Andreas Gabalier: Mütter sollen länger bei Kindern bleiben

Sänger Andreas Gabalier meint, dass Frauen länger bei ihren Kindern bleiben sollten. Schule und Kindergarten würden viel zu oft die Erziehung übernehmen. Stimmt, Väter könnten das auch, meint WIENERIN-Redakteurin Katrin Halbhuber.

Im Gespräch mit der deutschen Illustrierten "Tina" sagte der Steirer: "Ich glaube, dass es Kindern guttut, wenn ihre Mutter länger zu Hause bleibt und sich um sie kümmert. Heute müssen doch viel zu häufig Schule und Kindergarten die Erziehung übernehmen!"

Ich versuche, Gabaliers Aussage objektiv anzugehen. Und schaff es leider nicht. Weil Andreas Gabalier in einem ansonsten locker-flockigen Interview mit einer konservativen, altmodischen Illustrierten einen schweren Satz so locker-flockig ausspricht. Weil er mit diesem schweren Satz jeder Mutter und damit auch mir eine drauf haut. Weil der Typ keine Ahnung davon hat, wie schwer sich Frauen heutzutage mit dem Thema der Vereinbarkeit von Familie und Beruf tun, wie sehr Mütter täglich mit sich und den gegebenen Regeln unseres Systems kämpfen, um einerseits als gut ausgebildete, selbstständige Frauen arbeiten zu können, und andererseits liebevolle, sich kümmernde Mütter sein zu können.

Jede Frau soll ihren Weg als Mutter frei wählen können, in einem Rahmen, der diesem Weg freie Bahn lässt. Dass dieser Rahmen hierzulande leider oft genug zu wünschen übrig lässt, ist eine Tatsache, die definitiv geändert gehört.

Deshalb waren wohl auch viele Reaktionen auf Gabaliers Aussage positiv, vor allem Frauen fühlten sich verstanden und ernst genommen, endlich würde mal jemand die Dinge beim Namen nennen. Ich bezweifle jedoch, dass es die Absicht des Sängers war, einen frauenpolitischen Missstand aufzudecken, als großer Feminist hat sich Gabalier in der Vergangenheit nun wahrlich nicht dargestellt.

Und ich möchte damit keinesfalls sagen, dass Männer sich nicht zu diesem Thema äußern dürfen, ganz im Gegenteil: Denn genau die Rolle der Männer ist es, die Andreas Gabalier so galant außen vor lässt. Und das regt mich wirklich auf. Kein Wort von der Rolle eines Vaters bei der Kindererziehung. Schon von Väterkarenz gehört? Die Männer können das nämlich auch ganz gut. Also: Bleib du doch zu Hause, Andreas Gabalier!

Der Herr, der im weiteren Verlauf des Interviews von möglichem Nachwuchs träumt ("Das gehört doch zum Leben dazu! Wenn ich erstmal loslege mit dem Kinderzeugen, kann es also gut sein, dass ich so schnell nicht mehr damit aufhöre!"), ist sicher ebenso fähig, sich um seine Kinder zu kümmern, wie deren zukünftige Mutter, kein Zweifel.

Wenn also Andreas Gabalier im nächsten Interview sagen würde, er wünscht sich zehn Kinder und bleibt dann auch gerne jeweils ein Jahr zuhause, dann hätte er tatsächlich mal ein wichtiges Wort gesprochen.

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