie deswegen mitgeben, sich stets ihre eigene Meinung zu bilden und nicht von gesellschaftlichen Zwängen leiten zu lassen. Ein hübsches Kleid könne man immer anziehen, aber der Geist sei entscheidend. "Es gibt nichts Attraktiveres – man könnte sogar sagen Bezaubernderes – als eine Frau mit eigenem Willen und eigener Meinung", so die Schauspielerin weiter.

Wenn Maleficent 2 am 17. Oktober in den heimischen Kinos startet, wird Jolie diese Haltung wohl erneut unter Beweis stellen. Und wird nicht nur für ihre Töchter, sondern viele Mädchen da draußen, hoffentlich ein starkes Frauenvorbild sein.

 

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